Künstlerin Maria Fernandez

Hohe Kunst von der Burg Engelsdorf
Von Dorothée Schenk [08.03.2017, 09.09 Uhr]

Spricht Maria Jesus Ortiz de Fernández über ihre Arbeit, kommt die dynamische Frau vollständig in Bewegung. Das lateinamerikanische Temperament bricht sich in Wort und Gestik Bahn, während die dunklen Augen der 62-Jährigen Funken sprühen. Auf der Burg Engelsdorf bei Aldenhoven ist die Künstlerin mit ihrer Familie zu Hause.

Nicht nur mit Werken…

Nicht nur mit Werken…

Es ist ein Ort zwischen Inspiration, Abgeschiedenheit und ständigem Werden. „Das ist unser Paradies“, sagt die gebürtige Chilenin strahlend. In einer ehemaligen Kuhscheune der denkmalgeschützten Wasserburg aus dem 11. Jahrhundert hat sie sich vor über 25 Jahren mit ihrem Bildhauerkollegen und Ehemann Juan ein Atelier eingerichtet. Seither ist die „Künstlerklause“ immer mehr gewachsen. Zum Ensemble gehören auch eine Werkstatt und eine Gießerei für die Bronzewerke. Damit ist das Paar praktisch autark.

Entwerfen, modellieren, gießen, schleifen – Bildhauerei ist Schwerstarbeit. Daher gibt es auch nur wenige Frauen, die sich in diesem Metier einen Namen gemacht haben wie Maria Fernandez. Die Disziplin gehört bei ihr ebenso zum Handwerk wie die Schaffenspause, die die Künstlerin in der mittäglichen Siestà findet.

Das jüngste Werk, eine Pietà, die sie im Auftrag der Communio in Christo geschaffen hat, hat sie im letzten Monat höchstpersönlich nach Mechernich zum Aufstellungsort in der Hospizkapelle begleitet. Die Skulptur besteht aus einem rund 800 Kilo schweren Sandstein-Sockel, der 164 Kilo schweren Bronzeskulptur der Maria, die ihren sterbenden Sohn in Armen hält, und einem Bronzetisch. Per Anhänger kam die Pietà in die Eifel. Ein Kraftakt war zu leisten, und trotzdem weist die Künstlerin fremde Unterstützung weit von sich: „Jedes Projekt hat seine eigene Dynamik. Das lasse ich kein Unternehmen machen!“

In solchen Fällen müssen eben alle einsatzbereiten Hände mit anfassen: Alexandra von Hoensbroech, Karl-Heinz Altdorf, Bashkim Hajdari, Sohn Ignazio Fernandez und die Künstlerin selbst. Die Spannung ist mit Händen greifbar, als der schwere Monotlith „vom Tod zum Leben“ gebracht werden muss. So umschreibt Maria Fernandez den Vorgang, wenn die 800 Kilo von der Waagerechte in die Senkrechte gebracht werden müssen. Es ist der „schwierigsten Moment“, wie sie sagt, denn obschon mit Kappen und Teppichstreifen geschützt bestünde immer die Gefahr, dass der Stein bricht. Dann ruht die Basis unverrückbar zusätzlich mit einem Spezialkleber fixiert an seinem Bestimmungsort. Ist alles gelungen, bricht sich die Erleichterung Bahn, es wird gelacht, abgeklatscht und das Team applaudiert sich in gegenseitiger Anerkennung.

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…auch mit Worten kann Maria Fernandez überzeugen.

…auch mit Worten kann Maria Fernandez überzeugen.

Fast fünf Stunden hat in diesem Fall der Aufbau gedauert. „Gott sei Dank!“ Ein Seufzer der Erleichterung war der Künstlerin spontan entwichen, und ihr gleichzeitig als Erleichterung und Rührung ins Gesicht geschrieben als das Kunstwerk endlich stand. Nichts erinnert an die Spannung, an den Schweiß und die Arbeit, die in der Pietà „stecken“.

Ihr Handwerk lernte Maria Fernández, achtes von zehn Kindern, in ihrer Geburtsstadt Santiago de Chile – bis 1973 der Putsch kam. Wie viele der intellektuellen Elite verließ sie ihre Heimat in Richtung USA, musste allerdings zum Abschluss ihres Studiums nach Chile zurückkehren. Zu ihrem Glück, denn hier lernte sie den Bildhauerstudenten Juan Fernández kennen, der eigentlich Priester hatte werden wollen und dafür das Studium der Theologie und Philosophie in?Münster absolviert hatte. Mit ihm ging die knapp 22-Jährige nach Köln, als Juan dort eine Auftragsarbeit zu erledigen hatte. Für zwei Jahre, dachten sie. Wenn Maria Fernández erzählt, wie sie in einer Gruppe mit Künstlern wie Markus Lüpertz und Gerhard Richter arbeiten und sich auszutauschen konnte, strahlen die dunklen Augen. Deutschland ist ihr Heimat geworden. Seit 2000 hat Maria Fernández mit der Einbürgerung Fakten geschaffen.

Die Chilenin schätzt neben der Geschichte und Romantik die deutschen Werte. „Ohne Disziplin wären das alles hier nur Träume und Blabla – Ordnung, Vision, Perspektive sind wichtig. Dann hat man auch als Künstler eine sehr bewusste Freiheit.“ Deutschland, so sagt sie, habe einen guten Boden für Kunst, Qualität würde geschätzt und gefördert.


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