Fachtag Bildung

Bildung in Zeiten von G8 und Bachelor-Studiengängen
Von PM [14.03.2016, 18.24 Uhr]

Rund 75 Gäste aus dem gesamten Bistum Aachen haben gemeinsam mit Experten – darunter u.a. Prof. Dr. Jochen Krautz von der Universität Wuppertal – über die Auswirkungen des veränderten Bildungssystems diskutiert. Die Kernthese: Jugendliche haben immer weniger Zeit und Lernräume, sich zu entfalten und zu bilden. Vermittelt werden z.B. in Schule und Universität lediglich Wissen und solche Kompetenzen, die für die Arbeitswelt verwertbar sind. Persönlichkeitsbildung tritt in unserer leistungsorientierten Gesellschaft in den Hintergrund. Der Freiwilligendienst, verstanden als ein Lerndienst, kann dabei eine Chance sein, dieser Entwicklung entgegen zu wirken.

Das Bildungssystem hat sich in den vergangenen rund 15 Jahren stark verändert: Das Studium wurde durch den Bologna-Prozess gestrafft und durch die Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen international vergleichbar gemacht. Die gymnasiale Schullaufbahn wurde von neun auf acht Schuljahre verkürzt (G8). Ganztagsunterricht, Zentralabitur und Fremdsprachenausbildung in der Grundschule wurden eingeführt. In der PISA-Studie werden international die alltags- und berufsrelevanten Kenntnisse aller 15-Jährigen getestet.

Experten, wie Professor Dr. Jochen Krautz von der Universität Wuppertal, blicken besorgt auf diese Entwicklungen: „Für viele Menschen ist Bildung nur mehr die Vermittlung von Wissen - und zwar von solchem Wissen, das später auf dem Arbeitsmarkt verwertbar ist. Dabei ist Bildung viel mehr“, weiß Prof. Dr. Krautz. Gebildete Menschen seien in der Lage, sich in der Auseinandersetzung mit anderen und der Welt zu reflektieren. Dazu brauche es aber Lernräume und Erfahrungsmöglichkeiten, die durch G8 und Bachelor-Studiengänge nicht mehr vorhanden sind. „Mal nach links oder rechts zu schauen, sich auszuprobieren und außerhalb von Schule etwas über sich und das Leben zu lernen, tritt in unserer leistungsorientierten Gesellschaft immer häufiger in den Hintergrund“, kritisierte Krautz bei der Fachtagung der Freiwilligen Sozialen Dienste e.V. im Bistum Aachen (FSD) am 10. März 2016 im Zinkhütter Hof in Stolberg. Unter dem Titel „Wa(h)re Bildung“ diskutierten hier rund 75 Teilnehmer mit den Referenten.

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Schule und Studium als Orte für Persönlichkeitsentwicklung?
Die Mitarbeitenden des FSD koordinieren Freiwilligendienste - wie den Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) – im Bistum Aachen von der Eifel bis nach Krefeld. „Wir haben daher einen guten Einblick in das, was die 320 jungen Freiwilligen, die wir begleiten, umtreibt“, erläutert Werner Reinhart, Vorstand beim FSD. „Einerseits lernen sie in der Schule Anpassung in Vorbereitung auf die Berufswelt. Andererseits sollen sie sogenannte Softskills wie Team- und Kommunikationsfähigkeit, selbständiges Handeln und Reflexionsvermögen mitbringen. Dazu finden sie aber weder in Schule oder Studium, noch in der Freizeit geeignete Lernorte.“ Schließlich sei der Alltag für Kinder und Jugendliche heute durch Ganztagsschule, Hausaufgaben, Nachhilfe sowie weiterer Termine wie Musikunterricht, Ballett oder Judo durchgetackteter als bei den meisten Erwachsenen. Wirklich freie Zeit für Dinge, die nicht irgendeinem verwertbaren Ziel folgen, gäbe es für junge Menschen immer seltener.

Zeit zur Nachreife
Ein Freiwilligendienst kann dabei genau die Chance sein, unbekannte Lebenswelten kennen zu lernen, sich neuen Aufgaben zu stellen und daran zu wachsen. In der Begegnung mit den Menschen, die die Freiwilligen begleiten, versorgen oder pflegen sowie in der Auseinandersetzung mit sich und anderen Freiwilligen, können sie Wesentliches lernen. „Wir bieten den engagierten jungen Menschen in erster Linie einen Lerndienst, in dem sie noch nicht alles können müssen“, erklärt Jochen Deußen. Er ist Sozialarbeiter an der Bischöflichen Maria-Montessori-Gesamtschule in Krefeld und begleitet seit vielen Jahren Freiwillige. „Für viele von ihnen ist es eine völlig neue Erfahrung, ganzheitlich zu arbeiten und auch so wahrgenommen zu werden. Also als ganzer Mensch - nicht nur mit Verstand, sondern auch mit Herz und Hand.“

Download mit Kernthesen der Referenten, Vortrag Prof. Dr. Krautz und Foto-Dokumentation der Fachtagung „Wa(h)re Bildung“:


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