MGJ-Philosophiekurs diskutiert mit DDR-Kritiker
Von Redaktion [05.06.2010, 07.28 Uhr]

Er ist ein gebürtiger 68er – allerdings in der DDR. Als 21-jähriger gelingt die Übersiedlung nach West-Deutschland und fasst wenig später Fuß als freier Journalist und Autor. Roman Grafe, Kritiker des DDR-Regimes, beschäftigt sich vor allem mit der Geschichte der Innerdeutschen Grenze und er Prozesse gegen die Mauerschützen und ihre Befehlsgeber. Jetzt besuchte er den Philosophiekurs des Mädchengymnasiums und diskutierte mit den Schülerinnern über das Wesen des Mitläufertums.

Das 2009 erschienenen Buch „Die Schuld der Mitläufer – Zwischen Anpassung und Widerstehen“ umfasst 22 Essays von Menschen, unter anderem von Wolf Biermann und Freia Klier, die in der damaligen DDR gelebt haben und sich zwischen diesen beiden Extremen bewegt haben.

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Grafe erläuterte im Gespräch mit den Philosophiekursen von Dr. Gerit Langenberg-Pelzer und Thomas Floßdorf, dass sich die Mehrheit der in der DDR lebenden Bürger stärker anpasste, als sie tatsächlich mussten. Zudem betonte der Autor, dass man kein Held sein musste, um in der DDR zumindest passiven Widerstand zu leisten. Ohne die Mitläufer hätte die Diktatur nicht vierzig Jahre lang so funktionieren können.

Das Regime konnte sich auf das Schweigen der Mehrheit verlassen. So seien alltägliche Möglichkeiten des gefahrlosen Widersprechens und Widerstehens ungenutzt geblieben. Die Schülerinnen waren beeindruckt von der Tatsache, dass das angepasst Sein sowie das Nicht-Widerstehen beim Erlangen von Vorteilen für die eigene Person oder Familie ein wichtiger Bestandteil des Regimes der DDR war.

Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit der Konrad Adenauer Stiftung statt. Grafe arbeitet unter anderem für die ARD und die Süddeutsche Zeitung und hat bereits mehrere Bücher und Filme über die DDR herausgegeben.


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