20 Jahre Wochenende des offenen Ateliers

Kreativität liegt in der Jülicher Luft
Von tee [17.10.2007, 08.26 Uhr]

"Das sieht später ganz anders aus", erklärt Maler Rudi Vaasen Besuchern am Wochenende des offenen Ateliers vor einem "Rohling" an der Staffelei.

"Das sieht später ganz anders aus", erklärt Maler Rudi Vaasen Besuchern am Wochenende des offenen Ateliers vor einem "Rohling" an der Staffelei.

Die Sonne schien dem 20. Wochenende des offenen Ateliers im Jülicher Land. Wer die Muße hatte konnte die Stationen in Jülich, Selgersdorf über Merzenhausen und Koslar zurück nach Jülich mit dem Drahtesel absolvieren. Zur frischen Luft gab es Atelierluft zu schnuppern, Stärkungen bei den Gesprächen mit den Künstlern, in denen zu erfahren war, dass sich immer noch reichlich tut in der „Szene“.

Nach längerer, privat bedingter kreativer Pause streckt Rudi Vaasen wieder Hand nach Pinsel und Bitumen aus. Aus dem Erbe seines Künstlerfreundes Josef Ferdinand Seitz stehen Farben und Töpfe im Atelier an der Wilhelmstraße. „Es reizt mich, sie jetzt zu verarbeiten,“ – im Sinne des 2006 gestorbenen Malers aber in dem Bewusstsein, ganz andere Ausdrucksformen zu nutzen. Seitz habe vor allem die menschlichen Begegnungen aufgegriffen, Vaasen verschlüsselt nach seiner Auffassung seine Inhalte mehr. Es kribbelt ihn außerdem in den Fingern, wieder etwas zu formen, Keramiken zu gestalten. Dafür fehlt dem Künstler derzeit allerdings ein Brennofen. Bisher hatte ihm hier Arnold Schlader die Möglichkeiten bieten können.

Der Koslarer hat derzeit selbst seine Öfen in Dauerbetrieb. Nach einem Entwurf von Otmar Alt arbeitet er an einer Stele für den US-Partnerkreis Dorchester. Gleichzeitig steht eine Säule mit dem Thema „Vier Elemente“ für den Kindergarten St. Marien in Jülich kurz vor der Vollendung. Wieder eine Schlader’sche „Goodwill-Aktion“, der nach der Überzeugung arbeitet: „Wenn die öffentliche Hand kein Geld mehr hat, muss jeder Einzelne mitarbeiten.“ Spricht’s und lässt die Finger flink über den Ton gleiten, aus dem zum Tag des offenen Ateliers figürliche Weinkühler wachsen.

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Wie die phantastisch filigranen Arbeiten von Eva-Maria Gebauer entstehen konnten Besucher am Wochenende des offenen Ateliers in Merzenhausen erleben.

Wie die phantastisch filigranen Arbeiten von Eva-Maria Gebauer entstehen konnten Besucher am Wochenende des offenen Ateliers in Merzenhausen erleben.

Vor den Augen der Kunstinteressierten arbeitet auch Eva-Maria Gebauer. Strich und Strich setzt sie mit feinem Pastellstift, „malt“ mit Wattestäbchen und ist der optimistischen Überzeugung „das Bild wird heute noch fertig“. Derzeit gilt das Hauptaugenmerk der Merzenhausener Künstlerin dem Thema „Musik fliegt in der Luft“. Nach zufälligem Durchblättern eines Jazzbuches fiel ihr Blick auf die Instrumente, denen sie nun das ihr unverwechselbare Eigenleben einhaucht. Phantasievoll skurril sind die filigran Tonträger wie lebende Geschöpfe, die Geschichten zum Klingen bringen.

Ganz gegensätzlich ist Farbigkeit und nach den zurückhaltenden Grisailleartigen Malereien von Eva-Maria sind die Bilder von Künstler-Gatten Heinz Gebauer: Das Leben im All ist seine Inspiration im überspannenden Thema Raumromantik. 30 neue Bild in Öl-Relief-Struktur sind in jüngster Zeit entstanden. Für seine neue Serie belebte er eine Technik aus Studientagen für sich neu: Lasierende Strukturen und deckenden Elementen geben im Nebeneinander den Motiven ihre Form.

„Ich habe brav meine Hausaufgaben gemacht“, lacht Jens Dummer auf Frage nach seinen neuesten Arbeiten. Wie der Appetit beim Essen kämen die Ideen bei der Arbeit, „ich weiß heute: man muss die Muse zum Küssen zwingen“. Inspiriert hat sie ihn zu Zeichnungen zu Orpheus und Eurydike. Vielseitig sind die Themen zwischen Verlust und Wiederfinden. Der Reiz, so Dummer, liegt in der Intensität der Empfindungen. Im Selgerdorfer Atelier zeichnet er „was der Bleistift so hergibt“. Auslöser war ein Rilke-Sonett an Orpheus. „Ich höre oft den Vorwurf ,Sie sind zu literarisch’“, erzählt der textbeflissene Zeichner und Maler schulterzuckend, „Für mich hat ein Bild eine Geschichte zu erzählen.“ Und die bleibt spannend – auch im 21. Jahr des offenen Ateliers.

Einblicke in die Ateliers


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