Edelweißpiraten mit Stolz und Vorurteil

Widerstand im KuBa-Kino
Von Redaktion [16.01.2006, 13.25 Uhr]

Brautschau in „Stolz und Widerstand".

Brautschau in „Stolz und Widerstand".

Mit „Stolz und Vorurteil“ gegen die Tyrannei einer Mutter geht es am Montag, 16. Januar, im Jülicher Kulturbahnhof. Ein oppulentes Mahl erwartet Filmfeinschmecker in der Jane-Austen-Verfilmung, die ab 20 Uhr über die Leinwand im KuBa-Kino flimmert. Im ländlichen England des frühen 19. Jahrhunderts warten die fünf wohlgeratenen Töchter der britischen Großbürgerfamilie Bennet darauf, dass ein respektabler Herr um ihre Hand anhält. So jedenfalls sind die Spekulationen von Mutter Bennet (Brenda Blethyn), die ihre Töchter ohne Rücksicht auf Verluste unter die Haube zu bringen gedenkt. Dabei hat sie jedoch nicht mit dem Eigensinn von Elizabeth (Keira Knightley), der Zweitältesten, gerechnet, die sich partout nicht für den wohlhabenden Mr. Darcy (Matthew MacFadyen) begeistern will. Sie strebt nach einem Leben mit einem weiteren Horizont und wird von ihrem liebenden Vater (Donald Sutherland) darin auch bestärkt.Getreu der beliebten Vorlage wurde dieser Film eng an die Umgebung und die historische Epoche angelehnt, vollständig in Großbritannien gedreht

Nach insgesamt fünf Fernsehproduktionen adaptiert TV-Regisseur Joe Wright ("Charles II: The Power And The Passion") Jane Austens gleichnamigen Roman-Klassiker unter großer Starbeteiligung zum ersten Mal seit 1940 wieder für die Leinwand.


Widerstand, allerdings eher aktiver Art, leisten am Dienstag, 17. Januar, um 20 Uhr „Die Edelweißpiraten“. Im Deutschland der frühen 40er hat nicht jeder Jugendliche Bock auf Endsieg und Hitlerjugend. Wie einige hundert weitere Kids aus der Stadt fühlt sich auch der 17-jährige Karl (Ivan Stebunov) aus Köln-Ehrenfeld der wachsenden Gruppe sogenannter Edelweißpiraten zugehörig. Deren Mitglieder verweigern den Dienst in Uniform, hören lieber Jazz statt Marschmusik und liefern sich wilde Prügeleien mit der HJ. Als Karl und seine Freunde den KZ-Häftling "Bombenhans" Steinbrück (Bela B. Felsenheimer) verstecken, nimmt der wilde Widerstand organisierte Form an.

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Widerstand notfalls mit der Waffe leisten „Die Eispiraten".

Widerstand notfalls mit der Waffe leisten „Die Eispiraten".

Eine suggestiv nervöse Handkamera, schnelle Schnitte, ein intensiver Soundtrack, eine fiebrige Geschichte von Lebenshunger und Todesangst: Niko von Glasows Edelweißpiraten ist ein leidenschaftliches Plädoyer wider das Vergessen, das in seinem Tempo und seiner Direktheit (nicht nur) den jungen Kinozuschauer ins Herz trifft. 60 Jahre nach Kriegsende erzählt der Film eine verdrängte Geschichte aus dem deutschen Widerstand. So ungewöhnlich Machart und Thematik des Dramas, so ungewöhnlich ist der Mix aus bekannten Schauspielern (Jochen Nickel, Anna Thalbach, Jan Decleir), Newcomern wie Iwan Stebunow und Simon Taal und Kino-Entdeckungen wie Bela B. Felsenheimer von „Die Ärzte“ als flüchtiger KZ-Häftling „Bombenhans“. Anders als der Münchner Studenten-Geheimbund „Die weiße Rose“ waren die Kölner Edelweißpiraten keine Organisation, sondern eine intuitiv entstandene Bewegung mit proletarischem Hintergrund. Ein wilder Haufen romantischer, freiheitsliebender und rebellischer Jungen und Mädchen, viele von ihnen waren Arbeiterkinder. Die Edelweißpiraten zeigten ihrer Umgebung, dass Widerstand möglich war. Und sie waren viele: Allein bei der Kölner Gestapo wurden Akten von rund 3.000 Edelweißpiraten gefunden. Die Nachkriegszeit brandmarkte sie als Kriminelle, weil ihr Überleben imUntergrund sie zu Diebstählen und Plünderungen zwang. „Wir waren die Schmuddelkinder des Widerstands“, so der 75-jährige Edelweißpirat Jean Jülich, der Kiki von Glasow maßgeblich beim Schreiben des Drehbuchs beraten hat.

Erst im Juni diesen Jahres wurden sie in Deutschland als Widerstandskämpfer anerkannt – da hatte der Staat Israel sie längst als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

Edelweißpiraten: Ein filmisch innovativer, ungeschönter Blick auf das Dritte Reich, gesehen durch die Augen einer Generation, der Kindheit und Heimat gnadenlos genommen wurden. Und die dennoch für ihr Glück, ihre Liebe, ihre Jugend und ihre Träume kämpfte.


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