Erstmals seit zehn Jahren verliehen

Jülicher Klippe für Mittagstisch im Bonhoefferhaus
Von Arne Schenk [02.09.2015, 20.41 Uhr]

Walburga Mertens fand stellvertretend für die Geehrten die passenden Dankesworte.

Walburga Mertens fand stellvertretend für die Geehrten die passenden Dankesworte.

„Diese Auszeichnung bestätigt uns in unserer sozialen und ehrenamtlichen Tätigkeit“, unterstrich Walburga Mertens vom Mittagstisch der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich anlässlich der Verleihung der Jülicher Klippe in der Schlosskapelle der Zitadelle. „Sie ist für unserer Team eine Anerkennung unserer Leistungen.“ Erstmals seit zehn Jahren wurde diese SPD-Auszeichnung wieder vergeben.

Zum für „ihr nachhaltiges soziales und ehrenamtliches Engagement“ ausgezeichneten Team gehören Elke Winkelbrandt, Rosemarie Schröder, Friedel Gerwin, Christiane Petrasek und Klaus Strobel. „Was wären wir ohne dieses ehrenamtliche Engagement?“, fragte Marco Maria Emunds, Vorsitzender der SPD Jülich. Deshalb sei es nach 18-jährigem Wirken des Mittagstisch nun Zeit, einmal „danke“ zu sagen. Künftig sei das Projekt auf junge Hilfe und Mitstreiter angewiesen: „Wenn die Klippe dazu beitragen kann, wäre dies sicher sehr hilfreich und willkommen.“

Nach fast zehnjähriger Ruhepause soll die von ursprünglich von 1997 bis 2006 verliehene Auszeichnung künftig in jährlichem Turnus für ehrenamtliches soziales Engagement von der SPD Jülich vergeben werden, und zwar stets am 1. September. Danach gab Emunds einen historischen Überblick über die Klippe, die als Notgeld aus Metallstreifen geschnitten wurde. Anschließend zog er das Fazit: „So oft die Herrscher auch wechselten, die Jülicher halten zusammen. Das ist vielleicht das größte Erbe der Stadt.“

An den 1. September 1939, als Hitler mit dem Überfall auf Polen die Shoah, den systematische Genozid nicht nur von Juden, vorbereitete, erinnerte Dietmar Nietan (MdB und Kreisvorsitzender der SPD) in seinen Grußworten. Dann zog er den Kreis zu dem evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der 1945 im KZ Flossenbürg ermordet wurde. Nicht an den Predigten oder der exegetischen Auslegung von Schriften bemesse sich das Christ-Sein, sondern am konkreten Tun, eben wie der Mensch der Welt begegne. Daran erinnere das Dietrich-Bonhoeffer-Haus, in dem die Ehrenamtlichen vom Mittagstisch ihre Arbeit verrichten.

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Elke Winkelbrandt, Rosemarie Schröder, Friedel Gerwin, Christiane Petrasek und Klaus Strobel bilden das Mittagstisch-Team.

Elke Winkelbrandt, Rosemarie Schröder, Friedel Gerwin, Christiane Petrasek und Klaus Strobel bilden das Mittagstisch-Team.

Damit Werte wie Demokratie oder Solidarität kein hohles Geschwätz seien, sei es gegenüber Flüchtlingen angebracht, Gastfreundschaft zeigen und ihnen menschlich zu begegnen. Dies sei eine Herausforderung und Aufgabe, die „jeden von uns erfordert, damit unsere Gesellschaft ein Stück menschlicher wird und menschlicher bleibt“.

Den Einsatz des Teams empfinde er mit dem höchsten Respekt, erklärte MdL und SPD-Landratskandidat Peter Münstermann: „Es ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält, die Basis unserer Gemeinschaft.“ „Die Institution, die Menschen haben es verdient“, betonte Elmar Fuchs, Vorsitzender der CDU Jülich. Es sei ein Engagement, das mit Parteipolitik nichts zu tun habe.

Obwohl laut dem ersten Paragraph des Grundgesetzes die Würde des Menschen unantastbar ist, sei dieses oberste Prinzip gesellschaftlichen Handelns schnell in Gefahr, unterstrich Frank Peter Ullrich, Bürgermeisterkandidat von SPD und CDU Jülich, der die Laudatio auf die Preisträger hielt. „Arbeitslosigkeit, Krankheit, Verlust des Partners kann in die soziale Armut treiben.“ Durch derartige Schicksalsschläge ließe sich leicht die Würde zu verlieren.

Hier setze das Engagement des Mittagstisches an. Jeden Montag um 12.30 Uhr gibt das Team konkrete Hilfe für rund 60 Menschen, egal ob Rentner, Obdachlose vom Schlossplatz oder wer gerne mit anderen Menschen zusammen sein möchte. Das Essen selbst ist kostenlos, allerdings wird für eine Spende gebeten. Jeder gibt so viel er kann oder mag. „Die Menschen, die hierhin kommen, sehen nicht die Unterschiede, sondern das Verbindende.“ Ullrich hoffte auf eine möglichst lange Weiterführung des Engagements.


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