Der sensible Umgang mit den Finanzen
Von Arne Schenk [22.05.2014, 13.43 Uhr]

Es muss nicht immer das neuste Handy oder das T-Shirt mit dem gerade angesagten Schriftzug sein. Auch brauchen Spiele, Lebensmittel oder Kleidung nicht sofort weggeworfen werden, nur weil etwas fehlt, sie schmuddelig aussehen oder Flecken darauf sind. Häufig haben heutzutage Kinder allerdings keine Beziehung dazu, welchen Wert Dinge wirklich haben. Damit sie dies lernen haben die Schuldnerberatungen im Kreis Düren verschiedene praxisnahe Handlungskonzepte für Kindergärten und Schulen entwickelt. Wie erfolgreich diese sind, erzählten zwei Einrichtungsleiterinnen, als die Schuldnerberatungen ihren Jahresbericht dem Landrat und Vertretern des Kreises vorstellten.

Die Mitarbeiter der Schuldnerberatungen von Düren und Jülich übergaben im Beisein von Superintendent Jens Sannig (3.v.l.) den Jahresbericht 2013 an Landrat Wolfgang Spelthahn (r.).

Die Mitarbeiter der Schuldnerberatungen von Düren und Jülich übergaben im Beisein von Superintendent Jens Sannig (3.v.l.) den Jahresbericht 2013 an Landrat Wolfgang Spelthahn (r.).

Auf Prävention lag der Schwerpunkt der Beratungsarbeit, erläuterte Claudia Ritter von der Schuldnerberatung des Evangelischen Kirchengemeinde Jülich. So seien acht neuen Ehrenamtler gewonnen worden, um auf ihren Einsatz mit Unterrichtsreihen in den Klassen 8 bis 10 der Schulen sowie in den Familienzentren vorbereitet zu werden.

„Kreislauf des Geldes“ lautet ein Projekt für Vorschulkinder, wie es auch im Familienzentrum Inden, das einen Kooperationsvertrag mit der Schuldnerberatungsstelle pflegt, angegangen wurde. Dabei wird auch als Thema behandelt, ab wann und wie viel Taschengeld die Kids erhalten sollen.

Die „Fraktion der Prinzeneltern“ würde immer stärker, resümierte die Indener Einrichtungsleiterin Monika Bohnen. Dies sind Eltern, die sich schwer tun, den eigenen Kindern Grenzen zu setzen. Auch wenn das Geld knapp ist, versuchen sie, die Wünsche des Nachwuchses zu erfüllen. So fließen durchaus 300 Euro in die Ausrichtung des Kindergeburtstages, dafür wird der eigene Geburtstag überhaupt nicht mehr gefeiert.

Spielerisch sich mit dem Thema „Geld“ zu befassen, unternahm auch das Familienzentrum Heilig Kreuz in Wollersheim gemeinsam mit Kindern und ihren Eltern. „Wir haben festgestellt, dass unsere eigene Einstellung als Vorbild ganz wichtig ist“, betonte Leiterin Marlene Lennartz. Da die Kinder im Überfluss groß geworden seien, müssten sie erst einmal für den Umgang mit Geld sensibilisiert werden. Dabei liefen viele Wege über die Eltern zu deren Nachwuchs.

Die Arbeit der Schuldnerberatung habe auch statistisch nicht an Wert verloren, hob Wolfgang Stobbe von der Schulden- und Insolvenzberatung der Evangelischen Gemeinde zu Düren hervor. Mit 1806 Ratsuchenden sei die Nachfrage im Grunde gleich groß wie im Jahr zuvor. Die Hauptüberschuldungsgründe seien vornehmlich Arbeitslosigkeit und mangelnde Kenntnisse im Umgang mit Geld. Dies im Zusammenhang einem „undurchschaubaren Dschungel an Finanzprodukten“ und einer „aggressiven Werbung, Geld auszugeben“ mache deutlich, wie wichtig die Prävention sei.

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Generell führten einschneidende Lebensveränderungen durch Trennung oder gar Scheidung, Krankheit, Sucht, Unfall oder eben Arbeitslosigkeit oftmals in den Weg der Insolvenz. 915 Menschen informierten sich zu diesem Thema, eröffnet wurden 305 Verfahren. Knapp 50 Prozent der Ratsuchenden lebt von Arbeitslosengeld 2.

Auch die Energiearmut würde im Kreis Düren zum immer größeren Problem, ergänzte Stefanie Richter von der Schuldnerberatung / Insolvenzberatung des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Jülich. So steige auf der einen Seite die Energiepreise, während auf der anderen das Einkommen der Haushalte sich verringere. So können offenbar viele Menschen die Nachzahlungen nicht mehr leisten. 2013 lagen immerhin in 107 Fällen bei den jeweils aktuellen Energieanbietern Schulden vor. Trotz Verhandlungen sei die Praxis der Liefersperren immer noch recht hoch.

Die aufopferungsvolle und intensive Arbeit der Beteiligten lobte Landrat Wolfgang Spelthahn. Wichtig sei es zu überlegen: „Wo können wir lindern, Ansätze für die Probleme finden?“ Diese Arbeit sei mit Ehrenamtlichen allein nicht zu leisten. „Hauptamtlichkeit ist unverzichtbar.“ Gleichzeitig warb er für das Ehrenamt, deren Beteiligung ebenfalls einen wichtigen Wert habe. Letztendlich wolle er „alles Mögliche tun, damit diese Arbeit vernünftig fortgeführt werden kann.“

Abschließend wies der Dürener evangelische Pfarrer Martin Gaevert auf ein „nachdenkliches Jubiläum“ hin: 20 Jahre Schuldner- und Insolvenzberatung. Begangen soll es unter anderem am 17. September, 13 Uhr, bei der Evangelischen Kirche in Düren.


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