Von ungleichen Schwestern und einem Pianisten

Frankreich zu Gast im Jülicher KuBa
Von Redaktion [04.11.2005, 17.21 Uhr]

Zwei ungleiche Schwestern stecken die Köpfe zusammen.

Zwei ungleiche Schwestern stecken die Köpfe zusammen.

Es wird dramatisch im KuBa-Kino: „Frankreich“ ist zu Gast und präsentiert sich mit zwei „Trüffeln“ der neueren Filmgeschichte. In „Zwei ungleiche Schwestern“ begleiten Cineastem am Montag, 7. November, ab 20 Uhr Isabelle Huppert und Catherine Frot 92 Minuten lang durch ein kritisch-komödiantisches Stück Familiengeschichte. Die nette, lebenslustige Louise (Catherine Frot) ist eigentlich Kosmetikerin in der Provinz… hat aber ein Buch geschrieben. Nun kommt sie in die Großstadt Paris, um auf Cocktail Parties Eindruck zu schinden und wenn möglich einen lukrativen Vertrag mit einem renommierten Verlag abzuschließen. Ihre Schwester, die eiskalte Martine Demouthy (Isabelle Huppert) ist davon überhaupt nicht erbaut, weil sie missgünstig und aus tiefstem Herzen verbittert ist.

Es folgen drei Tage, in denen die überschwängliche Louise die unterkühlte, ständig auf ihre gesellschaftliche Stellung bedachte Martine auf eine schwere Probe stellt. Schließlich muss sich Martine, am Rande mehrerer Nervenzusammenbrüche, von ihrem Mann und ihren besten Freundinnen betrogen, die Frage nach dem Sinn ihres Lebens und nach der Gültigkeit ihrer Werte stellen. Auch an Louise geht diese schwesterliche tour de force nicht spurlos vorüber – als sie einsam und bedrückt die Rückreise antritt, da steht sie vielleicht am Anfang einer Karriere als Schriftstellerin, aber ihre Schwester scheint sie für immer verloren zu haben...

Die fulminant vorgetragene Culture-Clash-Komödie der französischen Regisseurin Alexandra Leclère balanciert auf dem schmalen Grat zwischen Psychodrama und schwarzer Satire.

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Seine Liebe gehört der Musik.

Seine Liebe gehört der Musik.

Böse ist zu Anfang auch Tom, der für seinen Vater, einen kriminellen Immobilienspekulanten, treibt der 28-jährige Tom (Romain Duris) Schulden ein, zur Not auch mit roher Gewalt. Wenn es um den Rauswurf unliebsamer Mieter geht, zeigt er sich ebenfalls wenig zimperlich. Nervöse Unruhe und eine kurze Geduldsspanne sind in diesem Job eher Vorteile, etwaige Unsicherheit wird mit dröhnender Techno-Musik betäubt. Nicht gerade ein Typ, in dem man einen feinsinnigen Konzertpianisten vermuten würde. Bis „Der wilde Schlag meines Herzens“ ihn trifft.

Wie er fortan den schmerzhaften Prozess der Selbstfindung, des Erwachsenwerdens und der Abnabelung von seinem Vater durchlebt und dabei eine der schönsten Liebesgeschichten der jüngsten Kino-Gegenwart erlebt, erfahren Kinobesucher am Dienstag, 8. November, ab 20 Uhr.

Regisseur Audiard, selbst angesehener Drehbuchautor, schrieb das Skript gemeinsam mit Top-Autor Tonino Benacquista nach der Vorlage von James Tobacks Spielfilm aus dem Jahr 1977 "Finger - Zärtlich und brutal". Überzeugend tritt der französische Shooting-Star Romain Duris ("Eine Affäre in Paris", "L’auberge espagnol - Barcelona für ein Jahr") in die Rolle, die dereinst Harvey Keitel verkörpert hat. Eindrucksvoll setzt Duris die Wandlung vom knallharten und arroganten Immobilienhändler zum geläuterten Pianisten in Szene und zieht mit seinem differenzierten Spiel den Zuschauer ganz in seinen Bann. In Frankreich mit knapp einer Million Besuchern erfolgreich angelaufen, sorgte der Coming-of-Age Thriller auch im Wettbewerb der Berlinale 2005 für Begeisterung.


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