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Deutsche Punk Legende NoRMAhL rockt im Jülicher KuBa
Von Redaktion [13.03.2007, 20.15 Uhr]

Für sie ist "„NoRMAhl – für immer Punk“

Für sie ist "„NoRMAhl – für immer Punk“

„NoRMAhl – für immer Punk“ heißt es am Freitag, 16. März, im Jülicher Kulturbahnhof. Dann zeigt sich Lars Besa, dass er sich anno 2005 ebenso verhalten hat,, wie man es 2007von ihm erwartet: Er liebt Bier trinken, steht dazu, Proll zu sein und ist beinahe glücklich darüber, wenig Geld sein eigen zu nennen und mehr oder weniger von der Hand in den Mund zu leben „Ich bin Punk, für immer Punk“, sinniert Besa mit sehnsüchtigem Lächeln auf den Lippen, „und das bedeutet, dass ich mich einen Dreck um Konventionen, gesicherte Einkommensverhältnisse oder schlicht um den morgigen Tag schere.“ Zum Konzert in Jülich öffnen sich die Saaltüren ab 19 Uhr, erste Töne gibt es ab 20 Uhr.

Lars Besa ist 40 und seit exakt 27 Jahren Frontmann der schwäbischen Punk-Formation NoRMAhl. Das Quartett aus dem 20.000-Seelen-Ort Winnenden in der Nähe von Stuttgart hat zwischen 1980 und 1994 zwölf Alben auf den Markt gebracht und war dennoch stets weit davon entfernt, zu den Punk-Großverdienern á la Die Ärzte oder Die Toten Hosen aufzusteigen. „Eigentlich“, grinst Besa und genehmigt sich einen weiteren Schluck von seinem Starkbier, „müssten wir von NoRMAhl ganz ordentlich von unseren Verkaufszahlen und Tantiemen leben können. Doch wir wurden von irgendwelchen Schlitzohren regelmäßig übers Ohr gehauen, so dass wir alle Vier gerade mal über die Runden kommen. Na ja, Punk eben.

Kein Grund allerdings für das drahtige, quirlige Stehaufmännchen, dem Projekt NoRMAhl den Rücken zu kehren. Zwar trennte sich die Band 1996 leidlich frustriert voneinander, weil, so Besa, „wir uns die Jahre zuvor einfach zu häufig auf der Pelle gehockt sind. Wir gaben pausenlos Konzerte, steckten unentwegt beieinander und konnten irgendwann die Fressen der anderen nicht mehr sehen. Doch alte Punk-Connections sterben nun mal nie. Also haben wir uns eines Tages vor vier Jahren wieder zusammengerauft. Wir sind immer noch derselbe chaotische Haufen wie einst, haben wir festgestellt, obwohl die Gruppenmitglieder heutzutage zwischen Ende 30 und Ende 40 sind.“ Herausgekommen bei den ersten Bandsessions anno 2001 ist das NoRMAhl-Meisterstück „INRI 21“, das sich ganz in alter Punk-Tradition präsentierte, also mit den klassischen drei Riffs auskam und dennoch extrem explosiv wirkte.

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Lokalmatadore "Drastic Solution" spielen den Eisbrecher für den Hauptact.

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Nach Veröffentlichung der Platte gingen die Herren von NoRMAhl sofort auf viel umjubelte Tour, nebenbei herausgekommen dabei ist 2003 das Best-Of-Album „Das ist Punk“, auf dem absolut alle alten und neuen Kracher zu hören waren. 28 Mal gab es dabei dem Hörer auf die Fresse, gnadenlos und doch charmant, nie länger als zwei bis drei Minuten. Und jetzt also der neueste Studiostreich mit dem anspielungsreichen Titel „Voll Assi“, eine Platte in allerbester NoRMAhl-Historie. Schon die Namen der 14 Stücke der CD sprechen eine deutliche Sprache: „Friss und stirb“, „Fuck You Very Much“ oder „Ich brauch mein Suff“. „Diese Platte soll der Welt vor allem zeigen“, erklärt Lars Besa: „NoRMAhl existieren noch, wir haben uns von nichts und niemandem klein kriegen lassen, wir beweisen auch zu Beginn des neuen Jahrtausends, dass es möglich ist, eine geile, skrupellose Punk-Scheibe aufzunehmen und zudem ein Publikum zu haben, dass sich unser Zeug anhört. Wenn es Punk eines Tages nicht mehr gibt, ist die Welt um ein großes Stück subversiver Kultur ärmer geworden. Doch das wird nicht passieren. Zumindest nicht, so lange wir leben.“

„Voll Assi“ wurde als inhaltliche Klammer für die Platte gewählt, weil wir selbst erfahren haben, dass wer sich dieses ganze Globalisierungsgeschwätz, Umweltzerstörung Turbokapitalismus, Intoleranz oder Neo-Faschismus stellt, sich von sogenannten „Eliten“ in diesem Land als Assi bezeichnen lassen muss. Weil uns aber genau diese Leute am Arsch vorbeigehen, sehen wir den Begriff „Assi“ durchaus als Kompliment.“

„Voll Assi“ ist wie stets bei NoRMAhl mit sozialkritischem Hintergrund einerseits, vor Fun-Punk berstend andererseits ausgefallen. „Das ist die klassische Mixtur bei uns, keine Frage“, meint Besa. „Denn in unserem Leben ist es so, dass wir nicht immer politisch sind, aber auch nicht immer besoffen. Doch beides ist fester und wichtiger Bestandteil unserer Existenz, ganz klar“, lacht Besa. Sobald die neue CD auf dem Markt sein wird, gehen NoRMAhl –das ist ebenfalls Tradition bei den hehren Recken – auf ausgedehnte Tournee. „Eigentlich“, grinst Lars, „wollten wir dieses Mal nicht touren, doch dann kamen so viele Anfragen bei uns rein, dass wir einfach nicht „Nein“ sagen konnten. Um ehrlich zu sein: Inzwischen sind wir total heiß auf die neuen Konzerte. Denn es ist riesig, dass wir nach über einem Vierteljahrhundert als Band nach wie vor eine beinharte Fanschar haben und dass auf der anderen Seite rund 80 Prozent unserer Anhänger junge Typen sind, die bei unseren Konzerten auftauchen. Daran sieht man: Die Idee von Punk lebt weiter! Vielleicht ist sie sogar wichtiger als je zuvor...“


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