Volker Michels referiert

Jülich: Die Gegenwelten des Hermann Hesse
Von Redaktion [30.01.2008, 21.03 Uhr]

Volker Michels ist ein Hermann-Hesse-Kenner

Volker Michels ist ein Hermann-Hesse-Kenner

Das Modell einer neuen Pädagogik, die nicht mehr von staatlichem Dirigismus beeinflussbar ist, wie Hermann Hesse es in seinem Erziehungsroman „Das Glasperlenspiel“ entwickelte, hat nach wie vor eine erstaunliche Aktualität. Das gilt auch für die in Hesses pädagogischer Provinz entwickelte Technik des Glasperlenspiels, die auf eine interdisziplinäre Vernetzung von Kunst und Wissenschaft, Mathematik und Musik zielt.

Über das Alterswerk des Dichters, worin Hesse in den Jahren 1930 bis 1942 sowohl eine Gegenwelt zum Zeitalter der Faschismus als auch zu den heute noch gängigen Mechanismen des Kulturbetriebes entworfen hat, spricht Volker Michels, langjähriger Herausgeber der Werke Hermann Hesses im Frankfurter Suhrkamp und Insel Verlag, am Freitag, 8. Februar, von 18.30 bis 21.15 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Düsseldorfer Straße 30. „Dass wir Volker Michels als Referenten gewinnen konnten, ist für uns eine große Freude“, erklärt Elke Bennetreu, Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich.

Bei aller Faszination für das Werk erschließt sich „Das Glasperlenspiel“ für viele Leser nur schwerlich, vielleicht wegen der vielen unterschiedlichen Ebenen. „Da ist die Auseinandersetzung mit der Frage, was Bildung denn eigentlich ist oder sein soll? Ein hochaktuelles Thema der (Post-)Moderne. Erschöpft sie sich einer rein funktionalen, singulären Wissensvermittlung? Übersehen wir die Bedeutung wirklicher, tieferer, zusammenhängender Bildung?“, erzählt Bennetreu.

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Allerdings beinhalte das Thema auch die Erkenntnis, welche Bedeutung der eigenen Lebensentfaltung zukommt, der Individuation im Lebensprozess: „Werde der/die du bist“, wie der Philosoph Pindar meinte. „Für Hesse war dies ‚das’ Lebensthema. Dabei muss gesehen werden, dass das Glasperlenspiel ab Mitte der 30er Jahre geschrieben und 1943 in der Schweiz herausgegeben wurde. In einer Zeit der Diktatur, des Nationalsozialismus“, betont Elke Bennetreu und fügt hinzu: „Hier greift er eine widerständige Haltung auf: Lass dich nicht ‚normieren’. Geh deinen Weg! Geh einen dienenden Weg, ja, aber diene den richtigen Mächten. Gilt es nicht auch heute darauf zu achten, dass wir uns nicht einer ‚Norm’ unterwerfen? Dass wir erkennen, worauf es wirklich und wesentlich ankommt?“

Das Glasperlenspiel als Krönung und Kunst der Menschen Kastaliens als abstrakte Synthese mag als Synonym für das Spiel mit den Künsten und Wissenschaften gelten, überlegt die Leiterin der Erwachsenenbildung: „Ein schöpferisches Spiel, das vielgestaltig und immer neu mit den Gegebenheiten aus Philosophie, Kunst, Mathematik, Musik spielt?. Eine kreative Fähigkeit das Ganze in seinen Zusammenhängen sehen zu können, die Einheit hinter den Gegensätzen und unsere schöpferische Kraft wahrzunehmen? Wer Antworten – oder sagen wir lieber - Zugänge zu diesem Roman und seinen Überlegungen sucht, der wird mit Volker Michels als „den“ Hesse Kenner Deutschlands auf einen hervorragenden Referenten freuen.“

Zudem eröffnet der Vortrag von Volker Michels eine neue Themenreihe der Literarischen Freitagsvesper: Existenz- und Grenzfragen der europäischen Literatur der Moderne mit Werken von Hugo von Hofmannstahl, Dostojewski, Thomas Bernhard und Christa Wolf. Verschiedene Referenten stellen dabei jeweils ein Werk der Schriftsteller vor.


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