Neues aus dem Forschungszentrum

Förderung für drei Jülicher Unternehmensgründungen
Von Redaktion [24.06.2016, 15.27 Uhr]

Von der ersten Idee bis zur eigenen Firma ist es ein weiter Weg. Ausgründungsvorhaben der 16 nationalen Helmholtz-Zentren können sich deshalb um eine Starthilfe aus dem "Helmholtz Enterprise"-Programm bewerben. Von fünf in der aktuellen Ausschreibungsrunde ausgewählten Geschäftsideen stammen gleich drei aus dem Forschungszentrum Jülich.

Prof. Dieter Willbold vom Institute of Complex Systems, Strukturbiochemie (ICS-6) Copyright: Forschungszentrum Jülich

Prof. Dieter Willbold vom Institute of Complex Systems, Strukturbiochemie (ICS-6) Copyright: Forschungszentrum Jülich

Überzeugen konnten zwei Startups aus dem Bereich der Alzheimer-Forschung sowie eine neuartige Sensorentechnologie. Sie erhalten nun eine Förderung von bis zu 260.000 Euro. Die Hälfte des Geldes stammt aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds der Helmholtz-Gemeinschaft, die andere Hälfte steuert das Forschungszentrum bei.

Aus dem Institute of Complex Systems, Strukturbiochemie (ICS-6) stammt die Ausgründungsidee zur D-Peptid basierten Therapie für Alzheimer-Patienten. Für die Behandlung der Alzheimerschen Demenz fehlt bisher noch ein Medikament, das nicht nur Symptome abschwächen, sondern an der Ursache der Krankheit ansetzt. Das Team um Prof. Dieter Willbold hat einen völlig neuartigen Wirkstoffkandidaten entwickelt, der im Tiermodell bereits sowohl seine Wirksamkeit als auch seine Sicherheit gezeigt hat. Der potenzielle Wirkstoff hat einen einzigartigen Wirkmechanismus, der sich direkt und spezifisch gegen sogenannte Oligomere, toxische Aggregate des körpereigenen A?-Peptids, richtet. Sie spielen eine entscheidende Rolle für das Entstehen und Fortschreiten der Krankheit und sind daher ein idealer Angriffspunkt für die Therapie. Zudem zeichnet sich der Jülicher Wirkstoffkandidat durch relativ günstige Herstellungskosten aus und kann oral verabreicht werden. All dies macht ihn zu einem vielversprechenden Kandidaten für die noch mehrere Jahre dauernde Weiterentwicklung zum Medikament.

Auch das zweite vom ICS-6 eingereichte Projekt war erfolgreich. Das Verfahren sFIDA, soll wesentlich frühzeitigere und verlässlichere Alzheimer-Diagnosen ermöglichen. Die sFIDA-Technologie kann A?-Oligomere in Körperflüssigkeitsproben ultrasensitiv und spezifisch quantifizieren und als Biomarker nutzen, an dem sich die Krankheit erkennen lässt. Das Verfahren ist daher auch prädestiniert für Begleitdiagnostik in klinischen Studien. Darüber hinaus kann die Technologie auch für andere neurodegenerative Leiden, wie die Parkinson-Krankheit, angewendet werden.

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Dr. Alexey Yakushenko vom Peter-Grünberg-Institut, Bioelectronics (PGI-8) Copyright: Forschungszentrum Jülich

Dr. Alexey Yakushenko vom Peter-Grünberg-Institut, Bioelectronics (PGI-8) Copyright: Forschungszentrum Jülich

Sie wird zunächst als diagnostisches Dienstleistungsprodukt für Kunden aus der pharmazeutischen Industrie und der akademischen Forschung angeboten und steigert die Erfolgsaussichten klinischer Studien. Ziel des nun von Helmholtz Enterprise geförderten Ausgründungsvorhabens soll es unter anderem sein, dieses Verfahren auch für eine flächendeckende Frühdiagnose weiterzuentwickeln. "Wir freuen uns sehr über den Doppel-Erfolg für unsere beiden Ausgründungen", sagt Prof. Dieter Willbold, Leiter des Jülicher ICS-6: Strukturbiochemie.

Aus dem Jülicher Peter-Grünberg-Institut, Bioelectronics (PGI-8/ ICS-8) kommt die neue und nun geförderte Sensoren- und Tintentechnologie F?dorov. Sie liefert kostengünstige Echtzeit-Daten für einzelne Lebensmittelprodukte und könnte ein wesentlicher Baustein zur Realisierung für das Internet der Dinge (Internet of Things IoT) im Handel sein. Dadurch lässt sich drahtlos für jedes Produkt immer genau und schnell bestimmen, wie frisch es ist. Die Technologie macht das derzeit viel diskutierte Ablaufdatum quasi überflüssig. Innerhalb der Logistikkette von der Produktion über den Transport bis hin zum Einzelhandel und Verbraucher lassen sich jederzeit von der Packung Daten über den Zustand generieren. So erhalten Produzenten, Zulieferer, Supermärkte und Verbraucher spezifische Informationen über jedes einzelne Produkt.

Die Helmholtz-Gemeinschaft hat seit 2005 insgesamt 103 Ausgründungsvorhaben von Forscherinnen und Forschern maßgeblich unterstützt. "Die künftigen Firmengründer erhalten so die Unterstützung, die sie brauchen, um ihre exzellenten Ideen in innovative Unternehmen weiterzuentwickeln", sagt Otmar D. Wiestler, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.


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