Änderung der Struktur

Jülich: Netzwerke für preiswertere Verwaltung
Von Dorothée Schenk [22.01.2006, 21.55 Uhr]

Die Repräsentaten für die neue Netzwerk-Struktur (v.l.): Jörg Schürmanns, Ida Nottelmann, LVR-Direktor Udo Molsberger und Gesundheitsdezernent Rainer Kukla.

Die Repräsentaten für die neue Netzwerk-Struktur (v.l.): Jörg Schürmanns, Ida Nottelmann, LVR-Direktor Udo Molsberger und Gesundheitsdezernent Rainer Kukla.

Nicht an der Betreung und dem Angebot für Behinderte, an der Verwaltung will der Landschaftsverband Rheinland (LVR) sparen. Das betonte in der vergangenen Woche Udo Molsberger, Direktor des LVR, bei der Präsentation der Umstrukturierung in der Jülicher Stadthalle. Statt der fünf Heilpädagogischen Heime im Rheinland bestehen seit Jahresbeginn drei Netzwerke Heilpädagogischer Hilfen (HPH-Netze). An die Stelle der bekannten Heilpädagogischen Heime Düren und Viersen tritt das HPH-Netz Mittelrhein West.

Einen Quantensprung in der Qualitätssicherung nannte Molsberg diese Reform. Geboren ist sie aus der Veränderung der „Wohnlandschaft“ der Behinderten: Wurde vor 30 Jahren damit begonnen, geistig Behinderte nicht mehr in Kliniken für Psychiatrie einzuweisen und sie in eigenen Heimen mit geschultem pädagogischen Personal unterzubringen, trug der LVR dem Wunsch nach individueller Unterbringung Rechnung. In den vergangenen zehn Jahren wurden immer mehr Heime geschlossen und Wohnhäuser gebaut oder gekauft. In Düren wurde im Dezember 2005 auf dem Grund der Landesklinik das letzte Heim geschlossen und der Umzug in Privatwohnungen vollzogen.

Zum neuen HPH-Netz Mittelrhein West zählen verwaltungstungstechnisch in sieben Regionen 665 geistig Behinderte und rund 750 Mitarbeiter, die zwischen dem Amtssitz im Kreis Viersen und dem Kreis Euskirchen leben. Einen „Event“ nannte Jörg Schürmanns die Informationsveranstaltung zum neuen Netzwerk Heilpädagogische Hilfen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Der frischgekürte Geschäftsführer des Bereichs Mittelrhein West erklärte: „Wir können sonst als Gruppe nicht zusammenkommen.“ Schließlich zählen 665 geistig Behinderte und rund 750 Mitarbeiter verwaltungstechnisch in sieben Regionen zwischen dem Amtssitz im Kreis Viersen und dem Kreis Euskirchen dazu. Darunter fallen Düren, Jülich und Aldenhoven mit ihren Wohnungen und Apartmenthäusern für Menschen mit Behinderungen sowie das Heilpädagogische Zentrum und die Werkstätten für Behinderte in Huchem-Stammeln.

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Reges Treiben herrschte rund um die Info-Stände in der Stadthalle und Austausch an den Tischen.

Reges Treiben herrschte rund um die Info-Stände in der Stadthalle und Austausch an den Tischen.

Das neue dezentrale System „in der Fläche“ hat eben auch seine Tücken. Verstanden wird es aber gemeinhin von den Verantwortlichen als „Quantensprung“ der letzten zehn Jahre, dem nun ein weiterer gefolgt ist.

So stellt es Udo Molsberger, Direktor des LVR, der Öffentlichkeit vor. Unter dem Tenor „Geistig behinderte Menschen gehören in ihre Gemeinden“ hat in den vergangenen zehn Jahren verstärkt der Umzug in die selbstbestimmte Lebensform in Wohnungen oder Wohngemeinschaften begonnen. Das war ein enormer finanzieller Aufwand, wie Molsberger berichtet. Jetzt kommt eine Zeit des Sparens, denn mit gleich bleibenden, wenn nicht sinkenden Budgets rechnet der LVR-Direktor. Die Betreuung und Hilfe am Menschen wird sich der Träger aber weiterhin das nötige kosten lassen, versichert Molsberger. Gespart werden soll im Verwaltungsbereich. Daher kam es jüngst zur Zusammenführung in nur noch drei Organisationsbereiche, den so genannten Netzwerken Heilpädagogische Hilfen (HLH) im Rheinland, gegliedert in Niederrhein, Mittelrhein West und Mittelrhein Ost.

Spürbar wird es also für die 16 Jülicher und 18 Aldenhovener die unter der Obhut des LVR leben nicht. Zur Sensibilisierung vor Ort sieht Ida Nottelmann, fachliche Direktorin des Bereichs Mittelrhein West, eine Chance. „Die Behinderten sollen Bürger der Gemeinden werden. Wir wünschen uns, dass Nachbarn sich mehr darauf einlassen, dass die Behinderten normal sind und trotzdem ein bisschen anders.“ Der Gesundheitsdezernent des Verbandes, Rainer Kukla, sieht die Verbesserung und Regionalisierung darin, dass Angebote komplettiert werden können und die Wege für die Behinderten kurz bleiben. Neu installiert wird in Jülich zusätzlich eine Dienststelle für Konsulentenarbeit. Diese bezieht in Kürze ihre Räume im Technologiezentrum. Geboten wird ein hochspezialisiertes Personal, das vor allem besonders stark gestörten Menschen, etwa Autisten, in der Betreuung begleitet.


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