Abschluss der Interkulturellen Woche

Jülich: Musikalisch-Malerische Völkerverständigung
Von Redaktion [22.10.2007, 18.04 Uhr]

„Als ich meine Heimat verließ, weinte meine Mutter“, sang Gülendem Abbas in dem Lied „Sirnisch“ („Sehnsucht“) während ihres Konzerts im Jülicher Bonhoeffer-Haus. „Wandernd durch die Welt fragte ich mich, ob ich jemals zurückkehre.“ Die Heimat ist Uigurien in der autonomen Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas.

Mit ihrem Mann Kamil (Gijäk, Rawap, Sattar) bildet sie das musikalische Ensemble „Mäsräp“, zu dem mittlerweile auch Sohn Irfan (Daf, Tanbur) gehört. Nach einer Reise in die Türkei wurde ihnen in die Rückkehr verwehrt. Seither sind sie in den Niederlanden ansässig. Von dort unternimmt das Trio Konzertreisen in die Welt, zuletzt zum Abschluss der Interkulturellen Woche auf Einladung vom Verein Kultur ohne Grenzen und dem Diakonischen Werks des Evangelischen Kirchenkreises Jülich in die Herzogstadt und direkt im Anschluss zur Berkeley University nach San Francisco.

Mit dabei ist auf beiden Stationen die uigurische Malerin Marwayit Hapiz. Ihre Werke werden von warmen Rot- und Gelbtönen bestimmt, zumeist großflächige Haus- und Stadtbilder, aber auch schon mal eine Felsformation aus dem „Reich der Mitte“. Heimatverbunden sind auch die Titel wie „Alter Hof“, „Mein Hof“ oder „Roter Berg“. Nur hier und da ein blauer oder grüner Tupfer, zumeist als Kleidung eines Einheimischen.

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Dem Volk der Uiguren, vertreten durch Kamil, Gülendem und Irfan Abbas (vorne von rechts) sowie Marwayit Hapiz (hinten Mitte), verleihen Marijke Barkhoff (hinten links) und Anja Senz ihre Aufmerksamkeit.

Dem Volk der Uiguren, vertreten durch Kamil, Gülendem und Irfan Abbas (vorne von rechts) sowie Marwayit Hapiz (hinten Mitte), verleihen Marijke Barkhoff (hinten links) und Anja Senz ihre Aufmerksamkeit.

Zwar bezeichneten sich die 56 Volksgruppen des Vielvölkerstaates China in ihren Liedern oftmals als „Brüder und Schwestern“, tatsächlich gibt es zwischen der übermächtigen Zahl der etwa 1, 2 Milliarden Han-Chinesen und den Minderheiten nicht nur immense Unterschiede, sondern zuweilen auch handfeste Konfrontationen. 100 Millionen Menschen zählen zu den Minderheiten, davon rund 8 Millionen Uiguren, erzählte Anja Senz, Dozentin an den Instituten für Politikwissenschaft und für Ostasienwissenschaft an der Universität Duisburg- Essen.

Von beiden Seiten würde dieser Konflikt teilweise sehr gewaltsam ausgetragen, ohne dass der Westen davon Notiz nähme. „Kein Mensch weiß in Deutschland etwas über die Uiguren“, meinte Marijke Barkhoff-Freeling, Vorsitzende des Vereins „Kultur ohne Grenzen“. Anja Senz vermutete, dass dies unter anderem daran läge, dass es an wichtigen Führungsfiguren läge im Vergleich zu Tibet und dem Dalai Lama. Allerdings berichte die wiederholt für den Friedensnobelpreis nominierte Rebiya Kadeer in ihrem neusten Werk „Die Himmelsstürmerin“ „viel über die Situation der Menschen in China, auch wenn es sehr mit Heldenpathos angereichert ist“.

Vielleicht symbolisiert das Lied über eine Karawane von „Mäsräp“ ein wenig das Leben der Uiguren. In beharrlichem Vierteltakt zeichnet Irfans Daf-Rahmentrommel den Weg der Last tragenden Kamele und Dromedare entlang der Taklamakan-Wüste nach, während Kamils Spießgeige Gijäk das Klagen der Reisenden vertont, die sich bis zur nächsten Oasen-Stadt quälen.

Dort angekommen, vervielfacht sich der Rhythmus, und die Melodie erklingt mit fröhlicher Note, denn dies ist ein Grund zum Feiern. Entlang der Wüste führt die Seidenstraße. Sie hatte der uigurischen Veranstaltung auch den Namen verliehen: Musik der Seidenstraße.


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