Stollen unterm Sonnenschirm
Von Dorothée Schenk [17.11.2005, 16.58 Uhr]

Allerorts beklagen die Menschen – egal ob in Medien oder auf dem Marktplatz, im Satz oder am Stammtisch - die ach so früh beginnende Weihnachtszeit. Im August schon Printen … Spekulatius im Sommer … Stollen unterm Sonnenschirm. Klar: Auch hier ist es stets eine Regelung von Angebot und Nachfrage. Vermutlich sind es die Nörgler, die alle vor McDonalds stehen und alle keine Heino-Platten (wahlweise durch Michael Jackson, Robbie Williams oder Volksmusik zu ersetzen) kaufen. Der Wunsch, sich vorweihnachtlich einzustimmen, kommt offensichtlich immer früher. Das gilt auch für den Weihnachtsmarkt.

Nicht nur in Jülich, vielerorts im Rheinland öffnen die Weihnachtsmärkte vor Totensonntag. Der letzte Sonntag vor dem ersten Advent ist in der evangelischen Kirche der Tag, um vor dem Ende des Kirchenjahres der Toten des letzten Jahres zu gedenken. In einer Gesellschaft im christlichen Abendland, die sich immer weniger den Werten als der Ware bewusst ist, wundert es nicht, dass so verfahren wird. Allerdings ist es auch nichts, was stillschweigend hingenommen werden muss. Entgeistigt ist längst die Zeit des Advents, die ein Hinstreben zum Fest von Christi Geburt war. Zeiten ändern sich eben, es ist eine Frage, wie es wahrgenommen und vielleicht sogar kritisch begleitet wird.

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Es sind per se nicht nur die Kaufmänner schuld, die ihren Umsatz anstreben. Es sind auch die Konsumenten, die sich den Bummel nicht entgegen lassen wollen, ihr Vergnügen suchen. Immerhin sind die Jülicher so pietätvoll, am Totensonntag erst um 18 Uhr zu öffnen. Vielleicht gestattet man dann auch an den stillen Feiertagen – das katholische Fest Allerheiligen gehört dazu – Partyfreuden ab 18 Uhr. Das ist polemisch, aber wahr.

Was spricht gegen einen Weihnachtsmarkt, der am Donnerstag vor dem ersten Advent öffnet und dann vielleicht bis zum 23. Dezember stehen bleibt. Das brächte dem Marktbesucher mehr Ruhe und tatsächliche Einstimmung aufs Fest. Das Argument, der Markt müsse abgebaut werden, ist nicht wirklich stichhaltig. In Mönchengladbach-Rheydt bleibt der Budenzauber sogar bis 31. Dezember erhalten. Das gibt Muße, in Ruhe den Glühwein zu trinken, der in der Vorweihnachtshektik mundverbrennend gestürzt wird.

Kennen Sie Loriot: Ich lasse mir von einem Fernsehen nicht vorschreiben, wohin ich zu gucken habe? In diesem Sinne: Der Weihnachtsmarkt ist für tabu bis zum ersten Advent – das gilt übrigens auch für Lebkuchen … und Erdbeeren gibt es bei uns nur im Sommer.


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