Dr. Thomas Kreßner – ganz privat
Von tee/ars [25.03.2009, 20.41 Uhr]

Promovierte über "den lieben Gott": Dr. Thomas Kreßner

Promovierte über "den lieben Gott": Dr. Thomas Kreßner

„11.30 Uhr, bei bedecktem Himmel“ wird Thomas Kreßner als Sohn eines Juristen im sächsischen Zwickau am 2. September 1948 geboren. Angesehene Leute waren die Kreßners in Sachsen: Der Großvater Direktor der Eisenbahn, der Vater promovierter Rechtsanwalt mit politischen Ambitionen: Gründungsmitglied der FDP-Vorgängerpartei LDPD, der keine Nazi-Vergangenheit hatte und darum Bürgermeister werden konnte, und ohne Kommunisten-Zukunft, was das Schicksal des Flüchtlings mit sich brachte.

All das prägte den Wahl-Rheinländer, der über Umwege durch Hannover und Lüneburg schließlich in Köln ankam. Die Familie bezieht Quartier in Rodenkirchen, als der Vater Verwaltungsbeamter im Kreissiedlungsamt wird. Derweil raucht dem Pennäler im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium – „jetzt fast jeden Tag im Fernsehen, weil es genau gegenüber dem Stadtarchiv in Köln liegt“ – der Kopf. Eine tiefe Zuneigung hat Dr. Thomas Kreßner seither zu dieser Stadt: „Im Sommer muss ich alle 14 Tage an den Rhein fahren, Schiffe gucken und Steine in den Fluss werfen. Das ist völlig irrational. Ich muss auch das Siebengebirge gucken können – aber das kann man auch von der Sopienhöhe aus.“

Als der Vater als Kämmerer und 1. Beigeordneter nach Langenfeld wechselt, zieht die Familie mit, und Sprößling Thomas baut sein Abi am Benrather Schlossgymnasium – von dort aus ist es ein Katzensprung nach Wuppertal. Drei Semester ist der Theologiestudent dort zu Hause, ehe er – der Philosophie wegen – vier Semester bei Georg Picht und Hans-Georg Gadamer in Heidelberg studiert. „Damals waren das noch Weltstars“, erklärt Dr. Kreßner. Fürs Examen wechselt der umtriebige Student nach Bonn.

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Pfarrer Dr. Kreßner wusste "seine" Kirche stets hinter sich.

Pfarrer Dr. Kreßner wusste "seine" Kirche stets hinter sich.

Es folgt die Promotion auf Staatskosten: Per Gesetz war ein Stipendium zu haben, aber „nachdem ich fertig war, ist es wieder abgeschafft worden.“ Das gehört mit zu seinem Leben als Glückskind, das Dr. Thomas Kreßner gern zitiert. Promoviert hat er „über den lieben Gott“, wie es ihm Peter Beier in den Mund legte. Der genaue Titel „Verantwortete Rede von Gott – ein Vergleich der Theologie Wolfhart Pannenbergs und Herbert Brauns.“

Das Ziel von Bonn aus war eigentlich Köln, die Wahlheimat. Aber Ehefrau Martina – die der angehende Pfarrer übrigens vor der selbstverständlich evangelischen Trauung zur „Genehmigung“ beim Landeskirchenamt vorstellen musste – erhielt eine Anstellung in Geilenkirchen. Erst der Blick auf die Karte belehrte das Paar, wo sich dieser Ort befand. Sie fanden das erste Heim im Linnicher Land, in Brachelen. Hier wurde Tochter Christina 1975 geboren – eine Schwester und ein Bruder sollten die Familie später vervollständigen.
Im benachbarten Schwanenberg bei Erkelenz absolvierte der frisch Promovierte sein Vikariat, ehe er in Übach-Palenberg Pastor im Hilfsdienst wurde. „Das hieß wirklich so“, amüsiert sich Pfarrer Kreßner noch heute.

„Abgeworben“, so schmunzelt der Theologe, hätten ihn die Jülicher 1978 aus Übach-Palenberg. Zu seinem 30. Geburtstag, dem frühesten Datum für die Wahl zum Pfarrer, wurde Dr. Thomas Kreßner um 18 Uhr in der Christuskirche unter Wahlleitung von Peter Beier zum Nachfolger von Manfred Keller gewählt. „Ich habe immer alles als Erster gemacht – früher war ich immer der jüngste, jetzt bin ich überall der Älteste“.

Kein Aprilscherz: Am 1. 4. beginnt nach 30 Dienstjahren für Pfarrer Kreßner die Altersteilzeit. Seine Weggefährten und Gemeinde verabschieden ihn in einem Festgottesdienst am Sonntag, 29. April, um 14 Uhr in der Christuskirche an der Düsseldorfer Straße.

Dennoch bleibt er den Jülichern erhalten – er hat sich an der Bahnhofstraße ein „schönes Haus mit Garten“ gekauft.

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