1. Ladies Night

Mersch-Pattern: Die Faszination der Synchronität
Von Dorothée Schenk [22.01.2007, 10.52 Uhr]

Eisbrecher: Die Stetternicher Formation Free Style.

Eisbrecher: Die Stetternicher Formation Free Style.

Das Morbide ist in Mode – soviel konnte selbst der Laie bei der 1. Ladies Night in Mersch-Pattern gleich erkennen. Im dicht „besiedelten“ Festzelt der KG Bretzelbäckere in Mersch-Pattern wimmelte es nur so von spitzzahnigen Vampiretten, Piratinnen, Revolverheldinnen, Komissarinnen und verführerischen Vamps. Die Stimmung brodelte zwischen gut gelaunten Zuschauern und sichtlich nervös-gespannten Teilnehmerinnen des 1. Spaß-Tanzturniers. Perfekt für Franz Cremer, der mit goldener Bauchbinde und bordürenbesetztem Frack ähnlich einem Zirkusdirektor, als Moderator 100 Prozent Aufmerksamkeit der wilden Meute fesseln konnte. Mühelos dirigierte er sie durch den sechseinhalb Stunden Akt, sagte nicht nur die wechselnden Tanzgruppen an, sondern ließ „sein“ Publikum immer wieder skandieren: „Wir woll’n Euch tanzen seh’n!“ und jagte gerne auch ein dreifaches „Let’s dance“ hintendrein.

Eine tolle Veranstaltung haben die Karnevalisten in Mersch-Pattern sich ausgedacht, die auch für Nicht-Jecken kompartibel ist. Abwechslungsreiches fürs Auge steht auf der Bühne. „Lecker Mädschen“ sicher auch, aber das ist nicht das entscheidende. Geschichten sind erzählt worden an diesem Abend im Festzelt – von Heidi, über Mozart und Meermädchen bis eben hin zu den eingangs zitierten Bräuten Draculas. Laut bumberte überwiegend Technosound durch den Saal, wenn die 7- bis 14-Frau-starken Formationen auf die Bühne steppten. Schon beim „Aufmarsch“ gab es die Tänzerinnen quasi zum Anfassen für die Fans, weil sie meist ihre Darbietungen im Zuschauerraum begannen. Ein Wehmutstropfen für viele Gäste: Die Sicht war nur sehr eingeschränkt möglich. Das galt für die Vorstellung im Raum, aber auch auf der Bühne. Körpergröße half da einiges, die beweglichen Kleingewachseneren nutzten die aufgestellten Tische, die Emporen der Jury und der Techniker und bevölkerten diese für freies Blickfeld.

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Außer Konkurrenz: Die Mädels und Jungs des CCKG-Radiobaletts

Außer Konkurrenz: Die Mädels und Jungs des CCKG-Radiobaletts

Wenn Franz Cremer stets betonte, er hoffe, die Tänzerinnen im kommenden Jahr wiederzusehen, so dürfte das sicher auch für die Gäste gelten. Der Wettbewerb, so stellte Cremer immer wieder klar, diene vorwiegend dem Spaß. Zu bewerten galt es nicht nur die Tanzleistung, sondern auch Performance und Kostümierung. Die 13-köpfige Jury setzte sich aus Vertreterinnen der einzelnen Tanzgruppen zusammen und garantierte so ein Höchstmaß an Unabhängigkeit. Interessant zu sehen war es für Nicht-Profis, wie unterschiedlich sich die Formationen präsentierten: Einige zeigten die Perfektion der synchronen Mariechen-Schritte lediglich in modernes Outfit und Musik gekleidet, andere dagegen entwickelten eine völlig eigene Choreographie. Diese wurde dann gerne auch durch Pop-Klassiker untermalt, wie „Eye of the tiger“, „Thriller“ und „The Way to Amarillo“.

Das galt auch für die außer-Konkurrenz tanzenden „Free-Styler“ aus Stetternich, die mit einem Fluch-der-Karbik-Piratentanz der Eisbrecher zum Veranstaltungsstart waren. Eine absolute Weltpremiere gab es außerdem: die „KuBaner“ tanzten erstmals außerhalb der CCKG-Sitzung: Das Radioballet setzte blau-weiße Akzente im Publikum und brachte den Spaßfaktor mächtig ins „Spiel mir das Lied vom Tod“. Als Marshalls und Sallonmädels traten sie auf die Bühne und rissen dann Ladies-Night-like ihren Tänzern die Frauenkleider vom Leib, bis der Sklave der CCKG sichtbar wurde.

Überraschendes wussten auch die Koslarer Magic Diamonds zu präsentieren, die mit einer Sister-Act-Nummer anfangs christliche Folgsamkeit in Nonnentracht präsentierten, ehe klar wurde, dass sie „born to be wild“ sind und damit die „Heroes till the end of the Night“ waren – hier tanzten sich Siegerinnen an die Spitze. Sie erhielten – neben den gesponserten Preisen wie Jahrestickets für die Pulvermühle (für alle Teilnehmerinnen) und einem WOF-Training (1. und 2. Platz) – den Wanderpokal. „Haltet ihn in Ehren, putzt ihn und trinkt gleich ein Fläschchen Sekt daraus… mit mir“, lud sich Moderator Franz Cremer zur Siegesfeier ein. Die dürfte in ganz privatem Rahmen vonstatten gegangen sein, denn Tänzerinnen und Gäste waren um halb drei Uhr nachts rechtmäßig erschöpft, so dass sie das Festzelt zügig leerte. Neben der besseren Sichtverhältnisse vielleicht das einzige veränderungswürdige: Nicht jede Gruppe eine Zugabe tanzen lassen, dann steppt der Bär auch noch nach der Preisverleihung…

Platzierungen:
Platz 6 Village Girls, Güsten
Platz 5 Diamonds, Oberempt
Platz 4 Fun Girls, Lindern
Platz 3 Destiny, Würm
Platz 2 Showtanzgruppe Tetz
Platz 1 Magic Diamonds, Koslar


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