Zweiter Musikförderpreis der Lions vergeben

Jülich: Elfmal "Musik prägt Persönlichkeiten"
Von Dorothée Schenk [09.04.2017, 12.23 Uhr]

Ergriffen. Der Begriff umschreibt wohl am ehestens die Gemütslage des Publikums, das zum Musikförderpreis des Lions Club Jülich in die Schlosskapelle der Zitadelle gekommen war. Zum zweiten Mal hatten die Jülicher diesen Wettbewerb für klassischen Nachwuchs in der Region ausgelobt.

 Jan Ackermann am Klavier vertrat neben Henrike Wille den Jülicher Musikernachwuchs.

Jan Ackermann am Klavier vertrat neben Henrike Wille den Jülicher Musikernachwuchs.

„Die Qualität ist noch einmal gesteigert worden“, hieß es im Zuge der Veranstaltung. Kein Untertreibung. Was in den fast zwei Stunden Programm von den elf Kandidaten zu hören war, hatte mit „Vorspielstunden“ oder Musikschulkonzerten nichts zu tun. Die Acht- bis 17-jährigen Musikerinnen und Musiker überzeugten sowohl durch die Beherrschung des Instrumentes als auch die Vielfalt und die Komplexität der ausgewählten Werke oder wie es Prof. Theenhaus formulierte: „Persönlichkeit prägt Musik und Musik prägt Persönlichkeiten.“

Selbstverständlich gab es die Begegnung mit guten Bekannten wie Beethoven, vür den sich unter anderem Pianistin Pia Vohn (9) entschied, Mozart, den Querflötistin Alina Eltec (11) sich gewählt hatte, Mendelsohn, mit dem Henrike Wille (15) an der Geige in den Wettbewerb ging und Haydn, dessen Klavierkonzert G-Dur Jan Ackermann (15) ausgewählt hatte. Aber auch weniger klangvolle Namen wie Robert Woodcock waren zu hören. Blockflötistin Ananya Safferling (11) präsentierte aus dem Werk dieses Barockkomponisten den 1. Satz des Concerto Nr. 2.

Mit Friedrich Seitz‘ Konzert Nr. 3 und dem 1. Satz daraus erstricht sich Geigerin Deborah Souvignier (15) mit viel Feingefühl einen der drei Sonderpreis der Stiftung Vox Musicae. Mit ihr wurde Arianna Severin ausgezeichnet, der es an der Querflöte gelang mit der spannungsreichen Fantasie in e-moll von Gabriel Fauvré im modernen Arragement von James Galway Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Dritter der Vox Musicae-Preisträger war Andé Dell, der Jüngste in der Runde. Die Hälse reckten sich aber es war muksmäuschenstill als er zu Ludwig van Beethovens Sonatine F-Dur die erste Klaviertaste anschlug. Da müssen die Klischees im Kopf was achtjährige Jungen angeht ersteinmal dem Erstaunen Platz machen, mit welchem Feingefühl ein Anschlag gelingen kann, mit welchem Selbstverständnis André Dell der harmonische Konzertklang mit dem Orchester gelang.

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Zwei Gewinnerinnen auf ganzer Linie: Förder- und Publikumspreise nahmen in ihren Altersklassen Carolyn Shen (l) und Clara Stümpke (r).

Zwei Gewinnerinnen auf ganzer Linie: Förder- und Publikumspreise nahmen in ihren Altersklassen Carolyn Shen (l) und Clara Stümpke (r).

Das Orchester – genau das ist das ganz besondere dieses Nachwuchspreises: Lions-Freund Prof. Stefan Palm, auf den internationalen Konzertbühnen zu Hause, greift nicht nur zum Taktstock, es gelingt ihm auch für den Wettbewerb ein Orchester zu gewinnen zu dem sein Bruder Michael als Konzertmeister gehört, Kurt Collinet Werner Gronen und Julius Meier an den Geigen, Werner Burkhoff und Walter Haas an der Bratsche, Cellistin Almuth Ensinger und am Kontrabass Johannes Hugot.

Ein absolut überzeugendes Zusammenspiel gelang auch Clara Stümpke (10) mit Luigi Boccherinis 3. Konzert in G-Dur. Alle drei Sätze spielte die Cellistin und demonstrierte zwölf Minuten lang mit jedem Bogenstrich nicht nur Professionalität, sondern auch die Freude, genau an dieser Stelle zu sitzen und sich dem Publikum zu zeigen. Die Freiheit im Umgang mit ihrem „Freund“, dem Instrument, und die Kontaktfreudigkeit in Richtung Publikum machten sie zum Star der Gruppe 1. Da war sich die Jury mit Prof. Herbert Nobis, Pedro Obiera, Prof. Rolf Theenhaus, Justus Schöningh und Prof. Stefan Palm ebenso einig wie das Publikum. Beide Preise konnte sie in der Altersklasse 1 mit nach Hause nehmen.

Die doppelte Auszeichnung gab es auch für Carolyn Shen in der Altersklasse 2. Die Violonistin setzte nach der wunderbaren Jana Schell (14) ein, die durch ihr freies und sicheres Auftreten mit dem Allegro von Mozarts Konzert Nr. 3 in G-Dur überzeugte. Die 17-jährige Shen übernahm anschließend das Adagio und Rondeau, ließ den Bogen auf den Seiten tanzen und zeigte auch nach dem letzten Ton schon Profi-Qualitäten: Verbeugen, Dank an den Dirigenten und Dank an den Konzertmeister.

„Gerne hätten wir elf Preise vergeben“, betonte Prof. Theenhaus. Die Unterschiede seien sehr klein gewesen. Aber auch Wettbewerb sei wichtig, weil er stimuliere, Anreize gebe und Vorbilder schaffe.


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