Jülicher fliegen mit Pegasos zum Polarkreis
Von Redaktion [13.04.2013, 16.42 Uhr]

Ab Mitte April fliegt der Zeppelin NT wieder im Dienst der Klimaforschung – diesmal bis nach Finnland. Jülicher Wissenschaftler starten den zweiten Teil ihrer Messkampagne im Rahmen des EU-Großforschungsprojekts PEGASOS, in dem 26 Partner aus 14 europäischen Staaten sowie Israel Zusammenhänge zwischen Atmosphärenchemie und Klimawandel erforschen. Derzeit laufen der Umbau des Luftschiffes vom Passagier- zum Forschungszeppelin und erste Testflüge mit Messgeräten in Friedrichshafen.

Voraussichtlich am Montag, 15. April, wird der Zeppelin NT zu seiner gut zweimonatigen Reise aufbrechen. Das Ziel: Hyytiälä in Finnland. Von dort aus sind weitere Expeditionen geplant – wenn möglich bis zum Polarkreis. Drei verschiedene Sets von Messinstrumenten werden dabei wieder zum Einsatz kommen. Sie erfassen vor allem Daten zu zwei Akteuren in den bodennahen Luftschichten: dem sogenannten Hydroxylradikal (OH-Radikal), das "Waschmittel" der Atmosphäre, und den sogenannten Aerosolen, kleinen Schwebeteilchen. Daten zu deren Entstehung und ihrer Mitwirkung im Klimageschehen sollen unter anderem Aufschluss über die Selbstreinigungskraft der Atmosphäre geben.

Bereits der erste Teil der Kampagne im Jahr 2012 hat neue Erkenntnisse zur OH-Radikal- und Aerosolbildung geliefert – insbesondere zu welcher Tageszeit und in welchen Höhen bestimmte Prozesse ablaufen. Vergangenen Frühsommer war der Zeppelin NT zwei Wochen in den Niederlanden in der Region um Amsterdam unterwegs, anschließend flog er Richtung Adriaküste.

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Dort untersuchten die Forscher einen knappen Monat rund um Ozzano bei Bologna (Italien) die Luftqualität im Mittelmeerraum. In allen Teilen der Kampagne waren und werden sowohl die Routen der Mission als auch die Messplätze auf bestehende Bodenmessstationen abgestimmt. Die Forscher können dadurch Daten aus dem Flug direkt mit ortsgebundenen Messungen vergleichen.

Der Zeppelin ergänzt dank seiner einzigartigen Flugeigenschaften die Daten von Bodenstationen und aus Flugzeugen perfekt. Denn er kann in der sogenannten planetarischen Grenzschicht fliegen, in bis zu 2000 Metern Höhe. In dieser bisher wenig untersuchten, aber chemisch sehr reaktiven Region entscheidet sich das Schicksal der meisten Schadstoffe, die an der Erdoberfläche ausgestoßen werden. Informationen darüber sind daher notwendig, um atmosphärische Prozesse detailliert zu verstehen und Modellvorstellungen zu überprüfen. Der Zeppelin NT kann in dieser Höhe langsam schweben, in der Luft anhalten, vertikal auf- und absteigen und bis zu 24 Stunden fliegen. Während der aktuellen Kampagne transportiert er dabei über eine Tonne schweres Messgerät, das mit Unterstützung des BMBF entwickelt wurde.

Die Zeppelinmission ist Teil des EU-Projekts PEGASOS (Pan-European-Gas-AeroSOl-Climate Interaction Study), das von der Europäischen Kommission im siebten Forschungsrahmenprogramm gefördert wird. Die Kampagne will den Einfluss der Atmosphärenchemie auf den Klimawandel messen und die entscheidenden Prozesse klären. Die Ergebnisse sollen wissenschaftliche Grundlagen liefern, um EU-weite Maßnahmen zum Klimaschutz zu ermitteln, also die Verbesserung der Luftqualität unter der Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf den Klimawandel. Auch für die weltweite Klimapolitik werden die Untersuchungen zur Verfügung stehen, da Projektpartner auch in die Arbeit des Klimarats der Vereinten Nationen (IPCC) eingebunden sind.


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