Bernhard Hoecker im KuBa

Jülich: Eselsbrücken, Labrackel und der Schweigefuchs
Von Dorothée Schenk [14.09.2014, 13.29 Uhr]

Multimedial und perfekt abgestimmt auf den Auftrittsort: Bernhard Hoecker gibt sein Gastspiel in Jülich.

Multimedial und perfekt abgestimmt auf den Auftrittsort: Bernhard Hoecker gibt sein Gastspiel in Jülich.

Tierisch gute Laune verbreitete Comedian Bernhard Hoecker drei Stunden lang im Jülicher Kulturbahnhof zwischen "Schlammkröten für den Weltfrieden", dem Schweigefuchs als Erzfeind der Metaller und der Freude am Mischlingshund "Labrackel". Im Spiel mit dem Publikum war der Pfälzer in seinem Programm "netthamseshier" absolut nicht "genial daneben", sondern erwies sich als Blitzdenker und schlagfertiger Unterhalter.

Der Einstieg war eine Beleidigung: Als Eiterbeule von Düren bezeichnete Hoecker in seiner Anmoderation die Stadt Jülich und traf damit sofort den Nerv seiner Gäste. Die ließen sich aber gerne und sofort auf das Spiel zwischen Worten und Orten ein: Ob Titz, Puffendorf oder Geilenkirchen - bereitwillig bekannten sich die Zuschauer zu ihren Heimatorten und ernteten hierfür kindlich-erfreutes Gelächter. "Jetzt weiß ich auch, warum die Gegend weggebaggert wird", kringelte sich Hoecker vor Lachen. Böse sein konnte und wollte das Publikum ihm dennoch nicht, vielmehr geriet es hier erst richtig in Plauderlaune.

Als bekennender "Techi" gestaltete Bernhard Hoecker mit seinem allzeit präsenten "Tobi" an Mischpult und PC live die Facebook-Seite zur Veranstaltung. Mit einem - von einem Zuschauer geliehenen - Handy wurde das Saalfoto aufgenommen, sofort an Tobi gesendet und online gestellt. Den Titel "Schlammkröten für den Weltfrieden"steuerten zur Freude von Hoecker die Zuschauer bei. "Wie seid Ihr denn drauf…" amüsierte er sich. Manchmal war man sich nicht sicher, wer hier mehr Freude am Auftritt hatte: Der Künstler oder das Publikum.

Werbung

Im Stück "Meet & Greet" erklärt der Comedian, wie ein Star sich seinen Fans gegenüber zu verhalten hat.

Im Stück "Meet & Greet" erklärt der Comedian, wie ein Star sich seinen Fans gegenüber zu verhalten hat.

In die Absurditäten der sozialen Netzwerke, musikalisch über Eselsbrücke bis zum Futur III - "niemals abgeschlossene Zukunft wie ,der Flughafen Berlin wird fertig'" - und "Unperfekt" - "ich war hochbegabt" - begleitete Hoecker seine Gäste gepaart mit viel Selbstironie. Gerade dieses Zwischenspiel von Provokation, unmittelbarem Umgang mit den Menschen im Publikum und scheinbaren persönlichen Bekenntnissen schafften eine geschickte Bindung und wunderbare Atmosphäre. Als zutiefst menschlich kam der TV-Comedian (scheinbar) auf Augenhöhe zu seinem Publikum, etwa, wenn er als bekennender Metallfan vom enttäuschenden "Meet & Greet" mit der Kultband "Nightwish" erzählte, oder von seiner Freude darüber, bei der Band Edguy im Musikvideo "Robin Hood" mitzuspielen - auch wenn es als Lady Marian war. Dazu gibt es von Agnostiker Hoecker noch Nachhilfe in Bibelkunde, Ausflüge in die Evolution und Biologie.

Zwischendurch bleibt immer wieder Zeit zum Plaudern mit dem Publikum: Über Berufe, Liebesgeschichten, den Unterschied zwischen Hunden- und Katzen-Menschen - Hoecker ist eindeutig Hundemensch – und Hobbys. Er ist sich auch nicht zu schade, sich selbst "aufs Kreuz legen zu lassen". In einer spontanen Judo-Einlage mit einem "Metaller" aus dem Publikum, lässt er sich per Schulterwurf auf die Bretter legen und simuliert eine Zeitlupen-Kampfszene. Herrlich.

"Danke, dass Ihr die Verrückten in die ersten Reihen gesetzt habt", strahlt Bernhard Hoecker bei der Schlussmoderation und hängt gleich ein Jülich-Dankes-Lied an, in dem er alle Gesprächspartner und -Fetzen vom Grundschullehrer ohne Grammatik-Kenntnisse, über den Heiratsantrag der Frau an den Mann, Doktorarbeiten über ölverseuchte Böden bis zu den Schlammkröten noch einmal in einen Melodiebogen spannt. Beeindruckend.

Dass der fernseh-bekannte Hoecker "Meet & Greet" publikumsnah versteht, war nach dem Programm hautnah zu erleben: Ob Autogramm oder Foto-Wunsch, der Star war für sein Publikum zu Anfassen nah.

"Haben Sie noch eine Frage an mich?" ermutigte Bernhard Hoecker sein Publikum. "Wann kommen Sie wieder nach Jülich?" kam es prompt zurück. Mehr spontanes Lob geht nicht.


Dies ist mir was wert:    |   Artikel veschicken >>  |  Leserbrief zu diesem Artikel >>

NewsletterSchlagzeilen per RSS

© Copyright 2017 Presse- und KulturBüro Schenk + Schenk | Datenschutz

Das Brenzlicht

Mehr Zivilcourage
Es gehört Zivilcourage dazu, Kritik zu üben an einer Preisverleihung, die Zivilcourage auszeichnet und sich gegen das Vergessen der Greueltaten der Nazis positioniert. Toleranz – so die Namensergänzung der veranstaltenden Jülicher Gesellschaft – gehört dazu, um auszuhalten, wenn von vier zu Ehrenden drei als Nebenprodukt behandelt werden und der einzige, durchaus nicht unumstrittene Ausgezeichnete vom Laudator eine Würdigung erfährt, die nicht nur einige Menschen befremden dürfte.  [01.03.2017, 07.54 Uhr]  >>

Alle Brenzlichter >>

Top-Thema

Freiflug über die "Sophie"
Der Barmener Olaf Kiel ist begeisterter Pilot von Multi- und Quadrokoptern, landläufig auch als Drohnen bekannt. Zwei bis dreimal in der Woche startet er in die Jülicher Börde mit seinem großen Koffer im Gepäck. Gut geschützt liegt darin die in Einzelteile zerlegte Flugmaschine, denn erst vor Ort werden die Rotoren angeschraubt und die Kamera in die Lagerung, die so genannte Gimbal, eingehängt.  [08.04.2017, 07.42 Uhr]  >>

Rundum

Kreatives Lösungsmodell im Aldenhovener KIM-Prozess [09.04.2017, 14.00 Uhr]  >>
Düren: Den Umgang mit Demenz lernen [09.04.2017, 13.51 Uhr]  >>

Vereine

Lebendiges Geschichtsgedächtnis [09.04.2017, 14.51 Uhr]  >>
Bestehen unter des Meisters Augen [09.04.2017, 13.19 Uhr]  >>

Immer auf dem Laufenden



Newsletter >>

JüLicht auf Ihrer Site

Sie können unsere aktuellen Schlagzeilen auf Ihrer Website präsentieren - hier steht, wie >>.

Kontakt

Welches Anliegen Sie auch immer bewegt, über unser Kontaktformular >> können Sie mit uns in Verbindung treten.

Werbung