Jülicher Atmosphärenforscher vermessen hessischen Kurstadt
Von Redaktion [26.04.2014, 07.39 Uhr]

Prof. Andreas Wahner (links) vom Institut für Energie- und Klimaforschung erläuterte Oberbürgermeister Michael Korwisi, welche Messungen mit dem Jülicher mobilen Messlabor "Mobilab" in Bad Homburg vorgenommen werden.

Prof. Andreas Wahner (links) vom Institut für Energie- und Klimaforschung erläuterte Oberbürgermeister Michael Korwisi, welche Messungen mit dem Jülicher mobilen Messlabor "Mobilab" in Bad Homburg vorgenommen werden.

Wie ist es um die Luft in Bad Homburg bestellt? Das möchte die Stadt erfahren und hat deswegen das Forschungszentrum Jülich mit Messungen beauftragt. Wissenschaftler des Instituts für Energie- und Klimaforschung untersuchen die Luft im gesamten Stadtgebiet und in den Randbereichen. Im Zentrum stehen dabei Stickstoffdioxid und die Belastung mit Feinstaub, die der Kurstadt Probleme bereiten. Die umfangreichen Ergebnisse der Messungen und die Auswertungen werden voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen.

Messungen des Deutschen Wetterdienstes hatten unter anderem gezeigt, dass in Bad Homburg Stickstoffdioxid über dem Grenzwert von 18 Mikrogramm pro Kubikmeter liegt. Bleibt der Wert so hoch, könnte eine Zertifizierung in der höchsten Heilbad-Kategorie nicht mehr erfolgen. Die Stadt will ausschließen, dass Grenzwerte erneut überschritten werden. Die Jülicher Forscher sollen deshalb unter anderem auch mit neuen Modellen klären, woher und in welcher Menge – auch aus dem Umland – die Luftschadstoffe in der Stadt stammen. "Wir erhoffen uns, anhand der neuen Daten die Ursachen für die Schadstoffbelastung deutlicher zu erkennen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen entwickeln zu können", erklärte Oberbürgermeister Michael Korwisi.

Die Untersuchungen haben bereits im Februar begonnen und sind bis Juli 2014 geplant. Die Jülicher Wissenschaftler Dr. Dieter Klemp und Dr. Christian Ehlers setzen dazu stationär am Kurpark einen Mess-Lkw ein. Ausgestattet mit einer Vielzahl von Instrumenten, sammelt er zum einen meteorologische Daten: Temperatur, Windrichtung und -geschwindigkeit sowie die Strahlungsintensität der Sonne. Zum anderen werden Treibhausgase wie Stickoxide, Ozon und Kohlendioxid gemessen, außerdem die Feinstaubbelastung und der darin enthaltene Beitrag von Dieselruß. Dieser wird mit einem patentierten gaschromatografischen Verfahren ermittelt, das in Jülich entwickelt wurde.

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Um den Zustrom der Luftmassen in die Stadt zu messen und ihre Rolle hinsichtlich der Luftbelastungen zu klären, gibt es Messungen in den Randbereichen von Bad Homburg. Dazu dient "Mobilab", ein mobiles Labor mit Messgeräten, die in einem Kleintransporter untergebracht sind.

"Mobilab" wird zudem dafür genutzt, an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet die Schadstoffbelastung der Luft zu ermitteln, die der Straßenverkehr verursacht. Dabei bildet die Umgebung des Kurparks einen Schwerpunkt – sie ist auch Schauplatz für spezielle Tests: Straßen werden rund um den Kurpark kurz gesperrt, dann werden mobil und stationär Stickoxide und Feinstaub gemessen. Die Ergebnisse vergleichen die Wissenschaftler anschließend mit den Werten, die zuvor im alltäglichen Straßenverkehr gewonnen wurden. Der genaue Zeitpunkt der Tests wird noch festgelegt.

"Die bisherigen Messungen zeigen, dass die wesentliche Ursache für die Schadstoffbelastung der Luft in Bad Homburg der Straßenverkehr ist", zog Prof. Andreas Wahner, Direktor des Jülicher Instituts, eine erste Bilanz. So wurden besonders hohe Werte an Stickoxiden und Feinstaub im Berufsverkehr am Morgen und Nachmittag gemessen. Außerdem machten Rußpartikel 20 bis 30 Prozent des ermittelten Feinstaubs aus. Dafür gibt es laut Wahner zwei Hauptursachen: zum einen der Hausbrand, also Heizungen und offene Kamine, zum anderen den Verkehr. "Ein Teil der Partikel kommt von kleineren Diesel-Lkw oder Transportern, die keinen Rußfilter haben", erläuterte der Jülicher Wissenschaftler.

Die Messergebnisse fließen mit in Simulationen der Schadstoffbelastung ein, die auch die komplizierte Lage im Ballungsraum Rhein-Main mit einer Vielzahl emissionsstarker Zonen berücksichtigen. Die Simulationen sollen zum einen zeigen, wie sich die Luftqualität in 7 und in 20 Jahren darstellt, wenn alles so bleibt wie es heute ist. Zum anderen lässt sich mit ihrer Hilfe darstellen, welche Auswirkungen einzelne Projekte wie verkehrslenkende Maßnahmen oder die Umstellung von Heizungen in Bad Homburg haben könnten.


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