Nachlese: Abschiedskonzert "D.Sailors"

Jülich: Das Ende der Punk-Rock-Jugend
Von Arne Schenk [16.06.2010, 13.57 Uhr]

Ein letzter Schnappschuss vor der Fangemeinde von der KuBa-Bühne runter, dann verabschieden sich D-Sailors (Matthi, Ingmar, Uli Sailor und Uli GePunkt, von links) für immer.

Ein letzter Schnappschuss vor der Fangemeinde von der KuBa-Bühne runter, dann verabschieden sich D-Sailors (Matthi, Ingmar, Uli Sailor und Uli GePunkt, von links) für immer.

„Heute endet meine Jugend!“ Melancholische Gedanken manifestierten sich im Kulturbahnhof, mehrfach geäußert von Fans, die sich noch einmal dem klanglichen Rausch vergangener Tage hingaben. Immerhin war die spielende Band 17 Jahre lang die Konstante der lokalen Szene, an der sich viele andere Punkrockgruppen orientierten, mit Tourneen in Brasilien und etlichen CD-Veröffentlichungen. Doch an diesem Abend verkündete Uli Sailor in der ausverkauften Halle des Kulturbahnhofs das Motto des Abends als finalen Akt: „Guten Abend. Wir sind D-Sailors, wir sind gekommen, um uns aufzulösen!“

Bruchlos bretterte die Band mit „Leaving for Canada“ los. Das Kanada, zu dem sich Formation musikalisch aufmachte, war gleichbedeutend mit dem Utopia des Gesterns, eine Zeitreise in in die Vergangenheit, als die jungen Bands zahlreich aus dem Dunkel ihrer heimischen Keller das erste Mal in die grellen Scheinwerfer der öffentlichen Bühnen eintauchten. Oder in das milde Licht des Bonhoeffer-Hauses, als der damalige Jugendleiter Peter Möller den Nachwuchs motivierte, indem er ihn umfassend förderte und reichlich Möglichkeit zur Entfaltung bot, eben auch mit Auftritten, wofür ihm der Sailors-Frontmann ausdrücklich dankte.

Überhaupt herrschte auf dem Abschiedskonzert eine Atmosphäre wie auf einem Klassenabschlusstreffen nach zehn Jahren, dafür sorgte auch das zweite Motto der Veranstaltung: Es durften nur Gruppen spielen, die es nicht mehr gab. „Jemand hat mir die gute Laune gestohlen, ich werde sie mir wiederholen“, erinnerte Cl. Audio alias Mister Luna in seiner Alt-Formation „Heshthot“ daran, dass jeglicher Wehmut hier wenig Platz haben sollte. Stattdessen war Party angesagt. Genau dies beherzigten Gitarrist chp, Drummer Jensen und Bassistin Leila Lu und kleideten ihr altes Liedgut á la „Afrika“ oder „Ronja“ in ein kraftvolles modernes Gewand, deutlich klanglich gereift in der Dekade, in der die Band nicht existierte. Als Schulterschluss zum aktuellen Geschehen präsentierten sie den Sailors-Song „Brapapapap“.

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Von der Menge lassen sich D-Sailors (hier die beiden Ulis) nach ihrem finalen Konzert auf den Händen durch die volle KuBa-Halle tragen.

Von der Menge lassen sich D-Sailors (hier die beiden Ulis) nach ihrem finalen Konzert auf den Händen durch die volle KuBa-Halle tragen.

Gleich ein originales Bandmitglied holten sich derweil die übrigen Gäste an Bord. Mit Gitarrist Ingmar rockten Markus, Domi, Cornel, Uli und Manu als „Sailors und die Socks“ in Gedenken an alte gemeinsame Tourerlebnisse im Zeichen des Punkrocks. „Wir verneigen uns vor Eurer langjährigen musikalischen Präsenz“, zollten die „Socks“ den Seeleuten ihren Respekt. Auch wenn das Publikum einen Sitzpogo nicht mehr richtig hinbekam, die Symbolik des dazugehörigen Stückes „Die letzte Runde“ sprach für sich.

Als Ersatzmann an den vier Saiten spielte Sailors-Bassist Uli GePunkt in der Riege um Andy Cormann, Meikel Poelchau, Volker Niemela und Martin Mostert das gesamte Set von „Ascrum“ punktgenau mit und verhalf dem wie in alten Zeiten bestens eingespielten Team zur gewohnten Live-Stärke. Von „Moonshine“ bis zu „Riverflow“ vermittelten sie nie den Anschein, als ob sie je pausiert hätten.

Auch „Schrottgrenze“, die eigentlich längst schon nicht mehr existieren, trafen sich auf Einladung von Uli Sailor ein letztes Mal auf der KuBa-Bühne, um ihrer Trennung den offiziellen Status zu verleihen, und dies weit weg von ihrer Wahlheimat Hamburg. Mit „Belladonna“ und „Lila will heim“ leiteten Alex, Timo, Zombo und Pohn ihren eigenen Abgesang ein, ehe Buddy Uli dem Quartett mit seinem Saxophon die finale Reibung verlieh.

Die mächtigen Sailors selbst begrüßten ebenfalls Gäste in ihrem Programm, David Ningelgen von „Manticor“ zum Beispiel, der „Release me“ zelebrieren durfte, bei dessen Studioaufnahme er mitgesungen hatte. Dezent verlieh Meikel Poelchaus Geigenspiel „See you within“, dem verstorbenen Drummer Marco gewidmet, eine eindringlich nachdenkliche Stimmung. Mit 31 Songs verwöhnten Uli Sailor, Ingmar, Uli GePunkt und Matthi ihr Publikum und deckten dabei nur einen Bruchteil ihrer 17-jährigen Kreativarbeit ab. Mit „Turn the Pages“ beendeten sie das letzte Kapitel ihres selbst geschriebenen Romans. Dann noch ein Foto mit der Masse Fans, ehe sie sich Stage-Diver-mäßig auf ihren Händen davontragen ließen.


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