Kreßner-Nachfolger im Amt

Protestanten in Jülich haben wieder zweiten Seelsorger
Von Arne Schenk [01.06.2010, 08.27 Uhr]

Seit rund einem Jahr war die Stelle des zweiten Seelsorgers in der evangelischen Kirchengemeinde Jülich verwaist. Kein leichtes Unterfangen war es, einen Nachfolger für das Urgestein Dr. Thomas Kreßner zu finden, der in Pension gegangen war. Der „Neue“ kommt aus der Pfalz, heißt Horst Grothe, bringt seine Familie inklusive zweier Kinder mit, und feierte einen rauschenden Empfang im Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

Ökumenisch in die Gemeinde aufgenommen: Ein herzliches Willkommen bereiteten die "Kollegen" beider Konfessionen Pfarrer Horst Grothe (v.r.)

Ökumenisch in die Gemeinde aufgenommen: Ein herzliches Willkommen bereiteten die "Kollegen" beider Konfessionen Pfarrer Horst Grothe (v.r.)

„Wir haben den Eindruck, dass er in gute Hände kommt“, unterstrich Wolfgang Schneider, Vorsitzender des Presbyteriums von pfälzischen Becherbach bei Kirn in der Nähe von Bad Kreuznach, „und das beruhigt uns.“ „Er“ ist Horst Grothe, der jetzt als neuer Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Jülich von nun an Pfarrerin Karin Latour als Kollege zur Seite steht.

„Ich bin unendlich froh, Sie als neuen Kollegen begrüßen zu dürfen“, zeigte sich die Pfarrerin sehr erleichtert, dass die „Leidenszeit“, wie der stellvertretende Vorsitzende des Jülicher Presbyteriums, Dr. Dieter Schnabel“, es treffend formulierte, nun vorbei ist. In Erwiderung darauf formulierte Schneider: „Die harten Zeiten in Becherbach beginnen erst jetzt.“

Wie beliebt der Pfarrer in seiner alten Gemeinde ist, bewies die große Gruppe Becherbacher, die extra zur Einführung des Pfarrers mit dem Bus in die Herzogstadt angereist kam. Die Jülicher indes bemühten sich nach Leibeskräften, wenn nicht den Abschied von Becherbach, so doch das Willkommen in Jülich dem neuen Inhaber der zweiten Pfarrstelle leicht zu machen.

Bereits zum Gottesdienst wartete ein volles Haus auf den Neuankömmling, darunter fast ein Dutzend protestantischer und katholischer Amtskollegen. ließen es sich nicht nehmen, um Horst Grothe Gottes Segen mit auf den Weg zu geben. Pfarrer Dr. Peter Jöcken betonte die außerordentlich gute ökumenische Zusammenarbeit in Jülich: „Ich hoffe, dass Sie sich einbinden, den einen Gott zu ehren.“ Später fügte er im Dietrich-Bonhoeffer-Haus noch hinzu, dass es wichtig sei, in dieser schwierigen Zeit zusammen zu halten.

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Einen Willkommens-Rap präsentierten die Mitarbeiter des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses ihrem neuen Seelsorger Horst Grothe

Einen Willkommens-Rap präsentierten die Mitarbeiter des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses ihrem neuen Seelsorger Horst Grothe

Mit einer sehr persönlichen Predigt gab Grothe direkt seine Visitenkarte ab. Eine „intensive Begegnung mit einem Poller“ in der Jülicher Innenstadt hätte einen bleibenden Eindruck auf seinem bis dahin kratzerlosen Auto hinterlassen: „Seit das passiert ist, habe ich das Gefühl, hier angekommen zu sein.“

„Nehmen Sie die Familie gut an“, empfahl Superintendent Jens Sannig während seines Grußwortes im Bonhoeffer-Haus über seinen neuen Kollegen, der mit Frau und seinen drei Kindern Clara, Jan und Justus nach Koslar zieht. Er habe Horst Grothe als jemanden kennengelernt, „der nahe bei den Menschen ist, ihre Sprache spricht, mit ihnen lebt, ihre Ängste und Sorgen kennt“. Gleichzeitig dankte er Pfarrerin Karin Latour für die Arbeit während der Vakanz, die größtenteils auf ihren Schultern gelegen habe.

Auch Grothes Amtsvorgänger Dr. Thomas Kreßner begrüßte seinen Nachfolger sehr herzlich. Seine Predigt sei sehr informativ gewesen – über das Ende der Bundesliga oder eine Geschenkidee für den Pfarrer zu Weihnachten: ein Poller. Wenn er noch Geschichten wie die von Schinderhannes, der in der Region um Becherbach sein Unwesen trieb, in seine Predigten einfließen ließe, dann würden diese „einschlagen“.

Pfarrer Charles Cervigne von der evangelischen Gemeinde Aldenhoven war sich sicher: „Wir werden prima zusammenarbeiten.“ Dabei wies er darauf hin, dass die Menschen in der Region sehr offen seine, gerade in kirchlicher Beziehung, obwohl die Gemeinden sehr unterschiedlich geprägt seien.

Ihre Freude, dass Horst Grote da ist, drückten auch Norbert Rauland vom Förderverein Christuskirche, Elisabeth Schädlich vom Frauenkreis, Karl Petrasek vom Besuchsdienst und Posaunenchor sowie Steffi Arndt mit ihren Teamerinnen und Teamern von der offenen Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde aus und stellten sich dabei gleich vor. Singend hieß die Mitarbeitervertretung den neuen Pfarrer „Herzlich Willkommen“.

„Wer einen Esel in seinem Garten stehen hat, muss ein guter Mensch sein und ein guter Pfarrer“, erzählte Pfarrerin Karin Latour, als sie genau dieses von Horst Grothe hörte. Genau dies habe sich bewahrheitet. „Er ist ein Mann, mit dem man reden kann. Dazu beglückwünschen wir uns.“


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