Pfarre feiert Grundsteinlegung

Selgersdorf: Aufbruch im 100. Jahr
Von Arne Schenk [03.07.2012, 10.34 Uhr]

100 Jahre St. Stephanus Selgersdorf: Dass die katholische Pfarrkirche jetzt sein rundes Jubiläum feiern konnte, ist nicht selbstverständlich. Denn ein wahres Martyrium hat die Selgersdorfer Kirche bis heute erlebt. Ein Stück Geschichte.

Eine Kirche für acht Dörfer: St. Stephanus in Selgersdorf. Foto: Nieveler

Eine Kirche für acht Dörfer: St. Stephanus in Selgersdorf. Foto: Nieveler

Mehrfach wurde in dem südlichen Stadtteil von Jülich der Grundstein für den neuen Bau eines Gotteshauses gelegt. Dem unablässigen Bemühen unter anderem verschiedener Gottesleute ist es zu verdanken, dass stets einen Kirchenbau in der Mitte des Ortes stand. Dies dokumentieren Dr. Peter Nieveler und Albert Brüsselbach in der ungewöhnlich detaillierten und aufwändig gestalteten Festchronik „100 Jahre St. Stephanus Selgersdorf 1912 – 2012“, wie auch Cordula Schmitz, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, auf dem Festkommers unterstrich.

Bereits für das Jahr 1225 ist die Existenz einer Kirche in Selgersdorf schriftlich belegt. Weiterhin hat am 22. Juli 1768 der damalige Pfarrer Johann Adolf Binsfeld den Grundstein für ein neues Gotteshaus gelegt, das Anfang des 20. Jahrhunderts baufällig und schließlich 1922 abgerissen wurde.

Zuvor hatte Pfarrer Josef Wimmer, der von 1904 bis 1930 in Selgersdorf wirkte, zwischen 1912 und 1913 den Neubau der jetzigen Kirche auf den Weg gebracht. Auch für die Ausstattung zeigte er sich verantworlich. Allerdings wurden drei Glocken des neuen Glockengeläuts neben zwei weiteren aus der alten Kirche bereits 1917 zu Kriegszwecken konfisziert. Das Gebäude selbst fiel samt Inventar im Winter 1944 / 1945 fast vollständig der Zerstörung zum Opfer.

Pfarrer Josef van Gils (1932 bis 1956 in Selgersdorf) brauchte zehn Jahre, um dafür zu sorgen, dass die Kirche wieder als Gotteshaus zu nutzen war. Als Dank für ihr gewaltiges Engagement widmete die Stadt ihnen zwei Straßen in der Ortschaft. Aufgrund dieses Leidensweges der Kirche passt es trefflich, dass der heilige St. Stephanus, der erste Märtyrer, zum Pfarrpatron erkoren wurde.

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Festmesse mit Weihbischof Dicke zum Jubiläum.

Festmesse mit Weihbischof Dicke zum Jubiläum.

Auch heute hat die Kirche mit einer scheinbaren Bedrohung zu kämpfen, allerdings aus völlig anderer Richtung. Vom Priestermangel betroffen gehört die Pfarre mit ihren Gläubigen aus Selgersdorf, Daubenrath und Altenburg sowie seiner Filialgemeinde Krauthause seit 1995 zur Weggemeinschaft mit den Pfarren aus Bourheim und Kirchberg sowie seit 2005 auch Koslar, geleitet von Pfarrer Dr. Peter Jöcken.

Zum 1. Januar 2013 entsteht die GdG (Gemeinschaft der Gemeinden) Heilig Geist Jülich, bestehend aus 13 Pfarren des Jülicher Stadtgebietes. „Wie geht es weiter?“, fragt Cordula Schmitz in der Festschrift und gibt im direkten Gegenzug die Antwort: „Neue Pfarre! Neue Hoffnung!“ Niemand brauche sich vor der Fusion zu fürchten, vielmehr biete sie eine Fülle an neuen Angeboten und Möglichkeiten, indem sich Menschen zusammentun, die ihren Glauben leben und sogar feiern.
Pfarrer Dr. Peter Jöcken beschreibt ebenfalls die Chance, „durch eine erweiterte Zahl von möglichen Verantwortlichen und auch eine jeweils größere Klientel in allen Bereichen doch Manches auf Stadtebene ... zu verwirklichen“. Denn auf Dorfebene seien wichtige Bereich wie Jugende und Familienarbeit trotz einzelner Bemühungen einfach nicht auf Dauer lebendig zu halten.

Weihbischof Gerd Dicke betonte in seiner Predigt auf der Festmesse, dass Kirche kein steinernes Museum werden dürfe, sondern lebendig bleibe müsse. „So sind wir aufgerufen, so viel lebendigen Glauben zu erzeugen, dass er uns auch in der Zukunft tragen wird."


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