Abschluss der Theatersaison mit Oscar Wildes „Bunbury“

Jülich: Das Leben zwischen Dandy und Ästhet
Von Redaktion [26.04.2007, 15.20 Uhr]

Szene aus "Burnbury"

Szene aus "Burnbury"

Schon im Titel spiegelt sich die Ironie dieser "trivialen Komödie für ernsthafte Leute": im Wortspiel zwischen "ernst" als Eigenschaft und "Ernst" als Name. Sie wird konsequent in eine Handlung ohne rechten Handlungsverlauf umgesetzt, mit unwahrscheinlichen Konfusionen und turbulenten Verwechslungen. Zu diesem komödiantischen Spießrutenlauf lädt das Landestheater Detmold seine Zuschauer am Donnerstag, 26. April, ab 20 Uhr in die Stadthalle Jülich ein.

Hinter aller Leichtigkeit der espritvollen Dialoge steht der Ernst von Oscar Wildes gesellschaftskritischer Persiflage der viktorianischen Mentalität mit ihrer heuchlerischen Fassade, der übersteigerten Wertschätzung von Rang, Namen und Herkunft. In seiner letzten, berühmtesten und erfolgreichsten Komödie entlarvt Wilde hier - vergnüglich kaschiert - das Oberflächliche, Seichte und Unehrliche hinter einem eingeübten Rollenspiel.

Es geht um den Abkömmling einer Londoner Adelsfamilie namens Algernon. Auf dem Lande schlüpft er in die Rolle des „Bunbury“ - ein imaginäres Geschöpf, das es seinem Erfinder Algernon ermöglicht, seinen allzu ernsten Verpflichtungen der Londoner Gesellschaft zu entfliehen, insbesondere seiner sich immer wieder zu Gurkensandwich und Tee einladenden Tante Augusta.

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So entronnen kann er sich dem wirklichen Lebensernst widmen, als Dandy durch ländliche Gegenden ziehen, zum reinen Vergnügen und um mit allem Ernst dem weiblichen Geschlecht nachzustellen, zu „bunburisieren“ wie er es zu nennen pflegt.

Um diese äußerst ernsten Angelegenheiten entsteht ein Verwirrspiel der besonderen Art, mit einem Feuerwerk an Wortwitz und feinfühligen Dialogen, die bei aller Lieblichkeit allzu scharf das heuchlerische Dasein der Upperclass im damaligen England kritisiert. ?Die Frage um die weiterhin beständige Doppelmoral in allen oder doch nur in höheren gesellschaftlichen Schichten kann sich der Betrachter selbst stellen und möglicherweise auch beantworten. ?Der Autor hat sich in den beiden Hauptfiguren in vielfältiger Hinsicht selbst gezeichnet, wie sein Lebensstil als Dandy und Ästhet deutlich zeigt. Durch das Einfließen kleiner Details, wie das Verschenken von Zigarettenetuis, das ihm persönlich zu einem Steckenpferd wurde, verleiht er ihnen seine eigenen Züge.

Kartenvorverkauf zur letzten Aufführung der Theaterreihe in der Saison 2006/07 ist in der: Buchhandlung Fischer, Tel. 02461/937833, in der Jülicher Kölnstraße. Tickets gibt es zu 17/ermäßigt 11,50 Euro oder 14 /ermäßigt 9,50 Euro zuzüglich Gebühr.


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