Zur Schulleiter-Besetzung am Gymnasium Zitadelle

Leserbrief: Stellen-Nicht-Besetzungen nach Behördenart
Von Peter J. Reichard [10.02.2008, 22.47 Uhr]

Aus seiner langjährigen Erfahrung heraus äußert sich Peter J. Reichard, bis 2007 Leiter am Gymnasium Zitadelle, zum Besetzungs-Roulette an seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Neben erhellenden Fakten wirft er in seinem Leserbrief auch bedenkenswerte Fragen auf.

1. Die beiden Stellen am Rurtal- und Burgau-Gymnasium in Düren wie auch die am Gymnasium Zitadelle sind nicht etwa überraschend frei geworden. Alle drei Schulleiter sind vor mehr als einem Halbjahr aus Altersgründen pensioniert worden.
Werfen Dauer und Ergebnislosigkeit der Besetzungsverfahren nicht ein ungutes Licht auf die dafür verantwortliche Behörde?

2. Die Besetzung jeder dieser drei Stellen kann nicht für sich betrachtet werden: Wenn ein Kandidat drei Gymnasien als einzig wählbar zur "Wahl" gestellt wird, ist absehbar, dass mindestens zwei von diesen (jetzt sogar alle drei) Stellen unbesetzt bleiben.
Setzt damit die Behörde die angeblich berechtigten Interessen "ihres" Kandidaten nicht über das Recht dreier Schulen auf eine reguläre Leitung? Missachtet sie damit nicht die Vorschrift, vakante Leitungsstellen zügig zu besetzen?

3. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Besetzung neuer Lehrer stellen mittels der „schulscharfen“ Stellenausschreibungen: Die ausgewählte Lehrkraft hat 14 Tage Bedenkfrist für die Auswahl unter mehreren Angeboten. Hat eine Lehrkraft – auch hier begünstigt durch das Gebot der Bestenauslese - an mehreren Schulen ein Angebot erhalten, und nimmt sie das Recht wahr, bleiben die Stellen an den Schulen, für die sich nicht entscheidet, bis zum nächsten Ausschreibungstermin unbesetzt.
Wird nicht auch in diesen Fällen das zweifellos höherwertige Gut der Lehrerversorgung der Schulen dem Einzelinteresse des Bewerbers geopfert?

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Was treibt eine Behörde an, sich so zu verhalten? Vielleicht der Umstand, dass mit Abschaffung der Doppelspitze aus einem Pädagogen und einem Juristen als Leitung der Schulabteilung nur der Jurist übrig geblieben ist?

Könnte es sein, dass deswegen pädagogisch-pragmatisches Augenmaß nicht mehr zum Tragen kommt? Oder ist es die Furcht der Juristen vor verlierbaren Prozessen? Die Entscheidung zugunsten einzelner Bewerber vielleicht Folge davon, dass die Behörde ihr Verhalten gegenüber Schulen nicht zu rechtfertigen braucht und dass Schulen – anders als Bewerbern - kein gericht¬licher Klageweg offensteht?

Oder ist es etwa der Einfluss des in alle Ressorts hineinregierenden Finanzmisters? Ist der Eindruck abwegig, dass er der „lachende Dritte“ in allen Fällen ist? Wäre er nicht der einzige, der bei diesen Vorgängen tatsächlich Grund zu lachen hat, weil unbesetzte Stellen den einzigen Charme haben, kein Geld zu kosten? Kann aber Sparsamkeit wichtiger sein als die von der Schulministerin hochgepriesene „Qualität der Schulen“?

Ist den Schulen wirklich alles zuzumuten, was eine Behörde für rechtmäßig erklärt? Oder kann man den Betroffenen beipflichten, die das alles - mit der von Untertanen erwarteten Zurückhaltung - nur „recht mäßig“ finden?

Man wird doch noch fragen dürfen, oder?
Peter J. Reichard


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