Die Heilung des Zauberbaums
Von Arne Schenk [31.07.2013, 14.10 Uhr]

„Aufgepasst und 1, 2, 3 – Hexenzauber macht dich frei!“ Mit dem passenden Spruch wird der kränkelnde Zauberbaum wieder gesund. Doch wie kommen die Helfer an die Zauberformeln? Diese Aufgabe galt es für die Teilnehmer der diesjährigen Ferienspiele in der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich zu lösen.

Mit Feenstaub geht die Heilung bestimmt viel schneller.

Mit Feenstaub geht die Heilung bestimmt viel schneller.

Überall wuselten im Dietrich-Bonhoeffer-Haus grün gewandete Waldbewohner herum, holten sich Rat bei Zwerg, Bär, Eichhörnchen, Feen oder den beiden Baumhütern Matti Schurr (20 Jahre) und Marius Reuter (17), die als ständige Begleiter das offene Spiel mit lockeren Zügeln und lockeren Sprüchen behutsam immer wieder in die richtigen Bahnen führten. Alle Beteiligten identifizierten sich völlig mit dem Geschehen, so dass die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit immer wieder verschwammen.

„Es ist herrlich zu sehen, wie die Kinder darin aufgehen und anschließend ihren Eltern erzählen, was passiert ist“, erzählte Tobias Storms, Leiter des Kinder- und Jugendtreffs der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich. „Da geht einem das Herz auf.“ Neben 61 Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren waren auch 25 Ehrenamtliche vor Ort, darunter die Mütter Almut Wolff und Birgit Krebs, deren Kinder allerdings schon längst nicht mehr zum Zielpublikum gehörten, teilweise aber als Teamer die Spiele vor Ort begleiteten.

„Ohne Almut gäbe es die Spiele nicht“, unterstrich Tobias Storms. Denn seit 14 Jahren ist die 47-Jährige bereits mit an Bord, denkt sich immer wieder neue Themen aus und hilft kräftig bei der Umsetzung. Eigentlich sei sie nicht sehr kreativ und könne nicht besonders gut schauspielern, bemerkte Almut Wolff bescheiden, sie sorge nur für den roten Faden, der dann von den Teilnehmern mit Leben gefüllt würde, wodurch sie dann in das Fantasiereich reisten. Dabei verglich sie sich mit einem Faden eines Mobiles, das alle anderen Teile nach sich zöge. Sicherlich eine leichte Untertreibung.

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Almut Wolff fühlt sich auch mittendrin sichtlich wohl.

Almut Wolff fühlt sich auch mittendrin sichtlich wohl.

„Der Baum wird hoffentlich gesund...“ Mit geheimnisvoller Miene schaute sie wie der Prototyp des lebendig gewordenen Waldgeistes dem unbeteiligten Betrachter entgegen. So ähnlich wird sie wohl die Vorstellungskraft angefacht und beflügelt haben, damit andere ihre Ideen übernehmen konnten. Wer Fantasie und Spontaneität viel Raum gibt und das eigene Engagement der Beteiligten fördern möchte, muss eben alles sehr gut vorbereitet haben. Beim Zauberbaumlied sang Almut Wolff dann auch leidenschaftlich mit. Sie kennt den Text bestens, schließlich hat sie ihn selbst geschrieben.

Doch vor der Baumheilung gab es allerlei zu tun und zu entdecken. Bevor die Kinder in die Höhle des Zauberbaums steigen konnten, mussten sie mit grün gefärbten und dann bunt bemalten T-Shirts selbst zu Waldbewohnern werden. Danach führte sie die Suche nach dem vollständigen Zauberspruch zu Fuß in das Feenland des Brückenkopf-Parks, auf Fahrrädern in das entlegene Tal des (Hambacher) Zauberwaldes und mit dem Bus in den Riesengarten des Naturschutzhofes Nettetal. Von überall her brachten sie Teile der Formel mit. Während der Baum nach der Verlesung des vollständigen Spruches sich ausruhte, erfüllten die Kinder im Wallgraben noch verschiedene Aufgaben bei Teebeutelweitwurf, Dreibeinlauf und Wasserbombenzielscheibenwerfen, ehe das große Abschlussfest anstand.

Nach einer Morgenandacht war der Zauberspuk im Bonhoeffer-Haus am Samstagmittag vorbei. „Es ist eine der anstrengendsten Wochen im Jahr“, bekräftigte Storms den immensen Aufwand, „aber sie gibt auch viel zurück.“ Dies fühlten offenbar auch die ehrenamtlichen Helfer, die sich jeden Tag trotz Ferien bemühten, pünktlich um 7.30 Uhr auf der Matte zu stehen. Da freute es Almut, dass sich die ganzen Bemühungen offenbar spielend tragen. Stets waren die Ferienspiele restlos ausgebucht, obwohl nicht einmal groß Werbung dafür gemacht worden sei.


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