Weltschnellster ziviler Rechner Jugene an Netz gegangen

Jülich: Per Knopfdruck in die Datenleitung
Von Arne Schenk [22.02.2008, 18.55 Uhr]

Erst wird geplaudert, dann schreiten sie zur Tat…

Erst wird geplaudert, dann schreiten sie zur Tat…

Das „Ju“ in Jugene, der neuen Ausbaustufe Supercomputer im Forschungszentrum, stünde natürlich für seinen Standort, eben „Jülich“, und somit für Weltspitzenforschung, erklärte Prof. Dr. Thomas Lippert der Moderatorin Kerstin Graf auf der Einweihung der Hochleistungsrechenmachine. Dass das Drücken des roten Buzzers durch Landesvater Jürgen Rüttgers und Staatssekretär Thomas Rachel gemeinsam mit dem FZJ-Vorstandsvorsitzenden Prof. Achim Bachem und Martin Jetter, Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland, nicht nur einen symbolischen Akt darstellte, unterstrich er außerdem. Dadurch seien die Programm auf die Maschine geschickt worden.

Die Herzogstadt als Synonym für eine globale Vormachtstellung in Sachen Technik sorgte für ein Raunen im Publikum. Dabei wies bereits Rachel darauf hin, dass mit Jugene der leistungsstärkste Rechner der Welt stehe, der ausschließlich zivil genutzt wird. Lediglich in Kalifornien, U.S.A. ist ein schnelleres Modell im Dienste der atomaren Sicherheit beheimatet.
Professor Bachem bekundete, dass mit dem „Meilenstein“ Jugene und den Stuttgarter und Münchner Partnern im deutschen Gauss Centre for Supercomputing langfristig wettbewerbsfähige Infrastrukturen auf diesem Gebiet in Europa geschaffen würden.

Neben der Theorie und dem Experiment haben sich Computersimulationen zur dritten Säule der Forschung entwickelt, bestätigte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Dadurch würden nicht nur weniger Tierversuche in der medizinischen Forschung benötigt, auch für die Untersuchung von biologischen Membranen und der Proteinfaltung in Zellen genau so wie die des Klimas, des Magmas im Erdinnern, Schadstoffen im Boden wie für chemische Reaktionen in der Atmosphäre oder sogar Galaxien und Sternenbildung im Weltraum sind die Berechnungen unterlässlich.

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Prof. Thomas Lippert, Prof. Achim Bachem, Jürgen Rüttgers, Thomas Rachel und Martin Jetter bei der Initialisierung von Jugene.

Prof. Thomas Lippert, Prof. Achim Bachem, Jürgen Rüttgers, Thomas Rachel und Martin Jetter bei der Initialisierung von Jugene.

Dieser Wissens- wie Zeitvorsprung sei Voraussetzung für eine Spitzenforschung, betonte Rachel. Dass sich dieser Vorsprung konkret auszahle, erläuterte Dr. Detlef Müller-Wiesner, Senior Vice President von EADS, ein der weltweit führenden Unternehmen in der Luft- und Raumfahrt. Durch das Errechnen der physikalischen Faktoren ließe sich beispielsweise der Preis für ein Flugzeug festlegen, bevor es gebaut wird.

Zur chinesischen Konkurrenz und dem Verhältnis von 1,3 Milliarden Menschen gegenüber von 80 Millionen meinte Ministerpräsident Rüttgers, dass es nicht darum ginge, bei der Reproduktion von Handys wettbewerbfähig zu sein, sondern im Bereich der Computer- und anderen Wissenschaften. Dazu gehöre neben der Hardware auch die Software, und das sei in seinen Augen auch das, „was die Leute im Kopf haben“. Und wenn man wie Jülich einen grandiosen Kopf habe, „dann läuft’s auch“. Innovation brauche eben solche Orte.


Leistungsdaten des Jülicher Supercomputers Jugene:
* Architektur: IBM Blue Gene/P
* Rechenleistung, theo.: 223 Teraflop/s
* Rechenleistung, gem.: 167 Teraflop/s
* Prozessoren : 65.536
* Prozessortyp: Power PC 450
* Frequenz: 850 Megahertz
* Hauptspeicher: 32 Terabyte
* Speicherbandbreite: 13,6 GB/s
* Lokale Netzwerkbandbreite: 5,1 GB/s
* Netzwerklatenz: 160 Nanosekunden
* Elektrische Leistung: 560 kW


Foto: Prof. Thomas Lippert, Prof. Achim Bachem, Jürgen Rüttgers, Thomas Rachel und Martin Jetter bei der Initialisierung von Jugene.


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