Regionaler Pfarrgemeinderatstag über „Kirche werden und Kirche sein“

Jülich: Weniger Tabu – mehr Mut
Von tee [14.02.2012, 13.25 Uhr]

Glaubwürdigkeit, Kommunikation und sich der Herausforderung stellen unter dem Leitwort „Kirche in der Welt von heute werden – Kirche am Ort sein“ – das waren die zentralen Themen des Regionalen Pfarrgemeinderatstages in Jülich. Diese gab Bischof Heinrich Mussinghoff in der Schlosskapelle den Teilnehmern mit in die Ar-beitskreise.

Bischof Mussinghoff referiert vor den Pfarrgemeinderäten in der Jülicher Schlosskapelle

Bischof Mussinghoff referiert vor den Pfarrgemeinderäten in der Jülicher Schlosskapelle

Damit zeigte sich der oberste Hirte im Bistum Aachen nah am Problembewusstsein der Pfarrgemeinderäte: In Gruppen sprachen sie über grundlegende Perspektiven, aber auch über Sorgen, die sich mit Priestertum und Sendungsauftrag der Kirche, Pastoralkonzepten, Leitungskompetenz, Zusammenarbeit sowie Qualifizierungs- und Begleitangebote beschäftigten. Dabei kamen deutliche Unterschiede von Stadt- und Landgemeinden zum Ausdruck, von Problemen mit den wachsenden GdG-Territorien bei gleichzeitig abnehmender Zahl der hauptamtlichen Seelsorger. Das Gefühl der Überforderung durch Verantwortung oder Bedenken zur eigenen Qualifi-kation im Ehrenamt wurden ebenso angesprochen wie der Generationenkonflikt – sich von Vertrautem trennen zu müssen gegenüber der Aufbruchstimmung anderer. Der Wunsch nach einer informellen Austauschplattform im Internet wurde laut. Die Frage danach, wer für die Vernetzung sorgen solle, blieb dagegen offen.

Bereits im Impulsreferat hatte Bischof Mussinghoff diese Schattenseiten angespro-chen. Nachholbedarf bestünde in der Qualität der Kommunikation ebenso wie in der Glaubwürdigkeit und der Eigenverantwortung der Christen, die durch die Taufe zur „Botschaft in der Welt in Wort und Tat“ aufgerufen seien. Zu oft würden Standpunkte ausgetauscht, statt offen für das Überraschende in Gesprächen zu sein. „Wir brau-chen weniger Tabu und mehr Mut“, forderte der Bischof.

Hierzu gehört, sich den Realitäten zu stellen: einerseits dem gesellschaftlichen Wan-del und den sozialen Umbrüchen, andererseits auch innerkirchlich Strukturverände-rungen mit einer sinkenden Zahl an hauptamtlichen Seelsorgern, Kirchenaustritten und dem Verlust der Selbstverständlichkeit von Kirche im Leben der Menschen.

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Nicht nur über Kirche reden - auch kräftig mit anpacken sollen die Gemeindemitglieder

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Ein Drittel der Deutschen ist konfessionslos. Ehepaare teilten nicht mehr per se dieselben religiösen Grundüberzeugungen und ähnliche Glaubenspraxis, zitierte der Bischof den Theologen Christian Hennecke. Die Diaspora beginne in der Familie.
Große Bedeutung käme den Pfarrgemeinderäten als Mittler in die Lebenswelten der Menschen, Verantwortungsträger und Mitentscheidern zu. „Sachdienliche Lösungen“ seien dort zu finden, wo ein „Klima des Vertrauens“ herrsche. Gemeint sind beide Seiten: Hauptamtliche ebenso wie Ehrenamtler, die keine Fronten aufbauen sollten. Als Aufruf zum gemeinsamen Aufbruch darf daher die Mahnung Bischof Mussing-hoffs gelten: „Wir können uns die Vergeudung von Zeit und Energie in Statuskämp-fen und Rivalität nicht leisten.“

Ein deutliches Signal angesichts des nachmittäglichen Arbeitsprogramms zum Ent-wurf der neuen Synodalsatzung. Eine Arbeitsgruppe aus Diözesanrat der Katholiken und Hauptabteilung Pastoral / Schule / Bildung des Bischöflichen Generalvikariates hat sie erarbeitet. Die Pfarrgemeinderäte nutzten in Jülich erstmals die Gelegenheit, ihre Meinung zu den Veränderungen zu äußern und Fragen zu stellen. Renate Mül-ler, Vorsitzende des Diözesanrates, betonte, dass sie stolz sei, dass die Satzung überhaupt in die Konsultation gehe. „Das kenne ich aus keinem anderen Bistum.“ Klar sein müsse aber, dass die Satzung der Bestimmung der Aufgaben diene und hier Kompromisse zu akzeptieren seien. „Eine Satzung muss sich vor allem in Kon-fliktzeiten bewähren.“
Bis 31. Mai dauert dieser Abstimmungsprozess, dann wird bis September die Be-schlussvorlage für Priesterrat und Diözesanrat vorbereitet. Das letzte Wort hat der Bischof.

In der Region werden zwei weitere Termine für Pfarrgemeinderatstage stattfinden: In Aachen an der Heinrich-Heine-Gesamtschule, Hander Weg 89, am 3. März und an der Bischöflichen Marienschule, Viersener Str. 209, in Mönchengladbach am 17. März.

Nach dem 17. März steht das Impulsreferat von Bischof Mussinghoff auf der Inter-netseite http://pastoral-in-lebensraeumen.kibac.de/ als Download bereit.


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