Gesellschaft Frohsinn zeigte eine prächtige Premiere

Stetternich: Mit Wochenend und Sonnenschein zum Erbschleichen
Von Dorothée Schenk [05.11.2007, 17.00 Uhr]

Das Zusammenspiel zwischen Lieder- & Theaterabend ist ein seit neun Jahren bewährtes Duett der Gesellschaft Frohsinn Stetternich 1880. Ein wortwitziges Spektakel lieferte das Ensemble um Regisseur Claus Maas bei der Premiere von „Erben ist nicht leicht“ ab.

Singende Herrenhüte stimmen ein auf das

Singende Herrenhüte stimmen ein auf das

Im Besten Sinne „Dorftheater“ bietet die Gesellschaft Frohsinn 1880 auf der Stetternicher Bühne in der Alten Schule: Verborgene Talente gilt es zu entdecken, Nachbarn, Freunde und Bekannte können mit ganz anderen Augen gesehen werden und schließlich sind die Gäste da, um sich herrlich unterhalten zu lassen. Die Mischung stimmte auch im neunten Jahr bei „Erben ist nicht leicht“ frei nach Walter Pfaus.

Richtig eingestimmt von den sechs „Chapeau Claques“ begleitet von der unverbesserlichen Inge Duwe hatte man „Wochenend und Sonnenschein“ gleich im Herzen und ließ sich gerne vom Tangogeiger oder wahlweise Fräulein Helenes Waden verführen, ehe der „Kaktus“ bestach. In der Tradition der Comedian Harmonists stehen Wolfgang Bauer, Rainer Heck, Franz Kieven, Gotthard Klose, Bernd Krings, Michael Rahmen und Werner Schweika – wenn auch mit charmant rheinischem Zungenschlag. Herrlich gestisch unterstreichen sie die Gassenhauer von einst und lassen sich gerne zum „Kriminaltango“ als Live-Act während der Aufführung auf die Bühne bitten – auch wenn die Frage der Gage noch nicht geklärt ist.

Das Zusammenspiel zwischen Lieder- & Theaterabend ist ein gelungenes Duett, dessen Enden bei Claus Maas als Frohsinn-Vorsitzendem und Regisseur zusammenlaufen. Gekonnt führt er sein Ensemble als Erbschleicher-Gemeinde der Tante Lina durch die Tiefen der emotionalen und überzogen grotesken Darstellungskunst. Denn „Erben ist nicht leicht“ kommt als komische Kriminalgeschichte daher, bei der die Tote nur Bühnenanlass ist, ohne wirklich eine Rolle zu spielen – außer bei der Verlesung des Testaments, bei der Notarin Laura Hoppe (Ada Winkelbrandt) wahrhaftig bürokratisch der Verstorbenen ihre Zunge leiht.

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wilde Gerangel um Tantchens Erbe bei der Gesellschaft Frohsinn.

wilde Gerangel um Tantchens Erbe bei der Gesellschaft Frohsinn.

Optisch bestens in die Rolle des Kriminalhauptkommissars Blum eingepasst ist Reinhardt Alves: Der weißhaarige Herr im Trenchcoat, distinguiert und etwas hölzern in seiner Art. Ihm zur Seite springt stets kokett mit langem Bein und kurzem Rock der „Engel“ Petra Himmel. Zauberhaft als „Perle“ des Hauses präsentiert sich Hannah Biener, die sichtbar Spaß an den Späßen des Stücks hatte. Ihre Bestechlichkeit ist der Antriebsmotor, dem lediglich Nichte Inge Wenzel (Lilo Knabel-Biener) wiederstehen kann, weil sie anderen, körperlichen Verlangen nachgeht.

Stets attackiert auf lächelnd-zynische Art Gatte Paul (Shorty Küpper) sein „Zuckerschnäutzchen“, seinerseits von dem aufbrausenden Schwager Hubert Huber (Rudi Muschalek) in die verbale Mangel genommen. Familienscharmützel eben, die im vielzitierten Spiegel mit so viel Launigkeit vorgehalten wird, dass das Publikum begeistert einsteigt. Natürlich fehlt im Reigen der Verwandtschaft auch das schwarze Schaf nicht. Verkörpert wird es durch Neffen Harald Musch, alias Wolfgang Schulz, Mr. Wichtig mit Handy, aber im Grunde ein feiner Kerl, dessen wahren Charakter nur Sonja von Hagen (Yvonne Bardon) erkennt.

Bestechend ist das Ensemble im ausgeklügelten Zusammenspiel, das den einzelnen Laienschauspielern genügend Freiheit zur Ausgestaltung ihrer Rolle gibt, aber die dichten Verflechtungen innerhalb familiärer Bande im Wohnzimmer der Tante (Bühne Heribert Jacobs, Michael Leifeld, Arnold Pieztsch u.a.) zum Tragen kommen lässt. Trotz dieses „Arrangements“ herausragend ist die alte Jungfer, die bigotte Nichte, die ihre Habsucht hinter Aufopferung zu verstecken sucht und doch immer wieder von den lieben Verwandten enttarnt wird: Afra Hörnle. Brillant besetzt diese Rolle Angelika Ponte-Drzewiecki. Die Frau ist eine Entdeckung. Frisch und glaubwürdig in Mimik, Gestik und „Akustik“ überzeugt sie ohne Starallüren – diesmal der Rolle angepasst gänzlich „nüchtern“.

Mit warmem Applaus dankten die Gäste in der Stetternicher Bürgerhalle der Gesellschaft Frohsinn. Claus Maas dankte allen Mitwirkenden, stellte aber klar, dass sich künftig wieder mehr Menschen aktiv einbringen müssen „wenn es weiter gehen soll“. Weiter geht es jetzt erst einmal mit zwei Aufführungen „Erben ist nicht leicht“ am Freitag, 9. November, um 19 Uhr und am Samstag, 10. November, um 18 Uhr.

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