Spannung in der Schullandschaft

Jülicher Gymnasien bereiten sich auf Neuerungen vor
Von Dorothée Schenk [18.08.2005, 16.32 Uhr]

Wer jetzt aufs Gymnasium kommt, kann nach 12 Jahren sein Abitur in der Tasche haben. Foto: Maximilian Jankowski

Wer jetzt aufs Gymnasium kommt, kann nach 12 Jahren sein Abitur in der Tasche haben. Foto: Maximilian Jankowski

Es ist Vieles in Bewegung – das führt anderenorts zuweilen zum Erstarren. Vor Staunen und auch Entsetzung. Die Änderungen in der Schullandschaft, die auf Eltern, Lehrer und Schüler zukommen sind beträchtlich. Dabei denkt man beim Schuljahr 2005/06 zunächst an die Offene Ganztagsgrundschule oder an die Flexible Schuleingangsphase der Grundschulen. Über den Schulabschluss nach 12 Jahren wird nicht halb so viel diskutiert. Dabei hat dieser weitreichende Auswirkungen – und das sind nicht die einzigen Änderungen.

Bereits seit längerem können Schüler an Haus Overbach nach 12 Jahren ihr Abitur machen: „Zweimal besteht während der Schullaufbahn die Möglichkeit, zu verkürzen“, erläutert der stellvertretende Schulleiter Lothar Hesse. Und zwar können Klasse 8 und 11 übersprungen werden. Die Änderung zum 12-jährigen Ausbildungsgang beschäftigen daher Haus Overbach weniger. Ihr Augenmerk gilt den neuen Voraussetzungen, mit denen die Fünfklässler ins Jahr 2005/06 starten: „Zum ersten Mal haben wir Klassen, die bereits in der Grundschule Englisch gehabt haben“, so Hesse. Daher gibt es neben der Möglichkeit, mit Englisch anzufangen, „Latein +“ – Englisch nämlich. Von Anfang an wird zweisprachig gelernt. Wer einsprachig mit Englisch beginnt, bekommt bereits in Klasse 6 die zweite Fremdsprache dazu, ab Klasse 8 folgt die dritte Sprache. „Die Veränderungen durch die verkürzte Schulzeit nehmen erst dann an Bedeutung zu, auch wenn wir jetzt schon die Weichen stellen.“

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Für Lehrer und Schüler gibt es im Schuljahr 2005/06 allerlei Neuerungen. Foto: Maximilian Jankowski

Für Lehrer und Schüler gibt es im Schuljahr 2005/06 allerlei Neuerungen. Foto: Maximilian Jankowski

Auch Peter J. Reichard treiben andere Sorgen um, als der Schulabschluss nach 12 Jahren. Fast 180 Schüler werden neu an das Gymnasium Zitadelle kommen und damit die Gesamtzahl um rund fünf Prozent heben. Probleme mit der Lehrerversorgung und der neuen „Stundentafel“, die unter anderem Unterrichtseinheiten festschreibt, kommen hinzu. Bislang war eine gewisse Flexibilität möglich, wie Reichard erläutert, so dass eine Stunde in der Woche der Klassenlehrer zur so genannten „Ordinariatsstunde“ zur Verfügung hatte. Darauf führt der Schulleiter zurück, dass es in 15 Jahren nur 12 Disziplinarkonferenzen gab – „das ist außergewöhnlich“. Außerdem greift eine neue Versetzungsordnung: „Wer in fast allen Fächern 4 steht, in Geschichte eine 5 und Physik eine 6 hat, aber in Sport eine 3 kann versetzt werden“, klärt Reichard auf und ergänzt: „Ich fürchte um die Zukunft des Gymnasiums.“ Nächster Punkt: Zentralisierung. Die „Lernstandsprüfung“ der Klasse 9, die mittlere Reife und das Abitur werden vereinheitlicht. „Wir werden zur reinen Paukanstalt. Damit bekommt auch der Ausfall von Unterricht einen anderen Wert und Lehrermangel wird nicht mehr zur abnickbaren Lapalie“. Noch nie seien an der Zitadelle mit so wenig Lehrern so viele Schüler unterrichtet worden. Satte 35 Jahre unterrichtete Schulleiter Reichard, würde aber heutzutage wohl eher nicht mehr Lehrer werden wollen. Ihn nährt lediglich die Überzeugung: „das keine noch so beknackte Schulreform einem wirklich begabten Kind schaden kann“ und trotz des „abgrundtief scheußlichen Szenarios am Horizont der Optimismus >>was geht trotzdem<<“.

Bereits Übung im Curriculum des 12-jährigen Schulwegs hat Ines Nagelschmitz, Schulleiterin des Mädchengymnasiums Jülich. Die so genannte Profilklasse für Begabte geht bereits in Klasse 7. Hier haben die Schülerinnen bereits ab Klasse 6 die zweite und in Klasse 8 die dritte Fremdsprache. Hinzu kommen Angebote im Naturwissenschaftlichen Bereich. Nun ist dies nicht 1 : 1 übertragbar, aber hat für den Lehrplan Vorbildcharaker. „Obwohl die Schulzeit verkürzt ist, soll keine Stunde ausfallen“, erläutert die Direktorin. Die 13. Klasse wird „vorgeholt“. Das heißt: Schon in Klasse 5 haben die Schülerinnen erstmals an einem Nachmittag sieben Stunden. „Das wird der größte Einschnitt für die Fünftklässler“. Das Angebot eines Mittagstischs und eine verlängerte Pause um 13 Uhr gibt es schon länger. Ines Nagelschmitz sieht hierin den Trend zur Ganztagsschule, wie sie bereits in den europäischen Nachbarländern praktiziert wird. „Die Akzeptanz bei den Eltern ist sehr durchwachsen“, räumt sie ein.


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