Neuer Laubsauger entwickelt

Jülicher Blätterwerk innovativ zu Laube gerückt
Von Dorothée Schenk [12.12.2005, 13.31 Uhr]

Josef Danz (r.) und Peter Ritz entwickelten gemeinsam den neuen Laubsauger.

Josef Danz (r.) und Peter Ritz entwickelten gemeinsam den neuen Laubsauger.

Vor den heimischen Laubgefällen kollabiert schon mal der Privatmann, wenn Rechen und Gebläse den Blattmassen nicht mehr Herr werden. Die Stadt Jülich bewältigt einen 550 Quadratmeter großen „Blätterwald“ in jedem Jahr. Eine Arbeit für Sisyphus uns seine Freunde – gäbe es nicht die maschinellen Assistenten in Form von Laubsaugern. Peter Ritz heißt der Bediener – so lautet tatsächlich die offizielle Bezeichnung des Arbeitsbereichs von Bauamts wegen. In der heißen Phase an den kalten Tagen, wenn mit dem Regen auch die Blätter fallen, kam es in den vergangenen Jahren nicht selten vor, dass Peter Ritz wöchentlich bei Josef Danz in der Werkstatt vorfuhr und Schäden meldete. Der Grund: Nicht nur das Blattwerk wurde eingesaugt, auch Steine und Splitt fanden ihren Weg durch die Turbinen. „Die Steine wirken wie Schmirgelpapier“, erläutert Markus Danz, Leiter des städtischen Bauhofes in Jülich.

Das machte die Maschine verständlicherweise sehr anfällig für Reparaturen, weil der Verschleiß sehr hoch war. So fielen wöchentlich Schweißarbeiten an dem Gerät an. 2500 Euro an Reparaturen fielen hierfür jährlich an. Nicht eingerechnet die zwei Tage Arbeitszeit für die Wiederherstellung der Maschine. „Die Schäden passierten natürlich oft vor Feiertagen, wie Allerheiligen“, so Danz.

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Muskelkraft braucht Peter Ritz trotz der Innovation immer noch.

Muskelkraft braucht Peter Ritz trotz der Innovation immer noch.

Das gehört aber ab sofort der Vergangenheit an. Peter Ritz und Josef Danz fahndeten nach einer Lösung und fanden sie. Nach Marke Eigenbau entwickelten sie nach dem Staubsauger-Prinzip eine neue verschleißfreie Laubsaugmaschine, die jetzt aber nicht mehr durch die Turbine das Blattwerk anzieht, sondern es „daran vorbei“ direkt auf die Ladefläche bringt. Siebe verhindern, dass größerer Unrat mit aufgeladen wird. Über die Dauer der Entwicklung konnte das kreative Duo der Stadt Jülich keine genauen Angaben machen. „Wir haben so lange herumprobiert, bis wir die richtige Lösung hatten“, erklärt Josef Danz. Vor der „Erfindung“ hatten sie sich bei anderen Kommunen über deren Problembewältigung erkundigt, aber keine alternativen Angebote bekommen. Viele setzten offenbar noch auf Handarbeit. Auch die ist hier nicht völlig außen vor: Bevor das „Ladegerät“ mit Peter Ritz vorfährt, bereitet ein Team den Laubhaufen vor. Das Einsaugen ist dann Ein-Mann-Arbeit, aber auch mit Muskelkraft. „Ich habe das mal eine viertel Stunde lang gemacht“, berichtet Markus Danz von der Erprobungsphase, „danach war ich erschöpft. Das erfordert viel Körperkraft!“

Die Stadt Jülich hat für die Lagerung ihres Laubabfalls eine Sondergenehmigung vom Kreis Düren. Die Ladung wird kompostiert und kann zum Anbau von Futtermais etwa, wie Bauhofleiter Danz erklärt, verwendet werden. „Wir wollen damit auch den Zoo unterstützen.“

Unterstützung sucht der Bauhof aber auch selbst für die Beschriftung des Fahrzeuges: Noch steht es nackt und bloß da, weil Markus Danz sich mit der Bezeichnung Laubsauger der Stadt Jülich nicht zufrieden geben wollte und die lateinische Variante „frondis progatorius“ auch nicht wohlklingend ist. Wem ein zündender Einfall für die Bezeichnung des Gefährts kommt, kann sich persönlich an das Ideen-Management in Person von Anne Gatzen im Zimmer 103 im Neuen Rathaus Jülich wenden, oder telefonisch unter 02461-63377 oder via Mail Dies ist mir was wert:    |   Artikel veschicken >>  |  Leserbrief zu diesem Artikel >>

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