Selbsthilfegruppe gegründet

Jülich: Trauer teilen
Von Silja [01.03.2011, 07.23 Uhr]

Hannelore Viehöver-Braun (l) und Angela Kersten Stroh (r) begleiten die Selbsthilfegruppe auf dem Weg.

Hannelore Viehöver-Braun (l) und Angela Kersten Stroh (r) begleiten die Selbsthilfegruppe auf dem Weg.

Einander Stütze sein und durch das gleiche Schicksal Nähe und Verständnis erfahren, das ist das Gundkonzept der Selbsthilfegruppen. In Jülich fanden sich jetzt Frauen und Männer zusammen, die ihre „Trauer“ teilen wollen.

Unermesslich ist die Trauer dessen, der den Tod eines nahen Angehörigen aus „seiner geborgenen Welt“ beklagt. Der Schmerz trifft den Trauernden seelisch, geistig und körperlich. Er löst wechselnden und widersprüchlichen Gefühle und Handlungen aus. Nachempfinden kann sie nur, wer selbst Kind oder Lebenspartner verloren hat. So verfehlen Tröstungsversuche von Menschen im Umfeld des Betroffenen meist ihre Wirkung oder erreichen gar das Gegenteil.

Deshalb ist der Austausch in Selbsthilfegruppen so wichtig, der Schutz und inneren Halt gibt und bei der Bewältigung von Ängsten und Problemen hilft. So sprudelten bei der etwa zweistündigen Gründungsversammlung der Selbsthilfegruppe „Trauer“ in Jülich Gedanken und Gefühle bei den meisten Teilnehmern, während andere völlig schweigsam dabei saßen.

Neun Frauen und ein Mann saßen mit Moderatorin Viehöver-Braun und Angela Kersten-Stroh, Begleiterin beim „Trauerspaziergang“, an einem Tisch. Bei dieser Veranstaltungsreihe war auch der Impuls zu einer Jülicher Selbsthilfegruppe entstanden. Kersten-Stroh hat in ihrer Trauerarbeit gelernt, „nicht zu bewerten“, sondern Äußerungen und Handlungen der schmerzlich Getroffenen einfach „so stehen zu lassen“ oder auch ihr völliges Schweigen zu akzeptieren. „Trauerarbeit ist ein Marathonlauf. Die Geduld mit sich selbst zu haben, ist schwierig“, betonte Viehöver-Braun. Aber: „Leute, die sich auf den Weg begeben, um ihr Schicksal in die Hand zu nehmen, haben Vorteile“.

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Deshalb wird „ein Feedback innerhalb der Gruppe eingefordert, damit wir weiter kommen“. Die Themen in der neu gegründeten Gruppe bestimmen ihre Mitglieder selbst. „Was brennt mir auf der Seele?“ oder „Wie ist die Woche verlaufen?“ soll stets am Anfang der zukünftig in zweiwöchigem Rhythmus tagenden Veranstaltung stehen. Als „Eisernes Gesetz“ gilt laut Hannelore Viehöver-Braun von der Selbsthilfe-Kontaktstelle Kreis Düren: „Alles, was hier gesprochen wird, bleibt hier im Raum und geht nicht nach draußen“.

Wie der Austausch bei der Auftaktveranstaltung zeigte, sind kleine Rituale zur Trauerbewältigung meist hilfreich, wie das Anzünden einer Kerze neben dem Bildnis des Verstorbenen oder der häufige Besuch auf dem Friedhof. „Selbsthilfe ist selbstbestimmend“, deshalb finden die künftigen Zusammenkünfte ohne Begleiterin statt. Ob und wie lange Trauernde den Austausch in der Selbsthilfegruppe für sich beanspruchen wollen, bleibt ebenfalls in ihrem Ermessen, denn die Selbsthilfegruppe ist „ein Angebot von Vielen“. Wer keinen Ausweg aus seiner tiefen Trauer findet, kann auch therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

Hannelore Viehöver-Braun ist zudem Ansprechpartnerin in der Außenstelle Jülich, und zwar jeden Mittwoch von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr. Die Außenstelle befindet sich im Neuen Rathaus, Eingang Kartäuserstraße 2.


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