Prof. Peter Tass entwickelt Hirnschrittmacher der Zukunft

Jülicher Forscher für Zukunftspreis nominiert
Von Redaktion [18.09.2006, 09.21 Uhr]

Einen Hirnschrittmacher entwickelte das …

Einen Hirnschrittmacher entwickelte das …

Jährlich im November wird der Deutsche Zukunftspreis verliehen, einer der bedeutendsten Wissenschaftspreise in Deutschland. Heute stellte Staatssekretär Dr. Gert Haller, Chef des Bundespräsidialamtes, die vier für den Deutschen Zukunftspreis 2006 nominierten Teams erstmals der Öffentlichkeit vor. Prof. Peter Tass vom Forschungszentrum Jülich und Prof. Volker Sturm von der Universität Köln bilden eines der vorgeschlagenen Wissenschaftler-Teams.

Die beiden Mediziner haben einen neuartigen Hirnschrittmacher zur Behandlung von Nervenerkrankungen wie Parkinson entwickelt, der deutlich schonender und effektiver arbeitet. Der Hirnschrittmacher wird zurzeit getestet und soll in den nächsten drei Jahren klinisch einsetzbar sein. Er eröffnet völlig neue Behandlungsmöglichkeiten auch für Patienten mit Bewegungsstörungen nach Schlaganfällen, bei Epilepsien und schwersten, anders nicht behandelbare psychischen Erkrankungen. 2005 haben Tass und Sturm eine Firma ausgegründet, welche 2009 die Behandlung einer sehr großen Anzahl von Patienten ermöglichen soll. Der Mediziner, Mathematiker und Physiker Tass leitet die Arbeitsgruppe Magnetenzephalographie und Hirnschrittmacher im Bereich Medizin am Forschungszentrum Jülich, der Mediziner Sturm ist Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie der Universität Köln.

Überaktive Hirnregionen verursachen das typische Zittern bei Parkinson-Patienten. Die Behandlung mit einem Hirnschrittmacher ist die Standardtherapie für diese Patienten mit schweren, medikamentös nicht behandelbaren Bewegungsstörungen. Hierzu werden Elektroden in Hirngebiete implantiert, in denen die Nervenzellen krankhaft synchron aktiv sind. Durch eine elektrische Dauerreizung wird die Aktivität der Nervenzellen unterdrückt. Vielen Patienten kann hierdurch geholfen werden, doch eine relevante Anzahl von Patienten hat Nebenwirkungen oder spricht überhaupt nicht auf die Behandlung an. Auch kann die therapeutische Wirkung im Laufe der Behandlung nachlassen oder sogar ganz verschwinden.

Werbung

Wissenschaftlerteam Prof. Dr. med. Volker Sturm aus Köln und Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Peter A. Tass vom Jülicher Forschungszentrum.

Wissenschaftlerteam Prof. Dr. med. Volker Sturm aus Köln und Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Peter A. Tass vom Jülicher Forschungszentrum.

Mit dem neuen Hirnschrittmacher werden die Nervenzellen in den überaktiven Hirnbereichen gezielt aus dem Takt gebracht. Die elektrischen Impulse werden bedarfsgesteuert verabreicht, nämlich nur dann, wenn die Hirnzellen beginnen, krankhaft im gleichen Takt zu feuern. Hierzu haben Prof. Tass und Prof. Sturm die betroffenen Nervenzellverbände in mathematischen Modellen nachgebildet und Stimulationstechniken mit Methoden der modernen Mathematik und statistischen Physik entwickelt.

Der 10. Deutsche Zukunftspreis – Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation – wird am 23. November 2006 durch Bundespräsident Horst Köhler verliehen. Die Auszeichnung ist mit 250.000 Euro dotiert. Der Zukunftspreis zeichnet Projekte aus, die nicht nur von hoher wissenschaftlicher Qualität, sondern zugleich anwendungs- und damit marktreif sind. Das Motto des Preises lautet deshalb: „Aus Ideen Erfolge machen. Für die Menschen. Für das Land. “Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich haben schon zweimal den Zukunftspreis erhalten:
1998 bekam Prof. Peter Grünberg den Preis für die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstand-Effekts verleihen, der die Speicherkapazität von Festplatten vervielfachte, 2002 wurden Prof. Maria-Regina Kula und Dr. Martina Pohl für ihre Forschung mit biologischen Katalysatoren ausgezeichnet, mit der sie Enzyme für den Einsatz in industriellen Produktionsprozessen nutzbar machten.

Lebenslauf

Zur Pressemitteilung des Deutschen Zukunftspreises: Vier Teams zur 10. Preisverleihung nominiert

Hintergrund zum Projekt


Dies ist mir was wert:    |   Artikel veschicken >>  |  Leserbrief zu diesem Artikel >>

NewsletterSchlagzeilen per RSS

© Copyright 2017 Presse- und KulturBüro Schenk + Schenk | Datenschutz

Das Brenzlicht

Mehr Zivilcourage
Es gehört Zivilcourage dazu, Kritik zu üben an einer Preisverleihung, die Zivilcourage auszeichnet und sich gegen das Vergessen der Greueltaten der Nazis positioniert. Toleranz – so die Namensergänzung der veranstaltenden Jülicher Gesellschaft – gehört dazu, um auszuhalten, wenn von vier zu Ehrenden drei als Nebenprodukt behandelt werden und der einzige, durchaus nicht unumstrittene Ausgezeichnete vom Laudator eine Würdigung erfährt, die nicht nur einige Menschen befremden dürfte.  [01.03.2017, 07.54 Uhr]  >>

Alle Brenzlichter >>

Top-Thema

Freiflug über die "Sophie"
Der Barmener Olaf Kiel ist begeisterter Pilot von Multi- und Quadrokoptern, landläufig auch als Drohnen bekannt. Zwei bis dreimal in der Woche startet er in die Jülicher Börde mit seinem großen Koffer im Gepäck. Gut geschützt liegt darin die in Einzelteile zerlegte Flugmaschine, denn erst vor Ort werden die Rotoren angeschraubt und die Kamera in die Lagerung, die so genannte Gimbal, eingehängt.  [08.04.2017, 07.42 Uhr]  >>

Rundum

Kreatives Lösungsmodell im Aldenhovener KIM-Prozess [09.04.2017, 14.00 Uhr]  >>
Düren: Den Umgang mit Demenz lernen [09.04.2017, 13.51 Uhr]  >>

Vereine

Lebendiges Geschichtsgedächtnis [09.04.2017, 14.51 Uhr]  >>
Bestehen unter des Meisters Augen [09.04.2017, 13.19 Uhr]  >>

Immer auf dem Laufenden



Newsletter >>

JüLicht auf Ihrer Site

Sie können unsere aktuellen Schlagzeilen auf Ihrer Website präsentieren - hier steht, wie >>.

Kontakt

Welches Anliegen Sie auch immer bewegt, über unser Kontaktformular >> können Sie mit uns in Verbindung treten.

Werbung