Bau für weltweit einzigartiges Großgerät gestartet

Neue Dimension der Hirnforschung in Jülich ab 2009
Von Redaktion [27.06.2007, 12.01 Uhr]

Das Jülicher MRT mit einer Feldstärke von 3 Tesla wird bereits in diesem Jahr um einen PET-Einsatz erweitert. Ab 2009 wird es ein Hybridgerät mit einer Feldstärke von 9,4 Tesla geben.

Das Jülicher MRT mit einer Feldstärke von 3 Tesla wird bereits in diesem Jahr um einen PET-Einsatz erweitert. Ab 2009 wird es ein Hybridgerät mit einer Feldstärke von 9,4 Tesla geben.

Mit dem ersten Spatenstich begannen heute die Bauarbeiten für ein weltweit einmaliges Großgerät im Forschungszentrum Jülich: Ein Hybridsystem bestehend aus einem Magnetresonanz-Tomographen mit einer Feldstärke von 9,4 Tesla kombiniert mit einem Positronenemissions-Tomographen (9,4-T-MRPET). Mit ihm werden die Jülicher Hirnforscher Strukturen und molekulare Mechanismen des Gehirns untersuchen können, die bisher der Forschung nicht zugänglich waren. Sie wollen damit unter anderem Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson besser verstehen und behandeln und so einer der größten Herausforderungen einer alternden Gesellschaft begegnen.

"Die Technologie, die hier durch die gemeinsame Initiative des Forschungszentrums Jülich, der Siemens AG und des Bundesforschungsministeriums entwickelt und aufgebaut wird, verspricht erhebliche Verbesserungen für die Patienten: genauere und schonende Diagnosemöglichkeiten etwa bei der Tumorfrüherkennung ebenso wie eine Verkürzung der Entwicklungszeiten für neue Arzneimitteln“, sagte Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei den Feierlichkeiten. Mit 10 Millionen Euro fördert das BMBF das medizinische Großprojekt.

Auch die Siemens AG unterstützt das neue Gerät. „Das Forschungszentrum ist für uns ein wertvoller Partner zur Entwicklung neuartiger medizinischer Verfahren“ so Walter Märzendorfer, Leiter des Geschäftsgebiets Magnet-Resonanz bei der Siemens AG, Medical Solutions, der die breite interdisziplinäre Zusammenarbeit in Jülich begrüßt: „Im Forschungszentrum Jülich sind neben den Grundlagen der Physik und Informatik auch die Hirnforschung sowie Fachzentren zur MR- und PET-Bildgebung unter dem Dach des Instituts für Neurowissenschaften vereint.“

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Das neue Gerät vervollständigt die Jülicher Forschungsplattform „TransFOR“ zu bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung, die für Prof. Achim Bachem, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums, Modellcharakter hat: „Durch die enge Zusammenarbeit mit der Industrie und den benachbarten Universitätskliniken schaffen wir den direkten Transfer von der Grundlagenforschung zur Anwendung der Ergebnisse in modernster Medizintechnik bis hin zum Patienten.“

Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose und durch Leberversagen bedingte Hirnerkrankungen wollen die Wissenschaftler mit dem neuen Gerät analysieren und so besser verstehen. Aber auch grundlegende Veränderungen des gesunden Gehirns etwa durch das Altern werden sie untersuchen. „Schon heute erhalten wir detaillierte Bilder des Gehirns“, sagt Prof. Jon Shah, Leiter der Arbeitsgruppe MRT in Jülich, „mit dem neuen 9,4-T-MR-PET wird unser Blick aber in neue Dimensionen vordringen, so dass wir bisher unbekannte Veränderungen der Struktur und Funktion sehen. Und wir können erstmals auch Vorgänge auf der molekularen Ebene zur gleichen Zeit in hoher Auflösung beobachten.“

In zwei Jahren wird das 9,4-T-MRPET in Betrieb gehen. Die Jülicher Forscher werden dann ihre Kompetenz nutzen, um die Funktion der technischen Komponenten des MRT und PET bei so hohen Feldstärken aufeinander abzustimmen und die Methoden der Bilderzeugung sowie Kontrastmittel neu und weiter zu entwickeln. Zusammen mit der forschenden Pharmaindustrie lassen sich zudem gezielt Medikamente für Diagnose und Therapie verschiedener neurologischer und psychischer Erkrankungen testen.

Schon jetzt erproben die Wissenschaftler an einem 9,4TMRT im Tiermodell Techniken für das 9,4-T-MRPET für Menschen. Untersuchungen an einem kombinierten MR-PET können sie ebenfalls noch in diesem Jahr starten: Ein Hybridgerät mit einer Feldstärke von 3 Tesla wird derzeit in Jülich aufgebaut.


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