Abschiedsrede für Heinrich Stommel
Von Wolfgang Gunia  [17.10.2015, 06.55 Uhr]

Sehr geehrter Herr Bürgermeister (noch ohne a.D.),

als Alterspräsident des Rates ergreife ich im Auftrag der Fraktion das Wort zu ein paar Abschiedsbemerkung an Sie nach 23 Jahren im Amt des Stadtdirektors und des Bürgermeisters. Nicht zu vergessen: Vorher waren Sie auch noch Technischer Beigeordneter. Da ist seit 1989 dem Rat angehöre, kann ich Ihre Amtszeit noch toppen und habe Sie in diesem Jahrzehnten in vielen Funktionen und Tätigkeiten kennengelernt.

Jeder in Jülich weiß, dass Sie aus Gelsenkirchen zu uns kamen und als Schalke-Fan. Im Moment geht’s ja wieder aufwärts. Die Jülicher haben sich an Sie gewöhnt und Sie sich an die Jülicher. Jülich ist Ihnen in dieser Zeit wohl ans Herz gewachsen und ich wage zu sagen: Jülich ist ein Heimt für Sie geworden. Und Sie werden dem Vernehmen nach Ihrem Jülich, dass Sie mitgestaltet haben, im Ruhestand treu bleiben. Als Fußballer brachten Sie eine wichtige Eigenschaft mit, die wichtig ist für einen Ratsvorsitzenden: Fair Play.

Auch wenn Sie nicht gerade als Freund der Parteien bekannt sind – für Sie sicher eine Beruhigung, dass Ihr Nachfolger auch kein Parteibuch hat – sind Sie mit Ihrem in seiner Zusammensetzung wechselnden Rat immer sachlich, geduldig umgegangen, haben uns informiert, soweit Sie selbst die die geforderten Informationen hatten. Oft habe ich Ihre Ruhe, Gelassenheit und den Überblick bewundert, wenn es mal hoch her ging und man auch mit Ihnen nicht immer zimperlich umging. Nie habe ich erlebt, dass Sie laut wurden, höchstens mal energisch, wenn es denn nötig war.

In Ihrer Amtszeit hat sich Jülich weiter entwickelt, an wichtigen Projekten haben Sie mitgewirkt, auch wenn nicht alle Blütenträume reiften. Aus Monte Mare, ein Projekt von Ihnen, wurde nichts, aber das Gewerbegebiet Königskamp ist jetzt gut gefüllt, der Solarturm erhält gerade eine weitere Anlage, das neue Gewerbegebiet auf der Merscher Höhe wird hoffentlich bald realisiert. Wohngebiete entstanden und für Schulbauten – Neubauten und Sanierungen – wurde sehr viel Geld ausgegeben. Gut angelegtes Geld. Unser Freibad wurde bestens saniert. Die Zusammenarbeit mit dem FZJ und FH läuft gut. Dass für Ihren Nachfolger auch noch viel zu tun bleibt, ist gut so, liegt aber auch an unserer Haushaltlage, die uns wenig Spielraum lässt.

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Offen zeigten Sie sich auch gegenüber neuen Formen der Arbeitsteilung und Verwaltung. GmbHs spielen inzwischen eine wichtige und überwiegend positive Rolle bei der Bewältigung kommunaler Aufgaben (SEG, Zweckverbände)

Wir sagen: Jülich hat sich in Ihrer Amtszeit positiv weiter entwickelt. Dafür danke ich Ihnen im Names des Rates.

Dem Bürger vor Ort werden Sie in guter Erinnerung bleiben als ein Bürgermeister, der viel vor Ort war. In ungezählten Karnevalsveranstaltungen waren Sie zu Gast, wohlgemerkt nicht im dunklen Anzug, sondern immer passend kostümiert. Als Rapper setzten Sie neue literarische Maßstäbe. Ihre ungezählten Ansprechen bei Einweihungen, Eröffnungen, Ehrungen, Gedenktagen usw bewiesen immer wieder: Da ist ein Bürgermeister, der sein Amt ernst nimmt, sich Mühe gibt, sich informiert, bevor er redet und nicht umgekehrt.
Ihr Arbeitspensum war gewaltig und oft sah man Sie mit Aktenpaketen Richtung Wohnung ziehen, wenn`s über Tag mal wieder nicht gereicht hat. Ob Ihre Frau da immer begeistert war mag dahin gestellt bleiben.

Ausblick: Am 21. Oktober geht in Jülich „Ära Stommel“ zu Ende, fast ein Vierteiljahrhundert, in der Sie die Arbeit in der Verwaltung, im Rat, in den Ausschüsssen mitgeprägt haben und die Stadt Jülich weiter entwickelt haben. Für diesen Einsatz danke ich Ihnen im Namen des Rates herzlich.

Und so ganz ohne sichtbares Zeichen unseres Dankes wollen wir Sie in Ihren Ruhestand, in die Zeit des Otium cum dignitate nicht ziehen lassen. Vielleicht sogar helfen, diese neue Freiheit zu gestalten. Zur Erhöhung Ihrer Mobilität, Sie sind ja nun zumindest was das Geburtstdatum angeht ein Senior, haben wir Stadtverordneten gesammelt, um einen Grundstein für ein E-Bike zu legen. Erkunden Sie Ihre Heimat in frischer Luft, mit maßvoller Bewegung, Dann werden Sie sich noch lange Ihrer neuen Heimat erfreuen, das wünschen wir Ihnen.


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