Barmen: Der versunkene Ritter und das Nulandtkreuz
Von Arne Schenk [01.09.2016, 19.54 Uhr]

Die Sage vom versunkenen Ritter und das zerstörte Nulandtkreuz – welche Verbindung herrscht zwischen diesen Beiden? Dies hat jetzt der Kultur- und Geschichtsverein Jülich-Barmen recherchiert und präsentiert die zugehörigen Informationen auf seinen Geschichtstagen am 3. und 4. September auf dem Barmener Schloss Kellenberg.

Gräfin Immaculata von und zu Hoensbroech, Berthold Abel, Joachim Hecker, Thomas Muckenheim, Alexander Holz (v.r.n.l.) auf Schloss Kellenberg.

Gräfin Immaculata von und zu Hoensbroech, Berthold Abel, Joachim Hecker, Thomas Muckenheim, Alexander Holz (v.r.n.l.) auf Schloss Kellenberg.

Der böse Ritter, der in seiner Kutsche einem flüchtigen Gefangenen nachsetzt und dann mit einem Teufels-Fluch auf den Lippen in das morastige Ufergelände der Rur gezogen wird, ist wesentlicher Bestandteil der lokalen Märchen- und Sagenkultur. „Was steckt eigentlich in der Sage drin?“, formuliert Joachim Hecker, Vorsitzender des Kultur- und Geschichtsverein, die Triebfeder für die Untersuchungen nach der Herkunft der Sage. Denn vieles passt dabei nicht zusammen. Ein Ritter würde nie in einer Kutsche einem entflohenen Gefangenen hinterherfahren, erklärt Gräfin Immaculata von und zu Hoensbroech, jahrelang Herrin von Schloss Kellenberg.

Mit Hilfe des Historikers Alexander Holz entdeckten die Forscher unterschiedliche Ereignisse, die offenbar zu einer Geschichte verwoben wurden. Wohl existierte im 14. Jahrhundert ein Ritter Emunt von Barmen, der unter anderem durch Straßenraub und Plünderungen auf sich aufmerksam gemacht hatte. Allerdings ist dieser unter dem Jülicher Herzog Wilhelm II. gefangen und in Aachen hingerichtet worden.

Andererseits verunglückte 1681 Johann Dietrich Freiherr von Nuland bei dem Versuch, mit seiner Kutsche die Rur zu überqueren. Diese schlug im Wasser um, so dass er in seiner Karosse eingeklemmt wurde und ertrank. Die Errichtung des Steinkreuzes in Gedenken an den Unfall tat ein Übriges, um die beiden Geschichten zu vermengen und eine Legende zu formen, wie Alexander Holz schreibt: „Der belgische Granit, vom Steinmetz kunstvoll ausgeformt, machten das Denkmal zu einem Anziehungspunkt für Interesse und Phantasie.“

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Beflügelt wurde diese wohl zusätzlich, als an der Rurfurt ein weiteres Opfer bei dem Weg von oder nach Overbach den Tod in dem Wasser fand. Dabei handelte es sich um den junge Schlossherr von Kellenberg Theodor Adolphus Raitz von Frentz, einem Enkel des Reitergenerals Jan von Werth, der an Silvester 1711 mit seinem Pferd einen Ausritt unternahm.

Dem Kreuz selbst war ein ähnliches Schicksal beschieden, als es im Jahr 1968 durch Vandalismus schwer beschädigt wurde. In den frühen 70er Jahren sammelten Gräfin Immaculata und ihre Kinder etliche Bruchstücke am Rurufer, so dass das Kreuz in großen Teilen wieder zusammengesetzt werden konnte. Eine Replik des Kreuzes hat nun der Bildhauer Berthold Abel erstellt. Diese erhält seinen Platz am Rehgatter, ein gutes Stück von Schloss Kellenberg entfernt.

Eingeweiht wird das Nulandtkreuz von Propst Josef Wolff von der Pfarrei Heilig Geist Jülich am Samstag, 3. September, 14 Uhr. Anschließend eröffnet ein Festakt mit Landrat Wolfgang Spelthahn, Bürgermeister Axel Fuchs sowie Guido von Büren, dem Vorsitzenden des Geschichtsvereins Jülich, die Geschichtstage des Kultur- und Verkehrsvereins Barmen auf Schloss Kellenberg. Eine Rahmenprogramm mit einer „Life History“ samt mittelalterlich gekleideten Personen wie Bogenschützen und Schwertkampfgruppe, der Vorführung der Verfilmung vom „Versunkenen Ritter“ von 1981 sowie Führungen durch die Ausstellung werden von 16 bis 19 Uhr angeboten sowie auch am Sonntag, 4. September, von 11 bis 17 Uhr.

Das begleitende Buch „Er ertrank 1681 in der Rur durch Reversierung seiner Carosse“ mit Texten zum Versunkenen Ritter und dem Nulandtkreuz sowie die Herstellung dessen Replikats ist zu 8 Euro auf den Geschichtstagen auf Kellenberg sowie im Barmener Dorv-Laden.


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