Abschluss der jüdischen Woche

Jülich: Kein „Kaddisch“ mangels Beteiligung
Von Anja Willms [15.11.2006, 08.57 Uhr]

„Ein Ort, an dem täglich Menschen, Kinder mit ihrem Ranzen vorbeiziehen“, beschreibt Pfarrerin Karin Latour den Platz vor der unauffälligen Hauswand in der Grünstraße . Wo einst die Synagoge von Jülich stand, ist heute eine Gedenktafel. an der Gedenktafel. Hier gedachten am Sonntag zum Ende der jüdischen Woche fast hundert Menschen den Grauen der Pogromnacht.

Nass kalter Regen rieselt auf die flackernden Friedhofslämpchen auf den Fensterbänken der Grünstraße, während der Beitrag der Schüler und Schülerinnen der Klasse 10b der Realschule Jülich, das Publikum, der rar anwesenden Juden, Deutschen, und besonders vielen Russen, erschaudern lässt.„Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Anlässlich dieses Zitates nannte jeder Schüler einen Namen, eines ermordeten gleichaltrigen Juden oder Jüdin.

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Dem anschließendem jüdische Gebet „Kaddisch“, welches wegen der nicht anwesenden Zahl von mindestens zehn jüdischen Männern, nur auf deutsch gesprochen werden konnte, folgte die Ansprache des Superintendenten Klaus Eberl, die auch auf russisch übersetzt wurde.

Begleitet wurde die Gedenkfeier von vier Mitgliedern der Musikschule Jülich, die mit ihren Klarinettenstücken, die traurig, andächtige Atmosphäre untermalte. Am Mahnmal, des Propst-Bechte-Platz, dessen man sich in einem Schweigemarsch begab, fand das Gedenken einen Abschluss. Während zwei Fackeln, die in den schwarzen Marmor gemeißelten Namen, ermordeter Juden erleuchteten, trugen Pfarrerin, Superintendent und Mitglieder der jüdischen Gemeinde, jüdische Gedichte vor, ehe das Publikum schweigsam nach Hause ging.


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