Superintendant zu Besuch am Berufskolleg

Jülich: Mehr als nur eine gute Note - Religion
Von Redaktion [22.06.2016, 09.46 Uhr]

Der Superintendant und die Bezirksbeauftragte des evangelischen Kirchenkreises besuchten das Jülicher Berufskolleg und erhielten so Einblicke, in den Religionsunterricht an der multikulturell geprägten Schule, an der für viele Schüler Religion mehr als nur ein Fach für eine gute Note zu sein scheint.

Schulleiterin Heike Schwarzbauer und ihr Stellvertreter Tilman Weid begrüßten Bezirksbeauftragte Pfarrerin Bernhild Dankert und Superintendant Pfarrer Jens Sannig. Im Gespräch wurden Arbeit und Profil der Schule erleutert. Über 1600 Schüler aus dem gesamten Kreis Düren werden in verschiedenen Schulgängen von 70 Lehrkräften unterrichtet.

Dass das Berufskolleg Jülich Wert darauf legt, soziale Schule zu sein und dies im Alltag abzubilden, machen Blutspendenaktionen, gemeinsames Typisieren für die Knochenmarkspenderdatei oder Spendenaktionen für syrische Flüchtlinge deutlich. Eine Ausstellung zum Thema „Flüchtlinge“, erarbeitet unter der Anleitung von Pfarrerin Elke Wenzel, diente der Sensibilisierung für das Schicksal dieser Menschen.
Seit April 2014 trägt das Berufskolleg den Titel „Schule ohne Rassismus“. Zeitzeugen aus der Zeit des Dritten Reiches wie Sally Perel konnten den Schülern in diesem Zusammenhang überzeugend darstellen, wohin Rassismus und Ausgrenzung führen.

Dass auch Kultur zur umfassenden Bildung beiträgt, erlebten die Schüler im Bereich der Bildenden Kunst durch das Landesprogramm Kultur und Schule geförderten Projekte mit dem kubanischen Künstler Antonio Nuez und beim Besuch der Musikerin Antje Weithaas im Jahr 2015. „Rhapsody in School”, ein auf Initiative des Pianisten Lars Vogt gegründetes bundesweites Projekt, bringt Musikerinnen und Musiker in die Schulen, um ihnen verschiedene Musikrichtungen nahzubringen.

In den vergangenen Monaten, so erfuhren die Besucher, erlebte die Schule den Tod einer Schülerin und einer Schülers. Gemeinsam versuchte man, diese einschneidenden Ereignisse zu verarbeiten.

Noch bevor der Besuch den Klassenraum betreten konnte, wurde er schon auf dem Flur vom Klassensprecher herzlich begrüßt: Das Gespräch mit Schülern der Höheren Handelsschule über Berufswünsche ergab ein buntes Bild: Industriekaufmann, Polizistin, PR-Management, Restaurantleitung und andere Ziele mehr. Talent und Interessen beeinflussen Berufswunsch, das wurde schnell deutlich.

Natürlich wollte der Superintendent wissen, warum die Jugendlichen am Religionsunterricht teilnehmen. „Wir haben keine andere Wahl. Das liegt am Stundenplan.“ Diese eher nüchtern-pragmatische Ausgangslage hindert die Schüler aber ganz offensichtlich nicht daran, das Fach mit Leben zu füllen. Und das Gespräch ergab: Bibel und Koran sind offensichtlich immer noch begehrt als Hilfe für den Alltag. Und die Religionslehrerin, Pfarrerin Elke Wenzel, bekam auch gleich einen Arbeitsauftrag für die Zukunft: Ihre Religionsklasse wünscht sich mehr Raum, von der eigenen Religion zu erzählen und von der Religion anderer zu erfahren.



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Jens Sannig in der Gesprächsrunde im Berufskolleg

Jens Sannig in der Gesprächsrunde im Berufskolleg

Die zweite Schulstunde führte den Superintendenten und seine Begleitung in eine Euregiokompetenz- Klasse. Auch hier vielfältige Berufswünsche, von Arzthelferin bis Justizfachangestellte, von Industriekaufmann bis Stadtinspektorin, von Bundeswehrverwaltung bis Landwirtin. Religionsunterricht? „Wichtig ist eine gute Note für das Zeugnis.“ Aber auch: „Wir lernen, wie Menschen miteinander umgehen. Wir reden über unser Menschenbild, über den Wert des anderen Menschen. Das können wir auch für den späteren Beruf gebrauchen.

In beiden Schulstunden aber wurde auch der Superintendent intensiv befragt: nach seinem Beruf, seinen Intentionen, seinen Interessen und Schwerpunkten. Ja, er sei glücklich in seinem Beruf, der ihn erfülle. Er beaufsichtige die 19 Gemeinden des Kirchenkreises, kümmere sich um die Mitarbeiter, helfe bei Problemen und sei auch für den Erhalt von Arbeitsplätzen zuständig. Auch die Pfarrer in den Gemeinden und an den Schulen habe er im Blick. Nicht zuletzt wurde den Schülern deutlich: Dem Jülicher Superintendenten liegen die Menschen besonders am Herzen, die als Flüchtlinge nach Marokko kommen und von der dortigen Kirche – mit Unterstützung durch den Evangelischen Kirchenkreis Jülich- betreut und versorgt werden.

Unterschiedliche Bildungsgänge an dieser Schule machten gemeinsame Aktionen oder Veranstaltungen nicht gerade einfach, berichteten die Religionslehrer im Gespräch nach dem Unterrichtsbesuch. Immerhin aber gelinge es, jeweils im Dezember eine Weihnachtsbesinnung zu gestalten.

Besondere Herausforderungen für den Religionsunterricht ergäben sich durch unterschiedliche Religionszugehörigkeiten. Man mache aber positive Erfahrungen durch gute Gespräche über eben diese Themen. Einem Impuls von Schülern folgend habe man z.B. eine Moscheebesichtigung durchgeführt.

Insgesamt stelle man fest, dass Schüler interessiert seien am Fach Religionslehre. So gebe es z. B. kaum Abmeldungen. Der Religionsunterricht im Berufskolleg Jülich biete die überaus wichtige Beschäftigung mit Grundfragen des Lebens, auch im Blick auf den zukünftigen Beruf.

Die sehr differenzierte Schülerklientel stelle die Unterrichtenden vor besondere Herausforderungen, die man akzeptiere und mit der entsprechend umzugehen man gelernt habe.

Der Superintendent dankte für die Möglichkeit des Besuches, dankte für die vielfältigen Eindrücke. Sein besonderer Dank galt den Lehrern, denen der Religionsunterricht offensichtlich eine Herzensangelegenheit sei. Und er wünschte den Frauen und Männern, die ihre Kirche ganz nah bei den Menschen verkörperten, Kraft, Freude und Gottes Segen für ihre Arbeit.

© Johannes de Kleine


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