Günther-Leibfried-Preis geht an drei Physiker

Jülich: Erster Platz für Spermien und winzige Ruderer
Von Redaktion [14.11.2007, 18.31 Uhr]

Spermien, Stempelkissen und Kernfusionsreaktoren standen im Mittelpunkt des diesjährigen Wettbewerbs um den Günther-Leibfried-Preis des Forschungszentrums Jülich. Sieger des mündlichen Finales wurde Jens Elgeti mit seiner besonders lebendigen Präsentation der Ergebnisse seiner Doktorarbeit: dem Schwimmverhalten von Spermien. Über den zweiten und dritten Platz freuten sich Oliver Schmitz und Daniel Schwaab. Sie erklärten anschaulich, wie ein Kernfusionsreaktor funktioniert und was Kartoffeldrucken mit Bioelektronik zu tun hat.

Nach nur zehnminütiger Beratung sprach die elfköpfige Jury dem Physiker Jens Elgeti den ersten Platz zu, der mit 3000 Euro dotiert ist. Oliver Schmitz und Daniel Schwaab, beide ebenfalls Physiker, erhielten den zweiten und dritten Platz mit 2000 beziehungsweise 1000 Euro Preisgeld. "Jeder der drei hatte seinen eigenen Stil", erklärt Angela Lindner, Pressesprecherin des Forschungszentrums Jülich und Mitglied der Jury, "aber Herr Elgeti hatte eindeutig den lebendigsten Vortragsstil. Für einen kompletten Laien war seine Präsentation auch sicherlich die Verständlichste. Wir waren uns daher alle einig, dass er der Sieger des Finales sein muss." Viel Lob für die drei Finalisten kam auch von Professor Achim Bachem, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums: "Heute haben wir wieder gesehen, wie spannend Wissenschaft sein kann und wie anschaulich man auch komplizierte Themen darstellen kann. Alle drei haben den Preis verdient."

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Der Sieger Jens Elgeti hatte in seiner Doktorabeit die Fortbewegung von Spermien genau unter die Lupe genommen. Diese schwimmen immer dicht an einer Oberfläche entlang, weil ihr Schwanz von ihr abgestoßen wird. Paradox? Eigentlich schon. Aber "stellen Sie sich vor, der Bademeister drückt die Beine eines Rückenschwimmers stets mit einer Stange vom Beckenrand weg", veranschaulichte Elgeti mit Hilfe eines 60-Zentimeter großen, selbstgebastelten Modellspermiums, "dann kann der Schwimmer sich nicht mehr drehen und schwimmt immer weiter mit dem Kopf an der Wand entlang." Genauso anschaulich beschrieb der ehemalige Doktorand, warum Flimmerhärchen in Eileitern und an Pantoffeltierchen nicht synchron schlagen wie die Mitglieder einer Rudermannschaft, sondern eher einem im Winde wiegenden Weizenfeld ähnlich sind.

Mit der Energiequelle der Sterne, der Kernfusion beschäftigte sich Oliver Schmitz. Er schaffte es, das sehr komplizierte Thema auch für Laien verständlich darzustellen. "Auch ich habe jetzt verstanden, wofür das Projekt ITER überhaupt gut sein soll," sagte Angelika Staudte, die jedes Jahr die Organisation des Günther-Leibfried-Preises übernimmt.

"Einen Ausflug in die Kindergartenzeit" versprach hingegen Daniel Schwaab und präsentierte in seinem gut gegliederten Vortrag die Arbeitsschritte beim Kartoffeldrucken - und was das mit seiner Doktorarbeit, dem Mikrokontakt-Drucken von Proteinen, zu tun hat. Geehrt werden die drei Sieger am 5. Dezember beim Jahresempfang des Forschungszentrums Jülich, bei dem Professor Achim Bachem ihnen den Preis überreichen wird.


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