47. NoiseLess
Jülich: Geschichtenerzähler auf musikalischen Zeitreisen
Von Arne Schenk [29.01.2007, 14.15 Uhr]
![]() Drei Freunde Saite an Saite: Strings are Changing stellten ihre neue CD beim NoiseLess vor. |
Die neue CD von „Strings are changing“ heiße „Storyboard“, weil ein Stück darauf diesen Titel trüge, beteuerte Geiger Sebastian Reimann jüngst auf der Präsentation des Silberlings im Kulturbahnhof. Trotzdem zitierte er einen Rezensenten, der die Assoziation von musikalisch gespielten Bildern vermittelte, die im Kopf abliefen. Völlig aus der Luft gegriffen erscheint der Vergleich nicht, denn die Songs der Stringser erfüllen nicht nur das Herz, sondern regen auch die Fantasie an.
Dazu tragen allerdings auch die humorvollen Einführungen des Violinisten bei. So kündigte er „Dr. Groove“ als „Retroklassiker“ an, den die drei Musiker allerdings selbst geschrieben hätten, als sie mit einer Zeitmaschine im Proberaum ihres Pianisten Dieter Ogrzewalla unterwegs gewesen seien. Dieser wiederum hielt mit knochentrockenen Sprüchen dagegen, falls die Ansagen des „Conferenciers, der auch Geige spielt“, zu sehr auszuufern drohten.
Diesen Spaßfaktor setzte das Trio auch spielerisch um, mixten in einer Hommage an die „vier großen B“ – Bach, Beethoven, Brubeck, Bernstein und Zappa – die Werke „Blue Rondo à la Turk“, „West Side Story“ und „Take Five“ zu einer durchgedrehten Tour de Force. Deren Finale bestritt Reimann form- wie soundgerecht auf einer Trichtergeige, als ob er einem orientalischen Sonnenaufgang entgegen ritt.
![]() Einzigartig: Sebastian Reimann an der Trichtergeige aus Rumänien. |
Herausragend auch Arrangement und Umsetzung des „Riverdance-Medleys“, bei dem SaC ihre gesamten Stärken in die Waagschale warfen: brillante Technik, außerordentliches Verständnis im Zusammenspiel, selbstlose Unterstützung als Begleitung der Kollegen-Soli, immenser Spielwitz. Alles im Dienste der Stücke. Wenn Gitarrist Hajo Hintzen, Keyboarder Dieter Ogrzewalla und Sebastian Reimann nicht melodisch im Rampenlicht standen, unterstützten sie mit Rhythmusphrasen oder perkussiven Elementen die Mitmusiker, zuweilen gar mit einem Klopfen der Hände und Knöcheln auf den Klangkörpern der Instrumente.
Bevor das Trio ihren Trip antrat, entführte der „Songwriter ohne Songs“ Georg Dybowski das Publikum in die triste Schönheit der Nordseeinsel Pellworm und die märchenhafte Welt des südfranzösischen Les Beaux. Dabei blieb er aber stets in sehr persönlichen Gefilden, auf der Couch seiner Schwiegermutter Martha nach dem vorzüglichen Essen oder bei seinem Sohn Noah, der Dybowskis Leben völlig umgekrempelt hat.
Den Eltern widmet er das Stück „Be easy“ in einer besänftigenden Stimmung, weil er nicht genau erklären kann, wovon er als Musiker eigentlich lebt: „Ich habe es immerhin in den Kulturbahnhof Jülich geschafft“. Seinen Abgang bereitete er dadurch vor, dass er noch schleunigst weg müsste, denn er hätte versprochen, bei der CD-Präsentation einer seiner Lieblingsgruppen anwesend zu sein. Weit reisen musste er dafür nicht, denn es handelte sich um die Präsentation von „Strings are changing“…
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