Absolventfeier auf dem Campus

Vom Studium in Jülich in die (Berufs-)Welt
Von Arne Schenk [02.11.2005, 14.49 Uhr]

Viele Diplomanden, viel Ehr: Bei der Absolventenfeier gab es nicht nur viel Lob und gute Wünsche für die Examinierten, sondern auch für die Dozenten.

Viele Diplomanden, viel Ehr: Bei der Absolventenfeier gab es nicht nur viel Lob und gute Wünsche für die Examinierten, sondern auch für die Dozenten.

Ist „Bachelorinnen“ die korrekte Form für weibliche Inhaber des Bachelor-Abschlusses. Und heißen Frauen mit einem Masterabschluss „Masterinnen“? Diese Fragen warf Prof. Dr. Manfred Schulte-Zurhausen, Rektor der Fachhochschule Aachen, am Freitag, 28. Oktober, im Auditorium des Standorts Jülichs auf. Diese Fragen müssen allerdings erst in den kommenden Jahren beantwortet werden, denn die diesjährigen Absolventinnen können sich noch getrost „Diplomantinnen“ nennen.

Doch dies stellte laut Prof. Schulte-Zurhausen nicht die einzige Hürde dar, die in Zukunft genommen werden muss. Zum Abschluss des Studiums in Jülich, wo es eine breite Palette an Ingenieurwissenschaften gäbe, gratulierte er zunächst herzlich, räumte aber im nächsten Atemzug mit dem Irrglauben auf, jetzt sei es „aus und vorbei mit dem Lernen“. Die Absolventen hätte sich lediglich ein Eintrittskarte für das Berufsleben erworben, allerdings eine hochwertige.

Mit der Grundlage, künftig den Lebensweg als Ingenieur zu bestreiten, sei die Pflicht verbunden, sich permanent weiterzubilden und so weiterhin technischen Herausforderungen zu stellen. Wer sich nun auf dem Erreichten ausruhen wolle, hätte ein anderes Studienfach wählen sollen, beispielsweise Latein. Da hätten sich in den letzten tausend Jahren keine wesentlichen Veränderungen ergeben. „Aber wer wollte das schon?“

Zudem gratulierte Dr. Manfred Schulte-Zurhausen dn Professoren und Mitarbeitern, die durch ihr Engagement geschafft haben, einen derart qualifizierten Nachwuchs hervorzubringen. Als Appell gab er den Nachwuchsingenieuren und –ingeneurinnen noch auf den Weg: „Werden Sie mobil, auch wenn Ihnen die Umgebung um Jülich gefällt.“

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Prof. Dr. Angelika Merschenz-Quack (l.) gratuliert Kim Hueh Teh zum DAAD-Preis 2005.

Prof. Dr. Angelika Merschenz-Quack (l.) gratuliert Kim Hueh Teh zum DAAD-Preis 2005.

Die Ehrenplaketten für die besten Absolventen werden am 18. November im Aachener Krönungssaal verteilt. Dann erhält auch Dr. Marcus Baumann, Professor für Biotechnologie, insbesondere Umweltbiotechnologie am Standort Jülich, den Lehrpreis der Fachhochschule. Die malaysische Studierende Kim Hueh Teh vom Studiengang Chemie am Standort Jülich erhält dort den DAAD (Deutscher Akademischer Auslandsdienst) Preis 2005. Dazu gratulierte ihr vorab die Dekanin des Standortes Jülich, Prof. Dr. Angelika Merschenz-Quack, mit einem Blumenstrauß.

Die Preisträgerin des DECHEMA-Preises 2005 der Max-Buchner-Forschungsstiftung, Katharina Hoffmann, bedankte sich per Brief für ihre Nominierung. Sie hätte die Entscheidung zwischen zwei Veranstaltungen treffen müssen und sich für den 80. Geburtstag ihrer Oma entschieden. Sonst seien immerhin 12,5 Prozent der Kleinfamilie nicht anwesend gewesen. Außerdem würden derartige Feste nicht mehr allzu häufig gefeiert. Die Diplom-Ingenieurin des Fachbereichs Biologie bat Prof. Dr. Gereon Elbers, den Preis für sie entgegen zu nehmen.

Eine wahre Odyssee an Arbeitsorten im In- und Ausland durchlief Diplom-Ingenieur Joachim Dobrinski, der sein Examen 1977 in Jülich ablegte. In seinem Festvortrag erinnerte er sich, dass auch 1977 die Zukunftsaussichten bei über einer Million Arbeitsloser und einer niedrigen Wachstumsrate von 2,6 Prozent nicht sehr rosig waren. Sein Weg führte ihn über Malaysia, Singapur, Iran, dem russischen Ural bis nach Stuttgart, wo er in den letzten zehn Jahren viele Jungingenieure eingestellt und beurteilt habe. Dabei hätte er häufig Aachener Absolventen zum Missfallen der Stuttgarter dem Vorrang gegeben, „bin dabei aber nie auf die Nase gefallen.“ „600.000 Ingenieure gibt es in der Bundesrepublik, und das ist viel zu wenig“, betonte er. Den frischen Absolventen riet er: „Lernen Sie, mit den Jobs zu ziehen.“
Ein Jahr in England verbracht hatte der Diplom-Elektroingenieur Heiko Himmler. Da er in der Regelstudienzeit sein Studium bis auf die Diplomarbeit geschafft hatte, konnte er Master und Diplom an der Coventry University bei Birmingham ablegen.

Mit einem Boot verglich der frisch gebackene Chemie-Ingenieur Karsten Aldenhoevel das Studium an der Fachhochschule. Die FH selbst sei die Werft, in der aus dem Rohmaterial, den Studenten, ein seetaugliches Schiff mit einem Rumpf gefüllt mit Fachwissen und einem leistungsstarken Motor mit der Fähigkeit, mit diesem Wissen Probleme zu lösen, um den Kurs in der harten stürmischen See, der Arbeitswelt, zu halten. Er dankte den Konstrukteuren, den Professoren, dafür, dass sie immer ansprechbar und bemüht seien, um auch die schwierigsten Sachverhalte den Studierenden näher zu bringen.

„Auf einem Schiff ist es auch wichtig, richtig zu essen und zu trinken“, unterstrich Prof. Dr. Klaus Brüssermann. Damit die Absolventenfeier auch mit einem Buffet versorgt wird, dafür sorgt der Förderverein „Gesellschaft der Freunde der Hochschule in Jülich (GFHJ). Damit Geld in deren Kasse kommt, warb Professor Brüssermann für Mitglieder. An die „FH-Zöglinge“, den ALUMNI, wandte sich Prof. Dr. Angelika Merschenz-Quack. Dieses Netzwerk pflegt den Kontakt zu aktiven und ehemaligen Studenten und bietet eine Palette von Angeboten von Jobportal bis zu Veranstaltungskalender. Dass die aktuellen Studierenden, aber auch Mitarbeiter und Professoren sich zudem für die Kultur einsetzen, beweist der Verein AAJ (Action & Art Jülich). Dieser organisiert auch für die musikalische Begleitung des Festaktes, den iranischen Studentinnen Mona und Mina Naderi und dem libanesischen Studenten Charbel Attieh. Sie arrangierten unter anderem mit Keyboard und den persischen Instrumenten Setar und Daf unter anderem ein 100 Jahre altes arabisches Lied neu.


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