Neue Wirkungsweisen des Hirnschrittmachers

Jülicher Forschungsergebnisse in „Brain“
Von Redaktion [15.01.2008, 15.40 Uhr]

Ein Hirnschrittmacher verbessert bei Parkinson-Erkrankten nicht nur die motorischen Fähigkeiten: Er kann auch Störungen der Blasenfunktion verringern. Die neuen Wirkungsweisen des Hirnschrittmachers stellen Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich mit Kollegen aus Kiel und Köln erstmals in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Brain" vor.

Parkinson-Patienten leiden neben den bekannten Symptomen wie Zittern, Steifheit und Verlangsamung der Bewegungen an weiteren Funktionsstörungen. So beklagt fast die Hälfte aller Parkinson-Patienten Blasenfunktionsstörungen, etwa häufiges Wasserlassen oder Inkontinenz. Auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers, das Empfinden von Berührungen, das Sättigungsgefühl oder das Verspüren des Harndrangs ist bei vielen Parkinson-Patienten gestört.

Die motorischen Störungen lassen sich durch elektrische Reize im Gehirn mit einem Hirnschrittmacher lindern. Dass diese Therapie auch Blasenstörungen bessert, berichtete Dr. Jan Herzog von der Christian-Albrechts-Universität Kiel mit Kollegen aus Köln und Jülich bereits 2006 im Fachmagazin „Brain“. Nun haben die Neurologen erstmals beobachtet, auf welche Weise der Hirnschrittmacher die sensorischen und vegetativen Funktionen des Gehirns beeinflusst. Mit funktioneller Bildgebung (Positronen-Emissions-Tomographie, PET) hatten sie dazu die Gehirnaktivität von Parkinson-Patienten mit ein- und ausgeschaltetem Hirnschrittmacher untersucht.

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„Bereits 2006 hatten wir gesehen, dass bei Parkinson-Patienten mit ausgeschaltetem Schrittmacher ein Bereich im Stirnhirn stärker aktiv ist, wenn sie ihren Harndrang unterdrücken. Das bedeutet, dass sie diesen Prozess bewusster kontrollieren müssen als gesunde Menschen“, sagt Dr. Herzog von der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Kiel. Die neue Studie zeigt nun, dass der Hirnschrittmacher das sensorische Signal im Gehirn für den Harndrang verstärkt.„Durch die Verstärkung gelangt die Information dann wieder automatisch an die Kontrollzentren im Gehir,n und der Patient muss nicht bewusst darüber nachdenken, ob seine Blase voll ist oder nicht“, erläutert Dr. Weiss-Blankenhorn vom Forschungszentrum Jülich.

Die neuen Ergebnisse helfen, die verschiedenen Wirkungen des Hirnschrittmachers bei der Parkinsonschen Erkrankung besser zu verstehen. „Das ist eine gute Basis, um diese erfolgversprechende Therapie langfristig weiter zu optimieren und auch für andere Indikationen zu öffnen“, freut sich Dr. Weiss-Blankenhorn.

Neben Demenzerkrankungen wie Alzheimer ist die Parkinsonsche Erkrankung die häufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Etwa 200 Menschen je 100 000 Einwohner leiden an Morbus Parkinson, wobei die Häufigkeit in der älteren Bevölkerung stark zunimmt.


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