Sozialprojekt wächst aus dem Weltjugendtag

Jülicher MGJ fahren Sommer 2006 nach Kenia
Von Redaktion [02.09.2005, 12.40 Uhr]

Eine Woche nach dem Weltjugendtag schmückten noch die Fahnen das Mädchengymnasium Jülich und erinnerten an bewegte und unvergessliche Tage. Inzwischen ist auch die letzte Gastgruppe in ihr Heimatland zurückgekehrt. Rückblickend sind Schülerinnen und Lehrer weit mehr als nur rundum zufrieden. "Es war ein großes, einmaliges und ganz außergewöhnliches Geschenk", so Oberstudiendirektorin Ines Nagelschmitz. "Gäste sind ein Segen. - Genau das haben wir erlebt."

Bei Lehrern und Schülern, die sich etwa im Frühstücksteam engagierten, klingelte während des Weltjugendtages der Wecker meist schon kurz nach fünf. Gleich am ersten Tag sprang wegen einer Panne ein Vater ein und stand Punkt sechs Uhr mit 140 frischen Brötchen "auf der Matte". Und von da an jeden Morgen! Ab 6.30 Uhr verlockte dann ein herrliches von emsigen Schülerhänden vorbereitetes Buffet die etwa 140 in Turn- und Gymnastikhalle untergebrachten Gäste, eine solide Grundlage für das zu schaffen, was da noch kommen würde.

"Die Stimmung war fantastisch", so Melanie vom Frühstücksteam. "Kritisches kann ich gar nicht berichten." Lutz Terodde, Lehrer für Französisch und Geschichte: "Wir haben etwas erlebt, was uns sonst völlig fremd ist: Die Schülerinnen waren immer gut gelaunt und ohne Ausnahme voll bei der Sache." Besonders positiv ist ihm aufgefallen, dass sich die Schülerinnen und ihre Gäste gegenseitig "hochgeschaukelt" haben: "Die haben sich gegenseitig angesteckt."

Das wurde bei der Verabschiedung noch einmal deutlich, als sich etwa die 18-jährige Patricia aus Paraguay bedankt: "Das Programm des Weltjugendtages war sehr anstrengend", erklärt sie. "Aber als ich dann wieder bei euch in der Schule war, war ich wie zu Hause." Und der 17-jährigen Dorothy aus Kenia stehen die Tränen in den Augen, als sie ihre neuen Freundinnen ein letztes Mal umarmt: "Verliert bitte nie euer warmes Lächeln. Eurer Güte und Großzügigkeit nehme ich mit nach Kenia. Ich habe so viel von euch gelernt!"

Die Gegenseitigkeit drückt dann Mareike (Abitur 2004) aus, die sich als eine der Ehemaligen des MGJ besonders der Gruppe aus Kenia angenommen hatte: "Die Tage mit den Kenianern waren einmalig. Mit ihnen ist wirklich eine ganz besondere Freundschaft entstanden." Und Natalie fügt mit leuchtenden Augen hinzu: "Die waren alle total freundlich und immer gut gelaunt. Die sind immer auf uns zugegangen und wollten uns immer beim Spülen helfen."

Den Tag selber verbrachten Gäste und Gastgeber in größeren oder auch kleineren Gruppen an den Orten des Weltjugendtages in Köln und Umgebung.

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Früh aufstehen hieß es für das Frühstücks-Team des Mädchengymnasiums.

Früh aufstehen hieß es für das Frühstücks-Team des Mädchengymnasiums.

Als Kirstin und Laura (Jahrgangsstufe 12) die Atmosphäre auf der Kölner Domplatte beschreiben wollen, suchen sie vergeblich nach passenden Worten. Dafür steht ihnen die Begeisterung ins Gesicht geschrieben und man spürt: Selbst Worte wie "unvergesslich, ergreifend ..." können ihre Eindrücke und Erlebnisse nicht wirklich ausdrücken und wiedergeben. Auch Julia aus der Parallelklasse ist "einfach überwältigt von diesen Erfahrungen."

Zugleich blieb vieles Überraschende und Unerwartete aber auch ganz konkret. "Die sind mit einem echt religiösen Interesse nach hier gekommen", berichtet Katrin. "Die wollten dann sogar den Rosenkranz auf deutsch lernen." Etwas verlegen fügt sie hinzu: "Da bin ich schnell in die Schulkapelle und hab im Gotteslob gesucht."

Auf die inhaltliche Seite des Weltjugendtages angesprochen weist Dr. Volker Hildebrandt, einer der Religionslehrer und Schulseelsorger am Mädchengymnasium, auf die vielen Anbetungsstunden und zahlreichen Beichten hin, sowohl in der Schulkapelle wie in den Kölner Messehallen und auf dem Marienfeld. "Wenn sie die vielen jungen Menschen sehen, die vor Jesus in der Hostie niederknien, und wenn sie nach drei Stunden Beichtgesprächen mit jungen Menschen, non-stop in vier verschiedenen Sprachen - überraschend oft auch auf deutsch, ihren Posten für den nächsten Priester frei machen, dann bestehen über die wahre Ursache der jugendliche Frische und Freude dieser Weltjugendtage keine Zweifel mehr." Für den Priester und Theologen kann nur Jesus Christus den Menschen zu dem befreien und erlösen, wer er in Wirklichkeit ist und was er in der Tiefe seines Herzens wünscht und möchte. "Wegen unserer Schwächen, Dummheiten und Fehler stehen wir uns da immer wieder im Wege. Jesus Christus befreit davon und führt zurück auf den wahren und guten Weg. Das macht froh."

Die Gäste aus Kenia blieben noch einige Tage länger. So feierten sie die erste Schulmesse im neuen Schuljahr zusammen mit noch vielen anderen Schülerinnen des MGJ mit. In ihre bunten Gewänder und Trachten gekleidet konnte sich niemand der Faszination ihres rhythmischen Gesanges und ihrer innigen und gesammelten Teilnahme am Heiligen Geschehen entziehen.

"Walapa Germany" (suaheli und englisch: 'Großer Dank an Deutschland') und "Germany: You are a bomb" steht auf dem großen Plakat mit den Unterschriften der 140 Gäste aus Belgien, Italien, Spanien, Kenia, Paraguay und Uganda. Als die 15-jährige Jane auf dieses Plakat schrieb: "Come to Kenia", ahnte weder sie noch sonst jemand, was schon wenige Tage später konkrete Gestalt annahm: Ein Sozialprojekt des Mädchengymnasium im nächsten Sommer in den Slums von Nairobi im Geist des Weltjugendtages.

"Dann werden wir Gäste unserer Gäste sein. Sie wollen in Nairobi für uns alles so vorbereiten, dass wir etwas für die Kinder in den Slums tun können und sich auch selber mit daran beteiligen", freut sich Julia (Abitur 2004), die dann auf jeden Fall wieder mit dabei sein möchte.


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