Neues aus dem Forschungszentrum

Jülich: Hilfe für jene, die sich nicht selbst helfen können
Von Redaktion [05.02.2016, 07.10 Uhr]

Naturkatastrophen, Brände oder technische Störfälle können uns alle bedrohen. Manchmal ist es erforderlich, schnell Gelände oder Gebäude zu evakuieren. Was passiert aber, wenn betroffene Menschen eine konkrete Gefahr nicht erkennen können oder bei der Flucht auf fremde Hilfe angewiesen sind? Seit Anfang Februar beschäftigen sich im Projekt "Sicherheit für Menschen mit körperlicher, geistiger oder altersbedingter Beeinträchtigung" (SiME) die Werkstatt Lebenshilfe im Bergischen Land GmbH, das Forschungszentrum Jülich und die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung als Koordinator mit diesen Fragen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Verbundprojekt im Rahmen des Programms "Forschung für die zivile Sicherheit" über eine Laufzeit von drei Jahren mit insgesamt 1,12 Mio. Euro. Thomas Rachel (MdB), Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, überreichte nun den Förderbescheid: "Der Schutz und die Rettung von Menschen ist eines der Schwerpunktthemen im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Hier gilt es vor allem, Systeme zu erarbeiten, die die Evakuierung von mobilitäts- und sensorisch eingeschränkten Personen gewährleisten. Im Projekt soll gemeinsam mit Menschen mit Behinderung erarbeitet werden, wie optimale Flucht- und Evakuierungsmöglichkeiten aussehen", sagte Staatssekretär Thomas Rachel. Weitere Projektpartner sind das Forschungsinstitut SO.CON an der Hochschule Niederrhein, die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie die PTV Transport Consult GmbH.

Mit SiME soll die Fähigkeit zur Selbstrettung von körperlich, geistig oder altersbedingt beeinträchtigten Personen ermittelt und verbessert werden. Dabei wird die effiziente Vorbereitung der Betroffenen auf kritische Situationen ebenso untersucht wie die Gestaltung der Flucht- und Rettungswege.

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Mit Modellrechnungen sollen belastbare Evakuierungszeiten simuliert werden. Dazu sind konkrete Bewegungsparameter erforderlich, zum Beispiel Geschwindigkeiten oder Abstände der Personen untereinander. Derartige Daten liegen bislang jedoch nur für uneingeschränkt mobile Personengruppen vor. Das Forschungszentrum Jülich kann für Simulationen dieser Art seine Erfahrungen aus früheren Projekten zur Eigendynamik großer Menschenmengen wie in "Hermes" und "BaSiGo" einbringen.

In dem Teilprojekt "Parameterstudien für die Evakuierung heterogener Personengruppen" wollen Stefan Holl und Dr. Maik Boltes vom Jülich Supercomputing Centre (JSC) die Ergebnisse von Personensimulationen der Realität weiter annähern. "Dazu führen wir Parameterstudien zum Evakuierungsprozess durch, an denen heterogen zusammengesetzte Gruppen aus mobilen, aber auch mobilitätseingeschränkten Personen teilnehmen", erklärt Holl. "Darüber hinaus wollen wir erforschen, wie die Nutzung von Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder Rollatoren das Bewegungsverhalten der Gruppen beeinflusst", ergänzt Boltes.

Auf Basis dieser Bewegungsparameter können dann Simulationen für die Anwendung erstellt werden, beispielsweise für die Evakuierung von Wohnheimen oder Werkstätten. Darüber hinaus sollen sowohl Betreiber sozialer Einrichtungen als auch Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden eigens entwickelte Trainings- und Consultinglösungen nutzen können. So trägt das Forschungsvorhaben dazu bei, die Sicherheitsinteressen aller Personengruppen besser berücksichtigen zu können, wenn zukünftig Evakuierungskonzepte erstellt werden.


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