Jubiläum am Mädchengymnasium

Jülich: Seit 125 Jahren in besonderer Mission
Von Dorothée Schenk [14.03.2016, 18.33 Uhr]

Erinnerungen gibt es viele, die sich in 125 Jahren ansammeln. So begrüßte zum Jubiläumsfestakt des Mädchengymnasiums Jülich der hauseigene Chor mit Günter Jansen mottogemäß die Gäste mit dem Song „Memory“. Flott und beschwingt leiteten Bettina Groos und Hansbert Schruff aus dem Kollegium durch das zweieinhalb-stündige Programm, bei dem die Vielzahl der Gratulanten beredtes Zeugnis ablegten über die Wertschätzung aus Politik, Kirche, Bildungslandschaft, Eltern und Ehemaligen. Schließlich, so betonte Schulleiterin Maria Bardenheuer, wollte man so ein stolzes Alter nicht im „stillen Kämmerlein“ feiern.

Mit Spaß gaben die Fünftklässler die "Europa-Hymne" des Mädchengymnasiums zum Besten.

Mit Spaß gaben die Fünftklässler die "Europa-Hymne" des Mädchengymnasiums zum Besten.

Die Aufgabenteilung war klar: Horst Hennert von der Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft ließ die Gründerjahre unter den Olper Franziskanerinnen, den Wandel zur modernen Schule in der 70er Jahren und auch die kritische Zeit, in der die Schule sich der kritischen Diskussionen wegen der neuen Trägerschaft durch den Opus Dei stellen musste, bis zur Zertifizierung als Europaschule vor acht Jahren Revue passieren. Viel Grund zur Dankbarkeit, so Hennert, hätte die Schule. Er betonte aber auch, dass das Mädchengymnasium für die Bildungsstadt Jülich als Zukunftsstadt wichtig sei und so gehe die Schule guten Mutes in die nächsten 125 Jahre.

Zur Freude der Gastgeber kam Sabine Verheyen (MdEP), um über das Thema „Europa“ und „Europaschule“ zu sprechen. Schmunzelnd nahm sie Bezug auf das musikalische Zwischenspiel des MGJ Orchesters und Leitung von Ernst M. Simons, das ein Medley der 007-Melodien präsentierte. Die Parallele: Unterwegs in besonderer Mission. Das sei auch die Schule. Im MGJ würde für ein europafreundliches Klima gesorgt und das sei gerade in dieser Zeit wichtig, in der Europa vor eine Zerreißprobe stünde. Europa sei nicht nur ein Wirtschaftsraum, sondern eine Friedens- und Wertegemeinschaft. Verheyen rief in ihrer Ansprache dazu auf, dass die Menschen sich wieder auf ein Klima der konstruktiven Lösungsansätze besinnen sollten, „damit wir wieder spüren, dass uns mehr eint als uns unterscheidet.“ Das Mädchengymnasium mache Europa im Kleinen erlebbar, weil Freundschaft, kulturelle Vielfalt und gegenseitiges Verständnis gefördert würden.

Es sei ein Geschenk, wenn man einen guten Christen trifft, sagte Prälat Dr. Christoph Bochkamp, Regionalvikar der Prälatur Opus Dei, in seinem Grußwort. Außerdem verlas er die Glückwünsche von Bischof Javier Echevarría Rodríguez aus Rom. Bürgermeister Axel Fuchs schloss sich dem Plädoyer von Sabine Verheyen an, und ergänzte, dass die monoedukative Schule eine Bereicherung für das Schulprofil der Stadt sei.

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Aus Politik, Bistum, Bildungseinrichtungen, der Elternschaft und Ehemaligen waren Vertreter der Einladung zum Festakt gefolgt.

Aus Politik, Bistum, Bildungseinrichtungen, der Elternschaft und Ehemaligen waren Vertreter der Einladung zum Festakt gefolgt.

Nicht etwa aus Desinteresse, sondern wegen der „reibungslosen pädagogischen Abläufe“, erläuterte Paul Palmen von der Bezirksregierung Köln, habe man so selten Kontakt zum MGJ. Die Schülerzahlen zeigten, dass diese Schulform keineswegs aus der Mode gekommen sei. Palmen warf einen Blick auf das Gründungsjahr, in dem nicht nur die bis heute gültige Rentenreform durch Bismarck eingesetzt, sondern auch die erste hawaiianische Königin inthronisiert wurde. Stichwort: Frauenpower. Schließlich zog er die Beziehung zu Dr. Weyer, Namensgeber der Straße, an der die Schule liegt. Dr. Weyer sei im 16. Jahrhundert Gegner der Hexenverbrennung gewesen. Die Schlussfolgerung überlies Palmen schmunzelnd der Phantasie der Gäste. Lucien Ramacciotti von der Partnerschule Collège St. Joseph im belgischen Chênée erzählte, wie die Jülicher Schule andere mit offenen Armen empfangen würde und sagte: "Ich bin dankbar, Sie als Freunde zu haben."

Ein Lob für Wandel und Kontinuität sprach Daniela Oktar für die Schulpflegschaft aus. Anpassungsfähigkeit an neue Gegebenheiten und Stabilität zeichnete das MGJ aus. "Wenn etwas 125 Jahre wärt", zitierte sie Bundeskanzlerin Angela Merkel, "und sich bewährt hat, dann kann e sich im Großen und Ganzen nur um eine Erfolgsgeschichte handeln". Dass diese aus der Toleranz und dem offenen Dialog wachse, stellte Helmut Jagdfeld, Vorsitzender des Fördervereins der Schule dar und nutzte natürlich auch den Moment für einen "Werbeblock" wie er sagte. Schließlich käme das Geld der Fördervereinsmitglieder den Schülerinnen und der Ausstattung der Schule zugute.

Welche Wege aus der Schule ins Leben möglich sind, diesem Aspekt widmete sich Ute Gerbaulet, heute Investment-Bankerin und dreifache Mutter. Mit einer beeindruckenden Biografie kehrte sie erstmals nach 29 Jahren zurück in ihre Schule und zeigte vor allem Dankbarkeit gegenüber den Lehrern, vor allem aber auch der "Klarheit in den Werten", die ihr am Mädchengymnasium vermittelt worden seien. Hier schloss sich der Kreis zu den Erinnerungen: An Herrn Dohmen als ihren ersten Klassenlehrer, der ein gesungenes Morgenlob und fünf Minuten Kopfrechnen jedem Matheunterricht voranstellte, Frau Nieveler, die den bis heute bei ihren Kindern gültigen Kanon Gedichte, Grammatik, Lieder als Grundlage mitgegeben hätte und an Dr. Rosemarie Reinbold. Die ehemalige Rektorin habe in ihr die Leidenschaft für die Literatur von den mittelalterlichen Minnegesängen bis zu Christa Wolf gelegt. Neben der Schulbildung sei auch das persönliche Aufgehobensein ein wichtiger Wert. "An dieser Schule wird man sehr wohlbehütet groß", sagte Ute Gerbaulet und schilderte, wie Frau Dr. Reinbold ihr in der schweren Krankheit ihrer Mutter beigestanden habe. Szenenapplaus gab es für ein Plädoyer der Monoedukation, die sie sich auch für ihre Söhne wünschen würde.

Dass es am Mädchengymnasium Jülich viele "Lichtgestalten" gibt, bewiesen zum Abschluss des Festaktes Neuntklässlerinnen mit einem raffinierten Tanz im verdunkelten PZ, bei denen als großes Finale die "125 Jahre" den Gästen heimleuchteten.

Bilder vom Festakt am MGJ


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