Gesundheitsverbund Jülicher Land ruft zur Impfung auf
Von Redaktion [11.09.2012, 12.42 Uhr]

Berufsverbände rufen zu besonderer Vorsicht bei Reisen nach Spanien, Frankreich und Großbritannien auf. Besonders in der Region um Alicante, im Gebiet Rhone-Alpes sowie in Wales und Nordwest-England wurden jeweils mehrere hundert Fälle von Masern gemeldet. Gleiches gilt für etliche osteuropäische Staaten. „Masern verbreiten sich über die Luft und man ist bereits hochansteckend, ehe man bei sich selbst Symptome bemerkt. Es besteht also die Gefahr, die Krankheit nach Deutschland einzuschleppen“, erklärt Dr. H. Koenen, Vorstandsvorsitzender der Ärztegenossenschaft Gesundheitsverbund Jülicher Land (GVJL).

Im GVJL haben sich rund 100 Ärzte aller Fachrichtungen, die Krankenhäuser, die Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten, sowie Psychotherapeuten aus den Regionen Jülich, Linnich, Aldenhoven, Niederzier, Brachelen und Titz zusammengeschlossen. Ziel der Genossenschaft ist es, die wohnortnahe Gesundheitsversorgung durch freie Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten und Heilmittelerbringer dauerhaft sicherzustellen und die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu optimieren, so der Verbund.

„Doch nicht nur Auslandsreisen erfordern Impfschutz, auch hierzulande gelten Masern, und andere Infektionskrankheiten, wie Röteln, Keuchhusten, Windpocken für viele immer noch als Bagatellerkrankungen. Aber nicht nur Kinder sollten geimpft werden, gerade im höheren Alter steigt mit sinkendem Impfschutz wieder die Infektionsgefahr, was leider nur wenigen bekannt oder bewusst ist.“

Vom 17. bis 21. September rufen die niedergelassenen Mediziner im Jülicher Land daher besonders Erwachsene dazu auf, ihren Impfschutz aufzufrischen. Gleichzeitig machen sich die Ärzte der Region auch in den eigenen Reihen für mehr Aufmerksamkeit zum Thema stark: „Ein Blick in den Impfpass ist für den Arzt im Normalfall Routine“, sagt Koenen. Das gelte speziell für Haus- und Kinderärzte, die ihre Patienten meist über Jahre hinweg kennen, und ebenso für Gynäkologen. Sie sind für Frauen zwischen 14 und 44 Jahren der meist kontaktierte medizinische Ansprechpartner.

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Seit 2007 sind Impfungen, die von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut, empfohlen werden, Regelleistungen der Gesetzlichen Krankenversicherungen. Dazu gehören auch Auffrischungen, denn, wie bereits gesagt, der durch Impfung oder Erkrankung aufgebaute Schutz hält nur selten lebenslang. Besonderes Gewicht legen die Ärzte in ihrer Impfwoche auf die MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln-Kombination) sowie die Impfung gegen Keuchhusten. Die sogenannten Kinderkrankheiten haben den Ruf, „kinderleicht“ überwunden zu werden. Doch weder für Erwachsene noch für Kinder trifft das zu.

Mit höherem Alter steigt die Zahl der Komplikationen bei Masern. Lungen-, Augen- oder Hirnentzündungen können die Folge sein. Keuchhusten verläuft zwar milder, manchmal sogar unbemerkt bei Erwachsenen. Allerdings sind sie es, die die Kleinsten stark gefährden. Oft stecken Familienmitglieder die Säuglinge an. Gegen Keuchhusten besitzen diese keinen von der Mutter übertragenen Nestschutz und in den ersten Lebenswochen sind sie noch nicht geimpft. Atemstörungen, bleibende Schäden und im schlimmsten Fall der Tod sind mögliche Folgen. Masern gefährden die Kleinkinder ebenfalls. Eine gefürchtete Spätfolge ist SSPE (subakute sklerotisierende Panenzephalitis), eine Maserninfektion des Zentralen Nervensystems. Die Kinder zeigen Jahre nach der Ansteckung zunächst demenzielle Symptome, bauen körperlich vollkommen ab und sterben schließlich an dieser schrecklichen Krankheit.

Immer wieder mahnt die UN-Weltgesundheitsorganisation WHO (World Health Organisation) speziell in verschiedenen europäischen Ländern den verstärkten Einsatz gegen Infektionskrankheiten an. Sie hat sich das Ziel gesetzt, bis 2015 die Masern auszurotten. Dafür müsste eine Rate von 95 Prozent wirksam Geimpfter in der Gesamtbevölkerung erreicht werden. Doch in Deutschland liegt die Quote bei 90,2 Prozent. Statt der 1068 Fälle von Masern im vergangenen Jahr, hätten es maximal 85 sein dürfen, um Deutschland nach den Regeln der WHO als masernfrei zu bezeichnen.


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